Rheinpfalz Sagenhaft erfrischend

ERLENBACH. Der Aufstieg treibt den Besuchern den Schweiß aus jeder Pore des Körpers. 35 Grad zeigt das Thermometer am frühen Nachmittag, der letzte steile Aufstieg zur Burg Berwartstein, unserem kühlen Ort, den wir heute vorstellen, ist recht mühsam.
Aber das schreckt die vielen Besucher, etwa 50 Ferienkinder mit Betreuern sowie eine Besuchergruppe aus England, nicht ab, an einer Führung teilzunehmen. Nach Entrichten von fünf Euro Eintritt steht dem auch nichts mehr im Wege. Unser Weg führt zunächst in die gut besetzte Burggaststätte. Angenehm kühl ist es schon hier. „Doch wo ist der kühlste Raum in der Burg?“, lautet die entscheidende Frage an Arno Reither von der Geschäftsleitung. Die Mutmaßung, es könnte die Folterkammer sein, erweist sich als falsch. „Kühl ist es überall hier, deutlich kühler als draußen“, sagt er. Schon zu Barbarossas Zeiten fanden die Ritter Abkühlung in der 1152 erstmals urkundlich erwähnten Raubritterburg. Der kühlste Ort ist der große Brunnenraum, der zum Treppenhaus führt. Ein gutes Dutzend Besucher hört Führer Jonathan aufmerksam zu. Die Gruppe ist um die Einfassung des Brunnenstollens versammelt. Zu sehen gibt es an sich recht wenig, der Schacht ist mit einem Metallgitter gesichert. Wie tief der Brunnenstollen ist, das sollen die Touristen schätzen. Alle liegen falsch. Exakt 104 Meter bohrten die Erbauer den Schacht durch den massiven Buntsandsteinfels, um die Wasserversorgung der Burgbewohner sicherzustellen. Jonathan demonstriert die Tiefe, indem er ein Gefäß mit Wasser ausschüttet. Erst tut sich über Sekunden gar nichts. Stille herrscht, bis es schließlich nach einigen Sekunden auf dem Boden ankommt und der Schall oben zu hören ist. Die Brunnenanlage ist es auch, die die erfrischende Kühle in den Raum bringt. Das Thermometer zeigt gerade mal neun Grad. Ein klimatisierter Raum ohne jede Technik. Reither zeigt auch noch den ehemaligen Mannschaftsraum im Fels. Hier ist es ähnlich kühl. In dem Raum, beleuchtet durch einige Teelichter, gibt es außer Fels nichts zu sehen. Die Raubrittergeschichten von Hans Trapp, die Zugehörigkeit über Jahrhunderte zum Kloster Weißenburg und die Sagen um die Uneinnehmbarkeit und nicht zuletzt das bekannte Rittermahl, all das bekommen die Besucher auf Wunsch erzählt. „Man fühlt sich ins Mittelalter zurückversetzt“, resümiert ein jugendlicher Besucher zufrieden. „Hier lebt man Geschichte, in der Schule hört man sie nur.“ Info Die Burg ist ganzjährig geöffnet. Von März bis Oktober täglich, von November bis Februar samstags und sonntags. (dy)