Rheinpfalz Raser, Drängler, Elefanten

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In der 100er-Zone 150 fahren? Für Michael Meininger und Harry Schröer Alltag. Das Beste daran: Sie tun es im Namen des Gesetzes. Die beiden Polizeibeamten sind im sogenannten Provida-Fahrzeug unterwegs und kümmern sich auf den mehrspurigen Straßen der Westpfalz um Raser, Drängler und Elefanten.

Ein regnerischer Sommervormittag. Michael Meininger und Harry Schröer bereiten sich auf dem Gelände der Polizeiautobahnstation am Autobahnkreuz KL-West auf ihre erste Tour des Tages vor. Noch sitzen sie im Büro, checken ihre E-Mails und erklären ihren Zuständigkeitsbereich: „Wir sind auf den Autobahnen 6, 63 und 62 unterwegs, außerdem noch auf der A 8 bei Zweibrücken, der Bundesstraße 10 und der B 270 Richtung Pirmasens. Im Prinzip auf allen mehrspurigen Straßen in der Region.“ Gut 125 Streckenkilometer umfasst ihr Wirkungsbereich. Während Meininger sich noch eben um Papierkram kümmert, fährt – Achtung, Kalauer – Harry schon mal den Wagen vor. „Den Satz hab’ ich zigmal gehört“, sagt Schröer schmunzelnd, „auch wenn der so in der Fernsehserie ,Derrick’ nie gefallen ist.“ Gewissenhaft prüft er den Luftdruck und das Profil der Reifen des – Achtung, Hinweis – hellen BMW. Der Luftdruck müsse genau dokumentiert werden. Denn das Videosystem in dem Wagen, mit dem das Geschehen auf der Straße aufgezeichnet wird, und das die Geschwindigkeit des Vordermannes anzeigt, werde jährlich geeicht – und sei in Gerichtsverhandlungen kaum anzuzweifeln. Parameter wie der Reifendruck beim Provida-Fahrzeug würden sich die Anwälte dagegen schon vornehmen... Bevor’s losgeht, zeigt Schröer die Funktionen des Wagens – von Heck- und Frontkamera über Fernbedienung und Bildschirm in der Mittelkonsole, bis zum „Bitte folgen“-Display, das in der Ablage versteckt ist. Die Fahrt führt zunächst über die A 6 Richtung Landstuhl, ganz unspektakulär. Es regnet und die Gischt spritzt hoch. „Das ist für uns ganz schlechtes Wetter“, verrät Meininger – der aufgewirbelte Regen verdeckt die Nummerschilder der anderen Fahrzeuge. Raser würden vom Wetter nicht unbedingt abgeschreckt: „Für einige ist es schon verlockend, wenn’s regnet zu versuchen, das Maximum rauszuholen.“ Immer wieder nimmt Meininger per Hand die Geschwindigkeitsbegrenzungs-Schilder in den Fokus der Kamera: „Damit wir nachweisen können, dass hier eine Beschränkung gilt.“ Am Autobahnkreuz Landstuhl wird die Richtung gewechselt, es geht wieder gen Lautern. Die Beamten erzählen, dass sie spezielle Fahrtrainings auf dem Nürburgring mitmachen müssen. Schließlich jagen sie Temposündern mit hohen Geschwindigkeiten nach, und sie dürfen dabei weder sich noch andere gefährden. Fast beiläufig nehmen die Beamten bei KL-West ein „Elefantenrennen“, also einen Überholvorgang eines Lastwagens über mehrere Kilometer und Minuten auf. „Das Material werten wir auf der Dienststelle aus und schicken es an die Bußgeldstelle in Speyer weiter.“ Nach der Autobahnbaustelle geht plötzlich alles ganz flott: Ein Jeep ist im 100er-Bereich mit 140 Stundenkilometern unterwegs. Blitzschnell wird die Kamera zur Messung eingeschaltet. Passt. Noch mal prüfen. Eindeutig zu schnell. Schröer beschleunigt heftig, zieht links an dem Wagen vorbei und Meininger aktiviert das „Bitte folgen“-Schild. Brav fährt der Amerikaner, wie sich gleich herausstellt, ebenfalls von der A 6 ab. Nach Abzug der Toleranz war er 32 Stundenkilometer zu schnell. In einer Seitenstraße kassiert Schröer den Betrag gleich ein. „Er war gut gelaunt“, berichtet der Beamte, „mit Amerikanern haben wir generell wenig Probleme, wenn wir die anhalten.“ Weiter geht’s. Kaum auf der A 63 angekommen, fällt den Beamten ein Lastwagen auf, der zu nah auf seinen Vordermann auffährt und dessen Fahrer zudem noch das Handy am Ohr hat. Bei Sembach steht für den Mann aus der Ukraine ein Zwangsstopp an, wieder kassieren die Beamten vor Ort das Bußgeld ein. Alle Verstöße werden mitgefilmt – um zweifelsfrei das Fehlverhalten der Fahrer nachweisen zu können. Kurz nach 12 Uhr fahren die Polizisten im Hof ihrer Dienststelle vor: Pause. Anschließend werden die Berichte geschrieben. Und dann geht’s wieder auf die Straße. Immer auf der Jagd nach Rasern, Dränglern und Elefanten...

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