Rhodt RHEINPFALZ Plus Artikel Rückreise vor dem Shutdown

Da war noch alles in Ordnung: Rebecca Rust und Friedrich Edelmann beim Filoli Ballroom Concert am 1. März.
Da war noch alles in Ordnung: Rebecca Rust und Friedrich Edelmann beim Filoli Ballroom Concert am 1. März.

Ostern im Coronajahr 2020 mit leeren Kirchen und auseinanderdividierten Menschen wird wohl weltweit in die Geschichtsbücher eingehen. Aber auch in privaten Tagebüchern sprengen die Eindrücke alles bisher Erlebte. Das Musikerehepaar Rebecca Rust (Cello) und Friedrich Edelmann (Fagott) hat es gerade noch rechtzeitig geschafft, vor dem großen Shutdown von einer Konzertreise durch Amerika zurück ins heimische Rhodt zu kommen.

Das Reisen sind die amerikanische Cellistin Rebecca Rust und der deutsche Fagottist Friedrich Edelmann, die seit 40 Jahren ein Paar sind und seit fünf Jahren in Rhodt leben, eigentlich gewohnt. Ihre Konzerttätigkeit führt die international gefragten Musiker rund um den Globus – mit festen Verankerungen in Japan und Amerika. Das fernöstliche Land bereisen die beiden für Konzerte, die von deutschen Autokonzernen organisiert werden. Dabei hat das Duo eine so hohe Reputation, dass es schon mehrmals Gast im Kaiserpalast in Tokyo auftrat und vor dem japanischen Kaiserpaar zusammen mit Kaiserin Michiko am Flügel spielte.

Die Konzertreisen durch Kalifornien unternehmen die beiden auf eigene Faust, stets unterstützt und begleitet von einem großen Verwandten- und Bekanntenkreis der Cellistin, die dort ihre Heimat hat. Auch dieses Jahr verlief zunächst alles nach Plan. Als die beiden Mitte Januar von München Richtung San Francisco starteten, war in Deutschland von Corona noch wenig, in den USA noch gar nichts zu hören. 20 Konzerte in gut zwei Monaten standen auf dem Programm, das abrupte Ende am 17. März mit schnellen Grenzschließungen, gestrichenen Flügen und chaotischen Informationsdefiziten hätten sich die beiden in ihren wildesten Träumen nicht vorstellen können.

Auftritt bei Gedenkfeier

Was macht es da schon, dass sie und das wertvolle Cello – für das immer ein Extra-Sitzplatz gebucht werden muss – zu guter Letzt nicht in München, wo das Auto stand – sondern in Frankfurt landeten? Auch die selbst auferlegte häusliche Quarantäne hat das bilaterale Ehepaar mit sportlicher Gelassenheit absolviert und die Zeit für eine Rückblende zu den schönen Höhepunkten ihrer Reise genutzt. Dazu zählen der Auftritt im Crocker Art Museum in Sacramento zu einer Ausstellung von Granville Redmont sowie die Konzerte in Palo Alto (Silicon Valley) und in San Francisco (Noontime Concerts), die sie als Trio mit einem Pianisten bestritten und die nun – wie viele andere Mitschnitte auch – auf YouTube abrufbar sind.

Als besonders bewegend blieb den beiden, die einen Schwerpunkt ihrer musikalischen Botschaft „in der Aufarbeitung der unrühmlichen deutschen Geschichte in Bezug auf die Juden“ sehen und deshalb wieder „die zu Unrecht vergessenen romantischen Werke jüdischer Werke“ zum Erklingen bringen, ihr Auftritt im Holocaust Museum Los Angeles (LAMOTH). Hier durften sie auf Einladung des Deutschen Generalkonsulats die Gedenkfeier zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz umrahmen. Wie schade, dass weitere Veranstaltung in diesem Kontext – etwa ein Konzert bei der Arizona Jewish Historical Society in Phoenix, Arizona und auch die musikalische Umrahmung der Buchlesung „Stolperstein“ mit den Autoren Julie Freestone und Rudi Raab, (die 2018 schon im Frank-Loeb’schen Haus in Landau stattfand) – der Corona-Pandemie zum Opfer fielen.

Viele Konzerte abgesagt

Dieses Schicksal wird nun auch all jene Konzerte ereilen, die für Frühjahr und Sommer in Deutschland geplant waren, bedauert der 1950 im Württembergischen geborene, in Kaiserslautern groß gewordene Edelmann, der seine Karriere als Solofagottist im Orchester des Pfalztheaters begann und bei den Münchner Philharmonikern fortsetzte. Als Ersatz seien nun einige Streaming-Projekte, etwa Gesprächskonzerte, mit der Pfälzischen Musikgesellschaft in Planung. Aber „normal ist das alles nicht und niemand weiß, wie lange die Durststrecke dauert“, sagt er. Ob das schon zur Tradition gewordene Weihnachtskonzert von Rebecca Rust und Friedrich Edelmann in der Rhodter Kirche wieder in unbeschwerter Weise stattfinden kann? Plötzlich, so spürt man als potenzieller Zuhörer, werden auch bislang als selbstverständlich hingenommene Ereignisse zu sehr wertvollen Perlen des Alltags.

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