Rheinpfalz Prekäre Arbeitsverhältnisse

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Mehr als 400 neue Gewerkschaftsmitglieder, acht neue Betriebsräte und vier Werke mit Tarifverträgen. Nach drei Jahren Projektarbeit zum Thema „Werksverträge und prekäre Beschäftigung“ zieht die IG-Metall Geschäftsstelle Saarpfalz eine positive Bilanz. Man habe nicht nur die Arbeitsbedingungen für Menschen mit Leih- und Werksvertrag verbessert. Man habe auch bestehende Betriebsräte und Arbeitgeber für das Thema sensibilisiert.

Dieses Fazit zog der erste Bevollmächtigte der IG Metall Saarpfalz, Ralf Rheinstädtler. „Das Projekt hat gezeigt, dass wir auch in diesen Beschäftigungsbereichen Erfolge feiern können, wenn sich die Beschäftigten gemeinsam mit uns auf den Weg machen“, sagte Rheinstädtler. Mit dem Ende des Modellprojekts werde man auch nicht aufhören in diesem Bereich weiter tätig zu sein. Das Ziel der IG Metall laute: „Die Saarpfalz als Ort der fairen Arbeit“. Die Arbeit aus dem Projekt soll nun in die Standardarbeit übernommen werden. „Wir haben qualifizierte Ehrenamtliche, wir haben Trainees und Praktikanten. Mit denen zusammen, denke ich, kriegen wir das gut entwickelt“, so Rheinstädtler. Dass noch viel zu tun ist, sagte Kirsten Benz, Vorsitzende des im Februar gegründeten Betriebsrates bei Qtech Solutions in Zweibrücken. „Wir sind noch im Aufbau, und es ist nicht so leicht“, berichtete sie. Die Belegschaft müsse noch stärker in das Thema einbezogen werden. Auch der Kampf um bessere Arbeitsbedingungen, Löhne und Gleichberechtigung stehe im Unternehmen noch an. Bei der Firma Wolf in Bruchmühlbach gehe es dagegen vor allem „um Transparenz und Mitbestimmung“, wie der dortige Betriebsratsvorsitzende Sven Sprengard erzählte. Bei dem Empfang anlässlich des Projekt-Fazits fassten die beiden Gewerkschaftssekretäre Benjamin Krimmling und Lee Hirschel die drei Jahre Projektarbeit für die etwa 30 Gäste zusammen. „Die immense Herausforderung war, das Projekt überhaupt loszutreten. Ein Schwerpunkt war vor allem, die Betriebe zu erschließen“, erläuterte Krimmling. Denn Werksverträge und besonders deren Missbrauch seien in der Region zuvor kein Gesprächsthema gewesen. Und natürlich habe man auch der Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes begegnen müssen. „Wer einen Betriebsrat gründen will, geht oft das Risiko ein, seine Arbeit zu verlieren“, berichtete Krimmling von praktischen Problemen. Gleich die erste Betriebsratsgründung im Rahmen des Projektes erfolgte in der Küche einer Gemeinschaftsunterkunft, in der 20 polnische Leiharbeiter lebten. „Das Problem heißt billig“, fasste Rheinstädtler die Situation zusammen. 116 Werksvertragsfirmen habe man während des Projekts entdeckt. Viele davon arbeiteten ordentlich, aber es gebe auch Missstände, erklärte der Bevollmächtigte die vorgefundene Situation. „Wir haben jede Menge Firmen entdeckt, die auch hochqualifizierte Arbeiten verrichten, die früher die Stammbelegschaft verrichtete. Im letzten Jahrzehnt sind so etwa 2000 Arbeitsplätze verloren gegangen“, schilderte er die Problematik des Übergangs der Arbeit von bisherigen Stammkräften auf für die Firma kostengünstigere Leiharbeiter. Die Tendenz sei bedauerlicherweise steigend. „Diese Firmen können das nicht besser, sie können es nur billiger. In dem Moment, wo wir dann versuchen, die Bedingungen für die Mitarbeiter zu verbessern, greifen wir das Geschäftsmodell an“, beschreibt Rheinstädtler den Konflikt, in dem Unternehmen im globalen Wettbewerb stehen würden. Doch auch die großen Firmen wüssten oft gar nicht um die Ausmaße des Problems. Häufig wüssten Personaler gar nicht, wer alles auf dem Werksgelände herumlaufe, weil die Beschaffung von Leiharbeitern Sache des Einkaufs sei. Auch hier habe man mit dem Projekt Erfolge errungen, steht für Rheinstädtler fest. „Die Großbetriebe gehen mit dem Thema jetzt anders um. Die sind teils selbst erschrocken“, berichtet Rheinstädtler. Das Projekt habe auch dazu geführt, dass mehr Arbeitnehmer jetzt wüssten, dass sie sich bei Problemen an die Gewerkschaft wenden können.

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