Südwestpfalz
Granaten, Pistolen, Munition im Pfälzerwald: Wie verhalte ich mich beim Fund richtig?
Ein 51-jähriger Mann aus Steinalben verletzte sich vor etwa einer Woche schwer an der linken Hand, als er eine Gewehrgranate aus dem Zweiten Weltkrieg in seinem Keller begutachtete. Diese hatte er zuvor im Wald gefunden. Laut Polizei manipulierte er an dem Kampfmittel, das daraufhin explodierte. Der Mann ist Militaria-Sammler und deshalb erfahren im Umgang mit Funden dieser Art.
Dennoch kam es zu dem folgenschweren Unfall. Zu schweren Verletzungen im Umgang mit alten Waffen, die Spaziergänger, Pilzsammler oder Militaria-Liebhaber finden, kommt es immer wieder. Weil im Boden des Pfälzerwaldes viele Kriegswaffen vermutet werden und es oft zu Funden kommt, stellt sich die Frage, wie man sich richtig verhält, wenn man auf verdächtige Gegenstände stößt.
Was ist zu tun, wenn man alte Waffen oder Munition im Wald findet?
Die wichtigste Regel ist laut einem Polizeisprecher: Den Fund nicht berühren oder gar mit nach Hause nehmen. Bereits kleine Erschütterungen oder eine Veränderung der Lage können im schlimmsten Fall eine Explosion auslösen.
Deshalb gilt: Wer etwas im Wald findet, das verdächtig aussieht, soll die Polizei verständigen und den Fundort mitteilen. Das geht meist gut, indem die Fundstelle mit dem Smartphone markiert wird, die Daten können der Polizei übermittelt werden. Wenn möglich, den Fundort sichern. Kinder sind besonders gefährdet, weil sie die Folgen nicht abschätzen können – warnt die Polizei.
Wie geht es danach weiter?
Die Polizei wird in der Regel den Fundort inspizieren und bei Bedarf den Kampfmittelräumdienst hinzuziehen. Die Spezialisten können abschätzen, wie gefährlich der Fund ist und entsprechende Maßnahmen einleiten.
Warum ist das Risiko so hoch?
Munition, Granaten oder Artilleriegeschosse können auch nach mehr als 80 Jahren im Boden immer noch explodieren. Durch Korrosion werden Zünder meist noch instabiler – und damit gefährlicher. Auch Waffen – Pistolen oder Gewehre – stellen eine Gefahr dar, weil sie selbst nach Jahrzehnten noch funktionsfähig sein können. Möglicherweise sind sie noch geladen.
Wie oft muss der Kampfmittelräumdienst anrücken?
Im Jahr 2024 gab es in Rheinland-Pfalz 610 Einsätze. Dabei wurden rund 15 Tonnen Munition gefunden und geborgen. Hinzu kamen sieben Bombenblindgänger, die entschärft werden mussten. Das Ende des Zweiten Weltkriegs liegt mehr als 80 Jahre zurück. „Trotzdem finden wir immer noch gefährliche Relikte des Krieges. Die Arbeit des Kampfmittelräumdienstes ist dabei von entscheidender Bedeutung für unsere Sicherheit“, sagt Thomas Linnertz, der ehemalige Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz (ADD).
Wie viele Waffen liegen noch im Boden?
Dafür gibt es keine verlässlichen Zahlen. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages erklärt hierzu, dass „die Ermittlung genauer und belastbarer Zahlen über die noch im Boden befindlichen Kampfmittelaltlasten nicht möglich ist.“ Es wird geschätzt, dass sich noch 100.000 bis 300.000 Tonnen Waffen, Bomben, Granaten und Munition im Boden befinden. Ein Teil davon im Pfälzerwald.
Warum gibt es im Pfälzerwald so viele Kampfmittel im Boden?
Zum Ende des Zweiten Weltkriegs hin lieferten sich deutsche und amerikanische Truppen zum Teil schwere Kämpfe in der Pfalz. In den Waldgebieten wurden oft Waffen und Munition zurückgelassen oder vergraben. Nach Kriegsende fehlte eine Dokumentation, um die Kampfmittel entfernen zu können.