Rheinpfalz Redend, schweigend, singend auf dem Weg

Der Weg ist das Ziel. Nicht immer ist er einfach zu bewältigen. Beim ersten After-Work-Pilgern ist die Gruppe unterwegs im Schwa
Der Weg ist das Ziel. Nicht immer ist er einfach zu bewältigen. Beim ersten After-Work-Pilgern ist die Gruppe unterwegs im Schwarzbachtal, nähert sich dem knackigen Anstieg am Mühlberg.

21 Liter pro Quadratmeter hat es am Donnerstag in Waldfischbach-Burgalben geregnet. Dunkle Wolken prägen den Nachmittag. Die ziehen sich zurück, machen der Sonne Platz, als sich um 18 Uhr Gläubige, Entspannungs- und Sinnsucher, Katholiken, Protestanten, Junge, Alte an der Sporthalle in den Bruchwiesen zu einer Premiere treffen – zum After-Work-Pilgern der Rosenberger Tage, organisiert vom Team von Maria Rosenberg und dem Wirtschaftsförderkreis der Verbandsgemeinde.

Das Ziel der Pilger ist der Rosenberg. Gut eine Stunde Zeit, um zu laufen, nachzudenken, innezuhalten, miteinander ins Gespräch zu kommen, mit Menschen zusammenzukommen. Letzteres schaffen die seit Jahren beliebten After-Work-Partys des Wirtschaftsförderkreises. Sie waren ein Anstoß für das neue Konzept des After-Work-Pilgerns. „Vielleicht lassen wir uns ja, um im Jargon zu bleiben, das Copyright eintragen“, sagt Pfarrer Volker Sehy, Direktor von Maria Rosenberg, und lacht. Manche Teilnehmer haben Pilgererfahrung, für andere ist es eine Premiere. „Pilgern ist Arbeit an sich selbst, ist Arbeit mit dem Herrn“, sagt Sehy. Mit Pastoralreferent Steffen Dully wird er auf dem Weg Impulse setzen. 23 Zwei- und zwei Vierbeiner pilgern los. Den ersten Impuls gibt es nach wenigen Metern auf dem sonnenüberfluteten Parkplatz an der Sporthalle. Sich einen Partner suchen, am besten einen, den man noch nicht kennt, in Zweiergruppen laufen, „und dann erzählen Sie sich gegenseitig von Ihrem Höhepunkt des Tages“, fordert Sehy auf. Alles Schlechte, das vielleicht bei der Arbeit passiert ist, bleibt außen vor. Positive Gedanken. Es funktioniert. Die Gruppe setzt sich in Bewegung, die After-Work-Pilgerer sind angeregt ins Gespräch vertieft. Was war gut? Jeder hat etwas Gutes erlebt. Vorbei am alten Schulhaus, stoppt die Gruppe am Anfang der Mühlstraße. Sehy setzt den nächsten Impuls, erzählt von einem jungen Mann, der sich auf Pilgerreise begab, um die Beziehung zu seiner Freundin zu hinterfragen. Auf der Tour beschäftigte er sich mit seinem Leben und der Frage, was ihn antreibt. Solche Fragen sollen sich nun die Rosenberg-Pilger durch den Kopf gehen lassen. „Bis wir das Ende des Dorfes erreichen, laufen wir in Stille“, sagt Sehy. Die Gruppe marschiert los. Schweigend. „Das war der Moment, in dem ich wirklich loslassen konnte“, sagt Teilnehmerin Petra Lommel später. Und nimmt von ihrer ersten kleinen Pilgertour mit, „dass ich in Momenten, in denen ich eine kleine Auszeit brauche – ich versuche dann zu meditieren, was mir meist nicht gelingt –, künftig rausgehe, einfach in Stille ein bisschen laufe“. Die letzten Häuser des Ortes werden passiert. Ein kleiner Hund verteidigt bellend sein großes Revier, begleitet die schweigende Pilgergruppe entlang des Zaunes. Toni und Lugh, die beiden Vierbeiner, die der Pilgergruppe angehören, haben das Schweigen verinnerlicht, lassen sich nicht vom bellenden Artgenossen hinter dem Zaun stören. Mit dem Eintritt in den Wald endet das Schweigen. Litaneien begleiten die Pilger nun auf ihrem Weg Richtung Schwarzbachtal. Vorbei an oder quer durch große Pfützen, die der Gewitterregen hinterlassen hat. Gut eine halbe Stunde ist die Gruppe unterwegs. Jetzt kommt der knackige Teil. Der Anstieg den Mühlberg hoch. Positiv denken. „Jeder von uns hat schon schwierige Zeiten zu meistern gehabt, Aufgaben gestellt bekommen, von denen er zunächst vielleicht glaubte, die schafft er nicht“, sagt Sehy. Dann habe man sie doch bewältigt. Auch mit Gottes Hilfe, steht für den Kirchenmann fest. Der erste schattige Waldabschnitt ist schnell passiert. Im Sonnenlicht geht es den Mühlberg hoch. Mit jedem Höhenmeter, der zurückgelegt wird, öffnet sich der Blick in die Ferne ein Stück mehr. Jeder läuft in seinem Tempo. Heinz Burkhard aus Zweibrücken ist Mitglied der St.-Jakobus-Gesellschaft und damit einer der erfahrensten Pilger in der Gruppe. Er war schon mehrfach in Santiago de Compostela, in Finisterre und hat den wachsenden Zuspruch, den das Pilgern findet, über die Jahre hautnah erfahren. „Als ich zum ersten Mal in Santiago war, wurden am Jahresende dort etwas mehr als 23.000 Pilger gezählt. Heute sind es über 230.000 jährlich, und im Heiligen Jahr waren es über 300.000“, erzählt er, während sich die Bergetappe dem Ende nähert, der Weg und bei manchem die Atmung wieder flacher werden. Eine wichtige Erfahrung, die für ihn zum Pilgern gehört: „Die Gastfreundschaft, die man erfährt und die man weitergibt.“ Das Miteinander zählt. Der Rosenberg ist zu hören, bevor er zu sehen ist. Glocken läuten. Gaby Stöbener-Ullrich, die ein Hotel-Restaurant betreibt, hat „unseren Ruhetag genutzt, um hier dabei zu sein“, sagt sie. Auch ihre Schwester Claudia ist dabei. „Und ich habe meinen evangelischen Mann dabei“, verrät diese und lacht. Der Weg hat sich für alle drei sichtlich gelohnt. Der Blick auf den Rosenberg und seine Glocken begleiten die Pilger auf den letzten Metern. Es folgt ein spiritueller Abschluss in der Kapelle, bevor es eine Stärkung gibt. Frank Bodesohn, auch ein erfahrener Pilger, hat diese Stunde genossen. „Wir werden das wiederholen“, sind sich Sehy und die Vorsitzende des Wirtschaftsförderkreises, Gepa Lorenz, einig. „Ich hatte noch Kundschaft, bin dann sehr schnell hierher gekommen, aber schon auf den ersten Metern konnte ich loslassen, als ich von den Höhepunkten meines Tages erzählt habe“, berichtet sie. Bei der Ankunft auf dem Rosenberg sei sie auch bei sich angekommen. Ziel erreicht.

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