Rheinpfalz Pirmasens etwas bunter machen
HINTERWEIDENTHAL. Die weltweit bekannte Mosaikkünstlerin Isidora Paz Lopez lebt in Hinterweidenthal. Die Chilenin hat gemeinsam mit 100 Künstlern aus 22 Ländern im Jahr 2014 eines der größten Mosaike in ihrem Heimatland geschaffen – und will nun auch in Pirmasens tätig werden.
83 Betonpfeiler und acht komplette Metrostationen in der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile wurden mit verschiedenen von Lopez geschaffenen Mosaik-Motiven verziert. Innerhalb von zwei Jahren entstand ein Gesamtkunstwerk von 4000 Quadratmetern Fläche. Als „bestes Mosaikprojekt 2013“ krönte die „British Association for Modern Mosaics“ das Metroprojekt der 41-jährigen Mutter einer siebenjährigen Tochter und eines anderthalb Jahre alten Sohnes. In die Pfalz kam sie durch ihren Ehemann Chris Lukhaup, der als Bassist in den Bands „Atrocity“ und „Leaves Eyes“ bekannt wurde und als einer der renommiertesten Naturaquaristiker, Fotografen und Buchautoren zu diesem Thema gilt. Rheinland-Pfalz, Pfälzerwald oder gar Pirmasens waren Begriffe, die es im Vokabular der Chilenin zuvor nicht gab. Heute stellt sie fest: „Ich fühle mich hier sehr wohl, die Südwestpfalz ist schon ein Stück Heimat geworden.“ Die beiden Kinder wachsen dreisprachig auf, im Haus Lopez und Lukhaup wird Englisch, Spanisch und Deutsch gesprochen. Das erste größere Kunstprojekt hier, ein Mosaik, soll, wenn alles nach Plan läuft, schon bald in Pirmasens entstehen. Wo, in welcher Form und an welcher Stelle, das sei noch offen. Gespräche mit Verantwortlichen der Stadt und Kunstförderern seien sehr kooperativ. „Ich würde mich freuen, wenn ich einen kleinen Beitrag leisten könnte, dass Pirmasens etwas bunter und farbenfroher in der Außenwirkung wird“, stellt sie fest. Ihr Herzensanliegen sei es, Kunst für jeden greifbar zu machen. Die künstlerischen Wurzeln sind Lopez indes in die Wiege gelegt worden. Großvater Eduardo Martinez Bonati war Maler und während der Diktatur Pinochets ins Asyl nach Spanien geflohen, Mutter Elisa Martinez schuf Keramik-Skulpturen. „Ich bin von klein auf mit Pinsel und Zeichenblock aufgewachsen“, erinnert sich Lopez. Die ersten Plastiken entstanden im Alter von sechs Jahren, mit 14 Jahren malte sie die ersten künstlerisch ernsthaften Werke. Es schloss sich das Studium der Plastischen Künste an, bevor sie 1999 promovierte. Schon vor 1999 wurde Isi, wie sie von Freunden genannt wird, einer breiteren Öffentlichkeit durch Ausstellungen bekannt. „Dar a Luz“, übersetzt „das Licht der Welt erblicken“, hieß die erste größere Ausstellung 1999. Die Neugier, der Spaß am Experimentieren führen dazu, dass sich Lopez zunehmend auch mit spirituellen Künsten befasste. Sie schuf Musikinstrumente aus Keramik, in Afrika werden sie „Udu“ genannt, mit denen Konzerte gespielt wurden. Es folgten jährliche Ausstellungen vorwiegend mit den Themen „Körper, Mensch und Erotik“ überschrieben, aber auch „Totem“, große Holzskulpturen, die mit massiven Werkzeugen bearbeitet werden. „Mal klein, mal groß, mal filigran, mal eher grob“, benennt sie das Spannungsfeld der Gegensätze. Nachdem Lopez 2006 ihren heutigen Ehemann Chris Lukhaup kennen und lieben lernte, inspirierte sich das Paar gegenseitig. Während Lukhaup fotografierte, nahm sie die Motive als Grundlage vieler Mosaikwerke. Nachdem sie sich zehn Jahre lang der Keramik und Rakutechnik gewidmet hatte, wuchs das Interesse an Mosaikkunst, wenngleich Mosaik in Kunstkreisen wenig anerkannt ist, schon gar nicht in der Kunstlehre; hier wird dieser Zweig eher belächelt und als Handwerk verstanden. 2011 erhielt sie den Auftrag vom Bürgermeister Santiago De Chiles, ein 150 Quadratmeter großes Mosaik auf den Außenwänden des Sportstadions zu kreieren. Innerhalb von zwei Monaten war das Werk vollendet. Die Liebe zur „Public Art“, Straßenkunst, die der breiten Masse zugänglich ist, verfestigte sich bei Lopez zunehmend. Heute besteht ihr Ehrgeiz darin, möglichst viele Menschen teilhaben zu lassen an Kunst, ob als Mitwirkender oder als Beobachter beim Erschaffen.