Rheinpfalz „Puzzleteile, die wir zusammenfügen“

Placeholder-Image

Schon seit Jahren verzeichnet die Polizei immer mehr Einbrüche. Die Ermittler reagieren – zum Beispiel mit Straßenkontrollen, aber auch mit Informationsveranstaltungen. An diesem Wochenende zum Beispiel sind die Beamten bei einer Einbruchschutzmesse in Ludwigshafen dabei. Was sie sich von solchen Auftritten versprechen, verrät Michael Dommermuth, der oberste Kriminalpolizist der Vorderpfalz.

Herr Dommermuth, sollte die Polizei Einbrecher nicht lieber jagen, anstatt normale Bürger bei einer Messe zum Kauf besser verrammelter Fenster zu bewegen?

Fahndungserfolge erzielen wir ohnehin nur mithilfe der Bürger, ohne Zeugenhinweise kommen wir bei Einbrüchen selten weiter. Deshalb brauchen wir ihr Vertrauen, auf allen Ebenen. Und deshalb suchen wir den Kontakt zu ihnen. Bürgernähe, ja, schon klar. Aber bei so einer Einbruchschutzmesse versuchen Hersteller, ihre Produkte zu verkaufen. Was hat die Polizei damit zu tun? Die Polizei sammelt seit Jahrzehnten Erfahrung. Sie weiß, wie die Einbrecher vorgehen, woran sie scheitern und was sie abschreckt. Wenn jemand eine Beratung von einem Verkäufer bekommen hat, dann kann er gleich danach zu uns kommen und sich noch einmal neutral erklären lassen, was bei ihm sinnvoll sein könnte und was nicht. Und wenn sie das wollen, kommen wir auch zu den Bürgern in die Wohnungen und schauen, welche Schwachstellen es dort gibt. Was sind denn die klassischen Schwachstellen? Terrassentüren, zum Beispiel. Die können Einbrecher immer wieder ganz schnell und mit einfachstem Werkzeug aufhebeln, da reicht ein Schraubendreher. Und was hilft dagegen? Zapfenverriegelungen. Und abschließbare Griffe, auch für Fenster. Wenn der Einbrecher die Scheibe einwirft, kann er den Griff trotzdem nicht umlegen, um das Fenster zu öffnen. Wenn er rein will, muss er also erst einmal das komplette Glas rausschlagen. Und das macht zu viel Lärm, da haut er lieber ab. Das ist aber schon sauteuer, wenn man so etwas einbaut, oder? Ich hab’ selbst bei meinem Eigenheim im Erdgeschoss überall abschließbare Griffe eingebaut – für 30 Euro pro Stück. Bei zehn Stück kommt man also auf 300 Euro. Das steht in keinem Verhältnis zu dem Schaden, den ein Einbrecher anrichtet, wenn er reinkommt. Als Eigentümer einer Immobilie können Sie das natürlich machen. Aber viele Leute wohnen zur Miete ... Da muss man vielleicht auch mal Dinge beim Vermieter einfordern. Aber abschließbare Fenstergriffe können Sie auch einbauen und beim Auszug wieder mitnehmen. Das sind bloß zwei Schrauben. Inzwischen macht die Polizei wegen der Einbruchsgefahr quer durch die Pfalz auch Bürgerforen. Predigen Sie da dann auch, dass die Leute abschließbare Fenstergriffe einbauen sollen? Natürlich geht es da auch um solche Sicherungsmöglichkeiten. Und ums eigene Verhalten – Türen abschließen, Rollläden runterlassen und so weiter. Aber vor allem geht es uns um den Kontakt mit den Bürgern. Sie sollen uns kennenlernen und erfahren, was die Polizei macht. Und sie können uns alles, wirklich alles fragen. Und Sie reden dann auch wirklich Klartext? Ja. Wir sagen den Leuten, wie es in ihrem Dorf aussieht, wie oft dort eingebrochen wird. Und das stellen wir dann in Relation zur Region, zum Kreis, zur Verbandsgemeinde. So kann ich manche Ängste relativieren. Aber ich werde es auch offen sagen, wenn die Gefahr irgendwo besonders groß ist. Und wenn wir sehen, dass irgendwo gerade besonders viel passiert, können wir so ein Forum auch mal kurzfristig ansetzen. Wir wollen schließlich auch erfahren, was die Bürger so mitbekommen. Wir wissen schon aus Erfahrung: Wenn wir mit den Leuten über das Thema reden, dann erzählen sie uns auch immer gleich, was ihnen Verdächtiges aufgefallen ist. Das sind Puzzleteile, die wir dann zusammenfügen und die uns oft weiterhelfen. Wenn Sie Informationsveranstaltungen machen, ist das also auch schon irgendwie Einbrecherjagd? Ja, auf alle Fälle. Neulich habe ich einen Vortrag bei einer Seniorengruppe in Bad Dürkheim gehalten. Was die mir anschließend erzählt haben – daraus habe ich gleich drei, vier Hinweise gewonnen und sie in unsere Ermittlungsgruppe gegeben. | Interview: Christoph Hämmelmann

Mehr zum Thema
x