Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Reportage: Dengelkurs beim Obst- und Gartenbauverein Waldmohr

Teilnehmer Dirk Zander übt, Kursleiter Karl-Dieter Strauß schaut genau hin. Foto: m. hoffmann
Teilnehmer Dirk Zander übt, Kursleiter Karl-Dieter Strauß schaut genau hin.

Und plötzlich ertönen die Schläge der Männer im gleichen Rhythmus – fast wie bei der Amboss-Polka. „Jetzt wird alles richtig gemacht.“ Rolf Gerino, Vorsitzender des Verbands der Obst- und Gartenbauvereine im Kreis Kusel, der zusammen mit Karl-Dieter Strauß den Dengelkurs in Waldmohr leitet, schaut zufrieden in die Runde.

Kurz vor Beginn der Unterrichtseinheit „Dengeln“ haben Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Waldmohr gemeinsam mit Strauß und Gerino erste Vorbereitungen getroffen. Einige Holzstämme stehen bereit, in denen keilförmige Eisen stecken. Die Männer treffen nacheinander ein, die angemeldete Frau bleibt an diesem Nachmittag fern. Sie haben ihre stumpfen Sensen mitgebracht, die sie nicht nur aus Übungszwecken gleich zu schärfen gedenken.

„Warum geben wir diese Kurse?“, fragt Ralf Gerino am Anfang. „Weil es viele Interessenten gibt, die diese alte Technik lernen wollen“, antwortet er gleich selbst. Außerdem ist dem Rammelsbacher wichtig, „gerade bei jungen Leuten das Bewusstsein zu schärfen für alles, was die Natur zu bieten hat“. Dass Sensen naturfreundlicher ist als mähen mit elektrischem Gerät, wird er später nochmals ausdrücklich betonen. Nun weist er auf die verschiedenen Dengelmöglichkeiten, traditionelle und moderne, hin.

Großvaters Methode

Die meisten Männer entscheiden sich für die herkömmliche Methode, die sie oft noch von ihrem Großvater kennen. Werner Braun sucht sich einen Baumstumpf mit Amboss aus. Das Sensenblatt hat er bereits zu Hause vom Stiel entfernt. Er setzt sich auf den Stuhl und legt das Ende des Blattes mit der zu dengelnden Seite vom Körper weg auf den Metallkeil. Die Linke greift das Blatt, wobei der Daumen oben fixiert, während die anderen Fingern unten halten. Mit der Rechten nimmt Braun den Hammer. Dieser sieht auf den ersten Blick wie ein normales Werkzeug aus. Doch Gerino klärt auf: „Das ist ein spezieller Dengelhammer.“ Er deutet auf die breite Fläche, die normalerweise eben ist, bei diesem hier jedoch leicht gerundet.

Nun kann es losgehen. Braun schlägt auf die Schneide des Sensenblatts, zieht es ganz langsam weiter, während der Hammer im Takt auf und nieder fährt. Noch besser wird das Ergebnis, wenn der Hammer nach dem Schlagen leicht weggezogen wird, wie Strauß empfiehlt. So geht es immerfort. Die Arbeit sei zwar nicht anstrengend, aber die ungewohnte Haltung, wird Braun später sagen. Gerino gibt einen Tipp: „Achten Sie darauf, dass Sie einigermaßen bequem sitzen und dass das Blatt eine Auflage hat.“ Mindestens drei Durchgänge sind erforderlich, um die Sense richtig scharf zu bekommen. Das dauert.

Dirk Zander schüttelt gerade seine Hände aus. Das verkrampfte Halten macht selbst dem Jüngsten der Männer zu schaffen. Zum Sitzen hat er eine eigene Variante gewählt, das Bein auf den Baumstamm gelegt.

Prüfender Blick des Dozenten

Werner Braun findet, dass er genug gedengelt hat. Kann sein Blatt dem prüfenden Blick des Dozenten Stand halten? Karl-Dieter Strauß schaut auf das Werk und fährt mit dem Daumennagel leicht ein Stück an der Kante entlang. Er nickt. Allerdings stellt er die ein oder andere kleine Unregelmäßigkeit fest. Klar, das ganz präzise Arbeiten beherrscht der Anfänger noch nicht. „Das wird aber.“

Auf einem Dengelstuhl ist ein Schlagdengler angebracht. Das heißt, auf dem kleinen Amboss findet sich eine zylinderartige Hülse. Zwischen beide legt der Dengler das Blatt. Mit einem Pedal werden die Schläge auf die Schneide erzeugt. Strauß zeigt die Hülsen mit einem Rand von einem und von drei Millimetern. Erst kommt das breitere, dann das schmalere zum Einsatz.

Der Wahnwegener hat außerdem in Marke Eigenbau eine Vorrichtung entwickelt, bei der das Schlagen auf die Hülse eine Bohrmaschine übernimmt. So kann halbautomatisch gedengelt werden.

Sensendengelmaschine vorgeführt

Die zwei Dozenten demonstrieren außerdem die Funktion einer Sensendengelmaschine. Sie ist wie ein Fleischwolf an einem Tisch festgeschraubt. In einem Kästchen sind ganz eng nebeneinander einige Metallkugeln gesetzt. Wird die Kurbel betätigt, drehen sich die Kugeln in sich. Die Schneide der Sense wird an diese Kugeln angelegt und durch das Drehen geschärft. „Für etwa 30 Euro ist diese Maschine erhältlich“, weiß Gerino. Dengeln, egal nach welcher Art, schade der Sense übrigens nicht. Sie halte über Generationen, bekräftigt der Fachmann.

Wolfgang Meyer ist mit dem Dengeln fertig. Er hat sich bereits einen Wetzstein geschnappt. Professionell zieht er diesen abwechselnd vorne und hinten über das Sensenblatt, um abschließend einmal komplett an ihr entlangzufahren. Ende.

Themen sind an diesem Nachmittag außerdem die Sicherheit – „niemals die Sense ohne Schutz weghängen“, warnt Strauß – das richtige Einstellen der Sense und kurz das Mähen selbst. „Ich habe bisher noch nie gedengelt“, sagt Ludwig Metzger, der eine Sense vom Schwiegervater geerbt hat. Das wird sich nach diesem Kurs ändern. „Denn ich habe wirklich viel gelernt“, versichert er.

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