Rheinpfalz Rege bis zum Schluss
„Zum Leichenims kommen sie alle“, kommentierte Sonhard Braun die ungewöhnlich vielen Mitglieder, die zur letzten Versammlung gekommen waren. Denn der Verein der Schüler der ehemaligen Landwirtschaftsschule in Wolfstein sollte nach 115 Jahren aufgelöst werden. Knapp 60 Frauen und Männer hatten sich dazu in der Gaststätte Reckweilerhof versammelt.
Braun nutzte den Anlass, um einen Überblick über die Vereinsgeschichte zu geben. Die landwirtschaftliche „Ackerbauschule“ war als Winterschule gegründet worden, um die Volksschule zu ergänzen. Für die Mädchen gab es hauswirtschaftliche Fächer, die Jungen sollten als zukünftige Bauern berufliche Kenntnisse sammeln. Gemeinsam war die Staatsbürgerkunde, auf die sehr viel Wert gelegt wurde. Der Verein, dem die meisten Schüler anschließend beitraten, war vor allem für Fortbildungen gedacht. Nach einer kurzen Unterbrechung im Winter 1944/45 nahm die „Landwirtschaftsschule“ – so der neue Name – den Unterricht wieder auf. Inzwischen gab es unter den Schülern auch Flüchtlinge und Heimatvertriebene, die in ihrer Heimat bereits mit Traktoren gearbeitet hatten, so dass Landtechnik als neues Fach unterrichtet wurde. Aber seit den 50er Jahren wurde immer deutlicher, dass es in der Landwirtschaft keine berufliche Zukunft geben wird. Das führte zu einem Rückgang der Schülerzahl. 1967 waren es noch 16, von denen später auch nur einer bis zur Rente als Landwirt arbeitete. Die Schließung der Schule war also unvermeidlich. Der Verein, der 1904 gegründet worden war, blieb trotzdem bestehen. Als 1992 die Auflösung drohte, übernahm Sonhard Braun die Geschäftsführung. Unter seiner Leitung verzichtete man auf Abendveranstaltungen, führte aber zwei Ausflüge im Jahr durch. Sie wurden ein Schwerpunkt der Arbeit, wie Braun in seiner Rede erläuterte. Ausgeschmückt mit kleinen Anekdoten erinnerte er an die mehr als hundert Ziele, zu denen die Mitglieder gefahren waren. Die Fahrten beschränkten sich nicht auf die nähere Umgebung, sondern es wurden auch sehenswerte Unternehmen oder Museen auf der Schwäbischen Alb, am Niederrhein oder im Elsass angesteuert. Aber in den vergangenen Jahren hatte der Verein darauf verzichten müssen, weil immer weniger Mitglieder daran teilnehmen konnten. Deshalb hatte man bereits im vergangenen Jahr beschlossen, den Verein aufzulösen. Der Rechenschaftsbericht über das vergangene Jahr fiel sehr kurz aus. Der Verein gedachte der fünf Mitglieder, die verstorben sind. Zum Kassenbericht erklärte Braun, dass seit der Einführung des Euro kein Mitgliedsbeitrag mehr verlangt wurde. Stattdessen hatte man das Guthaben langsam aufgezehrt, auch die letzten 475 Euro sollten für das gemeinsame Mittagessen verwendet werden. Anschließend wurden zwölf Mitglieder geehrt, die dem Verein seit 60 Jahren angehören. Auf die Tradition, bei der Generalversammlung auch einen Fachvortrag anzubieten, sollte auch beim letzten Treffen nicht verzichtet werden. Diesmal war Herbert Müller aus Lohnweiler dazu eingeladen worden. Der Hobbyimker referierte über die Bedeutung der Bienen für Mensch und Natur. Dabei ging er auch auf das aktuelle Problem des Bienensterbens und seine Folgen ein. Für 60 Jahre geehrt Rudi Baumbauer (Glanbrücken), Gisela Eckel (Odenbach), Kurt Fehrentz (Bosenbach), Ute Kreischer (Aschbach), Karl-Heinz Mahler (Hinzweiler), Karl Mäurer (Oberweiler-Tiefenbach), Kurt Maurer (Reiffelbach), Manfred Menzel (Jettenbach), Walter Milz (Lohnweiler), Ottilie Reths (Horschbach), Armin Rheinheimer (Rutsweiler) und Ruth Rünger (Karlshof).