Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Südwestpfalz: Gelber Sack in der Kritik

Immer der gleiche Ärger: Die gelben Säcke reißen sehr schnell auf.
Immer der gleiche Ärger: Die gelben Säcke reißen sehr schnell auf. Foto: Franz-Josef Schächter

Es ist schon ein Kreuz mit den Gelben Säcken, die im Landkreis Südwestpfalz im Umlauf sind. „Viel zu dünn, die reißen ja ständig auf“, heißt es immer wieder. Landau hat jetzt nach Bürgerbeschwerden die Reißleine gezogen: Ab Januar gibt es dort reißfestere Säcke. Im Landkreis Südliche Weinstraße kann man schon seit vergangenem Jahr darauf zurückgreifen. Und bei uns?

Wer mit dem „gelben Nichts“, wie im Wertstoffhof im Hauensteiner Stopper zu hören war, zu tun hat, kennt die Malaise: Mancher Gelbe Sack zerreißt schon beim Lösen von der Rolle, nur zu oft entstehen Risse, wenn die Tüte mit etwas kantigerem Material gefüllt wird, nicht selten gibt das dünne Plastik nach, wenn der Sack zugeschnürt wird oder zum Abholen an die Straße getragen werden muss. Oft mit dem Ergebnis, dass der gesammelte Verpackungsmüll sich auf dem Bürgersteig verteilt. Das tut er ohnehin dann, wenn heftiger Wind die Säcke packt und über Bürgersteig und Straße weht, was die „Problemsäcke“ in der Regel nicht unbeschadet überstehen.

Beschwerden auch in der Südwestpfalz

Ja, auch in der Südwestpfalz habe es Beschwerden wegen der Beschaffenheit der derzeit verwendeten Gelben Säcke gegeben, bestätigt Kreissprecher Thorsten Höh auf Anfrage. Zuständigkeitshalber habe man die Klagen an die Firma Remondis, die mit der Abholung des Verpackungsmülls beauftragt ist, weitergegeben. Und: Partner für die Südwestpfalz sei im Dualen System das Unternehmen Interseroh, das in Köln beheimatet ist und unter dem Dach der Alba-Gruppe zuhause ist.

Dickere Säcke ab 2022 verhandelbar

Der Kreissprecher teilte mit, dass man in Gesprächen mit den Unternehmen sei, um die dünnen Säcke zu ersetzen. Man sei guter Dinge, dass auch für die Südwestpfalz eine Lösung gefunden werde, sagte Höh. „Wann es hier zu Ergebnissen kommt, ist aber offen“, führte er weiter aus. Die Gespräche mit der Kreisverwaltung bestätigte Susanne Jagenburg, die Pressesprecherin der Alba-Group: „Die Gespräche laufen gerade an“, schreibt sie und ergänzt, dass „eine dickere Sackstärke für die kommende Ausschreibung (für die Entsorgungsverträge ab 2022 bis 2024) sicherlich verhandelt werden“ könne.

Verwaltungsakt versus Vereinbarung

Dass das neue Verpackungsgesetz, wie aus Landau verlautete, den Kommunen die Möglichkeit einräume, per Verwaltungsakt vorzuschreiben, welche Säcke eingesetzt werden sollen, stellt Jagenburg in Abrede: „Es gilt nach wie vor die Regelung der Abstimmungsvereinbarung zwischen Kommune und dualem System.“

„Nur wenige Beschwerden“

Beschwerden? Was die Beschaffenheit der Gelben Säcke angehe, „erreichen uns nur wenige Beschwerden, so vor allem bei ungünstigen Witterungsbedingungen wie starken Minusgraden oder hohem Windaufkommen“, schreibt sie weiter. Die Materialdichte sei aber „absichtlich dünner gewählt, damit ein Missbrauch der Säcke vermieden wird“. Dies gelte bundesweit. „In den Gelben Säcken sollen ausschließlich so genannte Leichtverpackungen entsorgt werden. Das sind solche Verkaufsverpackungen, die aus Kunststoff, Metall oder Verbundstoff bestehen.“

Säcke oft zweckfremd genutzt

Die Säcke würden aber zweckentfremdet genutzt: „Im Herbst zur Laubsammlung, zur Leergutsammlung, zum Schutz von Fahrradsätteln vor Regen oder aber – und das sehr häufig – zur Entsorgung von Restabfällen (die sperriger und schwerer sind, so dass die Säcke reißen).“ Dies verursache Mehrkosten, „die am Ende zu Lasten aller gehen“. Für einen sicheren Umgang mit den Gelben Säcken empfehle das Unternehmen, „diese ausschließlich mit restentleerten Leichtverpackungen zu befüllen und nicht zu überladen, sondern sie am besten locker zu befüllen“. Außerdem sollten die Verpackungen nicht fest ineinander gestopft werden, was die spätere automatische Sortierung und das Recycling erleichtere. „Und besser erst morgens früh (6 Uhr) am Abholtag rauslegen als abends, damit sie nicht über Nacht draußen liegen und so verweht werden oder Tiere anlocken“, empfiehlt die Pressesprecherin abschließend.

Die Frage, ob die dünnen Säcke auch aus Kostengründen die früher verwendeten stabileren Tüten ablösten, verneinte Jagenburg. Das sei „keine Kostenfrage“. Die jeweiligen Säcke würden auch von den beauftragten Entsorgungsfirmen bestellt. Deshalb könne Interseroh/Alba „keine Auskunft zu genauen Preisen geben“. Unsere Anfrage dazu bei Remondis blieb bisher unbeantwortet.

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