Karlsruhe
Sashas Show „This Is my Life“ an zwei Abenden im Konzerthaus
Ende der 90er-Jahre, als ihm der internationale Durchbruch als Sänger gelingt, ist vor allem die König-Pilsener-Arena in Oberhausen Treffpunkt der deutschen Musikszene. Auch Sasha steht bei der Veranstaltung „The Dome“ auf der Bühne, berührt mit Balladen wie „If You Believe“ die Herzen des Publikums. Insbesondere die seiner weiblichen Anhänger, die ihm mit selbst gebastelten Plakaten zujubeln.
Mehr als zwei Jahrzehnte später halten die Fans Smartphones in die Höhe, um zu filmen, zu fotografieren oder einfach nur mit dem Licht des Geräts für eine besondere Atmosphäre zu sorgen. Was sich in dieser langen Zeit nicht geändert hat, ist die Freude und Begeisterung, die der inzwischen 50-Jährige mitbringt und auf das Publikum überträgt.
Gelungene Mischung
Immer wieder erheben sich die Zuschauer im Konzerthaus von ihren Sitzen, lassen sich von seiner Musik zum Tanzen hinreißen. Sasha bringt alte und jüngere Lieder zu Gehör, verpackt Hits aus der Anfangszeit seiner Karriere in ein hörenswertes Medley und interpretiert ältere Stücke wie „I Feel Lonely“ neu. Er streut auch deutschsprachige Stücke ein wie „Du fängst mich ein“ und singt Titel anderer Künstler, etwa den Song „Hello“ von Lionel Richie. Das Stück erinnere ihn an einen besonderen Moment in seinem Leben und habe ihn musikalisch geprägt, erzählt Sasha.
Zu seinem runden Geburtstag hat der gebürtige Westfale ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt und sein Lebenswerk in eine knapp zweieinhalbstündige Show unter den Titel „This Is my Life“ gepackt. Es ist eine gelungene Mischung aus Konzert und Stand-up mit sehenswerten Tanzeinlagen und Choreografien.
Hüftschwung nicht verlernt
Bei seinen beiden Auftritten am Wochenende in Karlsruhe beweist Sasha, wieso er nie von der Bildfläche verschwunden ist: Weil er sich immer wieder neu erfindet und selbst als Moderator eine gute Figur macht. Bei seinem Auftritt schmeißt er sich in diverse Outfits und zeigt auch als Dick Brave, dass er mit 50 Jahren den Hüftschwung nicht verlernt hat.
Es scheint, als ob die Zuschauer auf einer Couch Platz genommen hätten und durch sein Familienalbum blättern würden. Dabei lässt Sasha tief blicken. Der inzwischen in Hamburg lebende Künstler erzählt von seiner Familie, der Scheidung seiner Eltern und der schwierigen Suche seiner Mutter nach einem Job.
Fernsehabende mit der Oma
Der Sänger nimmt sich auch gerne selbst auf die Schippe: kommentiert humorvoll sein früheres Auftreten und seine Musikvideos. 17 Mal hat er es auf die Titelseite der Bravo geschafft – des Magazins, das in Zeiten ohne Internet die wohl wichtigste Nachrichtenquelle für Jugendliche war, um etwas aus dem Privatleben ihrer Stars zu erfahren. Als Star hat er Menschen kennengelernt wie Whitney Houston und Papst Johannes Paul II. Und in Thailand haben die Jungs seine Frisur kopiert.
Besonders in Erinnerung sind ihm die gemeinsamen Fernsehabende mit seiner Oma geblieben, wenn die Hitparade lief. Unterhaltungskünstler wie Peter Alexander und Rudi Carrell hätten ihn inspiriert. Dass in ihm auch ein solches Multitalent steckt, zeigt er in Karlsruhe mit Imitationen von Künstlern wie Julio Iglesias und Falco. Mit dem Song „The Power of Love“ aus dem Film „Zurück in die Zukunft“ bringt er das Konzerthaus förmlich zum Kochen.
Rollenwechsel bei voller Fahrt
Der Weg zum Popstar sei für ihn steinig gewesen, erzählt Sasha. Schon die Suche nach einer passenden Gruppe sei in einer Zeit ohne Internetsuche und Whatsapp-Nachrichten schwierig gewesen. „Ja, man musste die Menschen damals ansprechen“, sagt er. Das rund 30 Kilometer entfernte Warstein, wo er Anschluss eine neue Band finden wollte, sei für ihn wie „ein anderer Planet“ gewesen. Die ersten Disco-Erfahrungen habe er im Keller von Freunden gesammelt.
Ungewöhnlich für einen etablierten Popstars ist sein Rollenwechsel quasi bei voller Fahrt. Sein Terminkalender sei so durchgetaktet gewesen, dass es ihm mit der Zeit zu viel geworden sei, erzählt Sasha. Erschöpft von den vielen Auftritten habe er eine Schaffenspause eingelegt. In den USA habe er Rockabilly kenngelernt, was ihn auf die Idee für sein Alter Ego Dick Brave brachte. So habe er in der Branche bleiben, doch statt Balladen zu singen die Bühne mit seiner Band rocken können.
Den emotionalen Schlusspunkt des Abends bildet der Titel „Lighthouse“, den er für seinen Sohn Otto geschrieben hat. Denn aus dem Popstar von damals ist nicht nur ein Publikumsliebling, sondern auch ein Familienvater geworden.