Rheinpfalz Radeln über Stock und Stein

Wenn es sich der Nachbar unter Palmen gut gehen lässt, ist das kein Grund, neidisch zu sein. Vor der Haustür liegt das Paradies: Wandern, Mountainbiken, Klettern oder einfach nur am Badesee schwimmen – Möglichkeiten, aktiv durch den Sommer zu kommen, gibt es in der Region viele. Die RHEINPFALZ testet sie. Heute: Mountainbiken im Pfälzerwald.
Ausgerüstet mit einem Helm und Sportklamotten treffe ich Mountainbike-Guide Johannes Geib. Da ich selbst kein eigenes Gelände-Fahrrad habe, hat er es für mich bei Wheelsports in Weselberg organisiert. Auf der Karte zeigt mir Geib die heutige Route. Von Waldfischbach-Burgalben aus geht es in Richtung Heltersberg, an den Seelenfelsen entlang, hinunter an den Clausensee und von dort wieder locker nach Waldfischbach-Burgalben zurück. Soweit der Plan. Rund 20 Kilometer sollen es werden. Mit wenigen Handgriffen passt Geib die Sattelhöhe an, eine kurze Einweisung in die Bedienung der Bremshebel und Gangschaltung und schon kann die Tour starten. Wir radeln zunächst einen Anstieg in Richtung Heltersberg hinauf, ein Teilstück des Mountainbikeparks Pfälzerwald, wie Geib erklärt. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht bedenke: Wenn man einen Berg hinauffährt, folgt im Normalfall auch eine Abfahrt, zumal der Clausensee im Tal liegt. „Ich kenne niemand, der die Berge einfach nur so hochfährt. Die meisten wollen auf schmalen Wegen wieder abfahren“, gibt mir mein Guide auch gleich die passende Erklärung. Plötzlich liegt sie vor uns: eine – zumindest für meine Begriffe und mein ungeübtes Auge – steile Schotterpiste. Mich überkommen erste Zweifel, wie man da mit dem leichtgewichtigen Mountainbike hinunterkommt. Geib fährt voraus, sieht einfach aus. Nach wenigen Metern wird mir die Rutschpartie aber doch etwas zu schnell, ich frage lieber mal nach, Stürzen hatte ich nicht eingeplant: „Wie kommt man denn sicher hier runter?“ - „Links und rechts bremsen, dann wieder leicht aufmachen, sodass es schleift“, sagt Geib, während er es selbst weiterrollen lässt. Ein wirklich gutes Gefühl ist das erstmal nicht, ich habe doch etwas Bedenken, dass mich einer der vielen spitzen Steine am Waldboden oder die unkontrollierte Fahrt in eine Fahrrinne aushebelt, eines der Räder wegrutscht und mir nichts anderes übrig bleibt, als unsanft zu landen. „Nicht zu langsam fahren“, sagt Geib dazu nur. „Dem Mountainbike machen die Steine nichts aus, nur wenn man zu langsam wird, rutscht man.“ Das Freigeben der Bremse kostet zu Beginn Überwindung. Doch es stimmt, die Fahrt fühlt sich sicherer an. Unten angekommen, setzen wir unseren Weg in Richtung Seelenfelsen fort. „Echte“ Mountainbiker kämen hier nun endgültig auf ihre Kosten, den Weg hinauf und auch hinunter: Singletrails ohne Ende. Johannes Geib gesteht mir zu, dass das für einen Einsteiger wie mich doch ein wenig schwierig ist. Denn immer wieder kommen größere „Stufen“, die es zu überwinden gilt. Sie erfordern einen komplizierteren Bewegungsablauf, den man nicht direkt an Ort und Stelle einfach aus den Beinen schütteln kann. Geib empfiehlt einen Technikkurs zur Vorbereitung, bei dem man sich mit lockerem Fahren auf einem Sportplatz, über Treppen und am Ende im Gelände langsam steigert. Der kommt jetzt leider zu spät, sodass ich an den engen Stellen lieber absteige – kein schönes Gefühl, doch die Böschung ist einfach zu nah. Während Geib spielerisch durch das Nadelöhr zwischen Baumstamm links und Steinbrocken rechts fährt, rätsel ich, wie man sich auf den schmalen Pfädchen, kräftig durchgeschüttelt durch das am Boden verlaufende Wurzelwerk, auf dem Rad halten kann. Mir flößen die Singletrails, die eine Tour für viele Mountainbiker erst zum Genuss machen, Respekt ein. Mein Guide sieht das ein wenig anders: „Es muss landschaftlich auch schön sein. Das Gesamtbild muss passen“, gibt er Einblick in seine eigenen Lieblingstouren, gerne rund um seine Heimat Stelzenberg. Ein netter Pfad oder ein technisch anspruchsvoller Streckenabschnitt seien natürlich toll, doch darauf komme es ihm nicht zwingend an. Viel lieber genießt er auch einmal die Aussicht, rastet in einem schönen Straßencafé oder entdeckt einen der vielen umliegenden Seen. Der reine Blick auf den Tacho – er selbst fährt ohne – sei nicht sein Ding, auch viele andere Fahrer in der Szene hätten das „gemütliche“ Fahren für sich entdeckt. Spätestens beim Blick über den Clausensee, der im Sonnenlicht glitzert habe ich meine leichte Panik vor Stürzen bei den Abfahrten vergessen. Hier könnte man es aushalten. Aber für die heutige Radtour steht noch der Rückweg nach Waldfischbach-Burgalben an, etwa acht Kilometer auf gut ausgebauten, meist ebenen Wegen. Für den Familien-Radausflug hat Geib zum Abschluss noch eine Reihe guter Streckentipps: den Weg von Dahn nach Weißenburg, an der Moosalb entlang oder durch das Steinalbtal. Dort könne man zwischen Steinalben, Horbach, Linden und Queidersbach komplett auf Radwegen fahren. So braucht man sich um die richtige Fahrtechnik keine Sorgen machen. Info —Für 20 bis 25 Euro am Tag (je nach Ausstattung) kann man sich beim Weselberger Fahrradladen Wheelsports in der Zeisselstraße 5 ein Mountainbike leihen. Informationen gibt Inhaber Frank Dressler-Lehnhof, Telefon 06333/602395 oder E-Mail: info@wheelsports.de. —Geführte Touren und Kurse bietet der Stelzenberger Jürgen Courret mit seinem Team um Johannes Geib an. Termine und Informationen unter www.mountainbike-guide-courret.de/.