Offenbach-Hundheim RHEINPFALZ Plus Artikel Leitender Geistlicher spricht über die Zukunft der Abteikirche

Der rheinische Präses Thorsten Latzel bezeichnete die Abteikirche in Offenbach-Hundheim als „wunderschönen Schatz“.
Der rheinische Präses Thorsten Latzel bezeichnete die Abteikirche in Offenbach-Hundheim als »wunderschönen Schatz«.

In einem Gottesdienst, zu dem Präses Thorsten Latzel den weiten Weg von Düsseldorf nach Offenbach-Hundheim zurückgelegt hatte, ging es um die Zukunft der Abteikirche.

Im unteren Glantal ist sie ein Blickfang – die Offenbacher Abteikirche. Mit einem Brief, der die Überschrift „Abteikirche in Not!“ trug, hatte sich Jutta Lißmann vor einem Jahr an den rheinischen Präses Thorsten Latzel, an Kommunalpolitiker aus der Region sowie an Bundes- und Landespolitiker gewandt, um auf die ungewisse Zukunft der Kirche aufmerksam zu machen. Denn wegen der zunehmenden Finanznot der Evangelischen Kirche im Rheinland drohe eine Schließung der Abteikirche. Zur Erklärung: Präses ist ein Titel, der vor allem in der Evangelischen Kirche den Vorsitzenden einer Landessynode oder den leitenden Geistlichen einer Landeskirche bezeichnet.

Kirche zu Sparmaßnahmen gezwungen

Die schwierige Finanzlage habe sich seither nicht entspannt, sagte die Vorsitzende des Freundeskreises Abteikirche Offenbach in einem Grußwort am Donnerstagabend. Deshalb sei die Kirche gezwungen, Sparmaßnahmen zu ergreifen und sich beispielsweise auch von Gebäuden zu trennen. Der laufende Unterhalt für das Gotteshaus dürfe nicht allein der Kirchengemeinde Nahe-Glan, zu der die rund 500 evangelischen Christen in Offenbach seit Jahresbeginn gehören, aufgebürdet werden. Vielmehr seien Kirche, Politik und Gesellschaft gemeinsam gefordert, einen Weg zu finden, „um die Kirche im Dorf zu lassen“. An eine Schließung der Abteikirche zu denken, erscheine ihr wie eine „Selbstaufgabe“, ergänzte Lißmann. An dem Gottesdienst wirkten die Pfarrerinnen Tanja Bodewig und Denise Roth, die Diakonin Christina Budenhofer, der Chor FriFraVoce, die Offenbacher Abteispatzen sowie der langjährige Kantor Roland Lißman mit.

Gegen Ende seiner Predigt über die biblische Geschichte von Jesu Begegnung am Brunnen mit einer Frau aus Samarien bescheinigte Thorsten Latzel, der leitende Geistliche der zweitgrößten evangelischen Landeskirche, den Gottesdienstbesuchern: „Sie haben einen wunderschönen Schatz hier.“ Gott brauche keine Häuser, Heiligtümer oder Kirchen, sagte Präses Latzel. Aber die Menschen bräuchten Kirchenräume, um zur Ruhe zu kommen und Gemeinschaft zu erleben. Kirchen seien Orte für die Höhen und Tiefen des Lebens, für „Hoffnung, Heimat und Halt“.

Präses wirbt für ermäßigte Mehrwertsteuer

Gleichwohl werde sich die Rheinische Kirche von vielen Gebäuden trennen müssen, räumte der Theologe im Hinblick auf rückläufige Mitgliederzahlen und sinkende finanzielle Ressourcen ein. Aber welche Kirchen bewahrt und erhalten werden, entscheide nicht die Kirchenleitung. Das werde von den Kirchengemeinden entschieden.

Latzel warb dafür, für Baumaßnahmen an denkmalgeschützten Gebäuden wie der Abteikirche einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent statt der geltenden 19 Prozent anzuwenden. Weiter regte er zu gemeinsamen Anstrengungen mit Kommunen, kulturellen und gesellschaftlichen Akteuren an, um dieses Kulturerbe als „geistliche Brunnenorte“ zu bewahren.

Latzel: „Das Licht dürfte nie ausgehen“

Latzel verwies außerdem auf das Konzept „Kirchen als vierte Orte“, wonach die Gotteshäuser nicht nur eine rein geistlich-liturgische Funktion haben, sondern als öffentliche Räume soziale Treffpunkte wie Begegnungsorte und Kulturzentren bieten würden. „Das Licht dürfte in der Kirche nie ausgehen“, warb Latzel für eine Nutzungserweiterung. Nach dem Besuch in Offenbach, für den sich der Landtagsabgeordnete Oliver Kusch (SPD) eingesetzt hatte, war Präses Latzel am Freitag und Samstag zur Visitation im Kirchenkreis Obere Nahe unterwegs.

Die Abteikirche in Offenbach gilt als eines der schönsten Bauwerke der Frühgotik in Deutschland. Die Geschichte der großen Kirche in einem kleinen Ort reicht in das 13. Jahrhundert zurück. Nach der Gründung eines Filialklosters in Offenbach am Glan entstand zwischen 1225 und 1350 in mehreren Bauabschnitten die Benediktiner-Propsteikirche „St. Marien zu Offenbach“. Das heutige Erscheinungsbild des Sakralbaus, der 400 Sitzplätze bietet und ein frequentierter Veranstaltungsort für kulturelle Ereignisse ist, datiert nach Rekonstruktionen und Restaurationsarbeiten aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert.

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