Rheinpfalz Ponyhof ist auch nicht mehr so einfach
Hassloch. „Kinder und Ponys gehören zusammen“, findet Ulrich Tettenborn, Seniorchef der 1965 gegründeten Ponyfarm „Die Pfalz“ in Haßloch, die derzeit schwierige Zeiten durchlebt. Vor einigen Jahren noch ein florierendes Unternehmen, kämpft die Ponyfarm mittlerweile jedoch ums Überleben.
Gut 50 Ponys und einige Pferde stehen derzeit noch auf der Ponyfarm unweit des Holiday Parks. Früher waren es bis zu 180 Tiere. Wer schon einmal ein Pony oder Pferd versorgt hat, weiß, wie viel Arbeit das mit sich bringt. Und die Tiere wollen mit Futter versorgt und tierärztlich betreut werden. 300 Euro Tageseinnahmen seien dazu nötig, sagt Tettenborn. Diese Summe würde noch viel höher ausfallen, wenn die Familie nicht selbst Heu und Stroh produzieren und das Futter von großen Betrieben der Vorderpfalz zu einem geringen Preis erhalten würde. „Dafür bekommen sie von uns Pferdemist zum Düngen“, so Tettenborn. Der Betrieb, der früher 25 Mitarbeiter beschäftigte, verfügt über die älteste und größte Dartmoorponyzucht in Deutschland. Der Seniorchef hatte sich auf diese Rasse, die heute noch auf der Roten Liste der Haustierrassen steht, spezialisiert. Denn für seine Zwecke benötigte er Kinder-Pferde. Die Dartmoor seien dafür einfach wie geschaffen, denn sie hätten ein Faible für Kinder, könnten Ruhe bewahren und mit Kindern verlässlich umgehen. Ab 1970 widmete sich Tettenborn auch der Zucht, die heute noch zu den Einnahmequellen gehört. Es waren goldene Zeiten. Bis zu 70.000 Mark habe man an einem Tag mit dem Ponyfest auf der nahe gelegenen Rennbahn verdient. Aber die Zeiten haben sich geändert. „Nach dem Mauerfall wurden die Menschen mehr zur Kasse gebeten, und die Amerikaner sind auch weg“, so Tettenborn. Die Ponyfarm war nämlich Partner der US-Reitschule in Heidelberg. Regelmäßig sei man mit den Ponys dorthin gefahren, und deren Schulklassen seien nach Haßloch gekommen. Immer mehr Menschen hielten zudem privat Ponys oder Pferde. Die Einführung der Ganztagsschule habe der Ponyfarm dann den letzten Lebensnerv gezogen. Die Kinder hätten unter der Woche schlichtweg keine Zeit mehr, bedauert der Seniorchef. Hinzu kommt, dass Tettenborn, der 1957 nach seinem Sozialpädagogik-Studium zunächst in Mannheim einen Kinderzirkus gründete, mit seinen 86 Jahren nicht mehr der Jüngste ist. Sein 1986 gegründetes Internationales Pony-Show-Ensemble, mit dem er auch im Ausland auf Tournee ging und das eine gute Werbung für die Ponyfarm war, könne er heute kaum noch führen. Und sein Sohn habe so viel um die Ohren, dass er diesen Part nicht auch noch übernehmen könne. Die Ponyfarm ist heute ein reiner Familienbetrieb, Tettenborn, seine Frau Helga, sein Sohn Frank und die Schwiegertochter halten das Unternehmen am Leben. Lediglich ein paar Vereinsmitglieder, die ihre Pferde hier untergestellt haben, greifen ihnen noch ein wenig unter die Arme. Mehr Einstellpferde könne man jedoch nicht aufnehmen, sagt Tettenborn, da sich die betriebliche Struktur dafür einfach nicht eigne. Die Kinderpension, in der bis zu 30 Kinder ihre Reitferien verbringen können, laufe noch gut, sagt der Seniorchef – obwohl auch hier die Zahlen zurückgingen. Die Kinder brauchen nach seiner Ansicht keinen großen Luxus: Sie wollten einfach nur reiten und ein gutes Essen. „Sie brauchen einen Ansprechpartner, jemand der sie betreut und tröstet, einen guten Draht zu ihnen hat“, so Tettenborn. Zudem könne man mit der traumhaften Lage punkten. Um die Anlage aber attraktiver zu gestalten, wären höhere Einnahmen nötig. Tettenborn hat das „Kasperletheater“ ins Leben gerufen, dass zumindest etwas Gewinn abwirft. Noch geht es, sagt er. Aber was wird, wenn er und seine Frau nicht mehr mit anpacken können? „Aber ich will nicht klagen. Ich hatte ein erfülltes Leben“, sagt der 86-Jährige, und seine Frau Helga meint: „Ich finde es schön, zu wissen, für was wir gelebt haben. Dass wir etwas geschaffen haben, das bleibt, wenn wir gehen.“