Eisenberg Pionierleistung bewährt sich zwei Jahrzehnte lang

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Im zu Ende gehenden Jahr 2016 gab es ein Jubiläum, das zwar nicht offiziell gefeiert wurde, aber ein Ereignis betrifft, das für Eisenbergs wichtigstes Unternehmen historische Bedeutung hatte und auch ein Stück sozialpartnerschaftliche Pionierarbeit war. Seit 20 Jahren existiert bei Gienanth ein Bündnis für Arbeit, das sich zwei Jahrzehnte lang bewährt hat.

Vor 20 Jahren hatte das Eisenberger Traditionsunternehmen die schwere Krise des Rezessionsjahres 1993 zwar einigermaßen überwunden, befand sich aber weiterhin in einer alles andere als einfachen Situation. Dies war der Kontext für einen sehr ungewöhnlichen Vorgang. Der damalige Geschäftsführer Ferdinand Kolberg einigte sich mit dem damaligen Betriebsratsvorsitzenden Bernhard Heise auf ein betriebsspezifisches Bündnis für Arbeit. Als die RHEINPFALZ im Juli 1996 erstmals über dieses Abkommen berichtete, nahm das der regionale Arbeitgeberverband zum Anlass für die Behauptung, wer – wie damals Gienanth – den Arbeitgeberverband verlassen habe, sei schutzlos dem Diktat der mächtigen Industriegewerkschaft (IG) Metall ausgeliefert. Tatsächlich stammte der Begriff „Bündnis für Arbeit“ ursprünglich von der IG Metall. Die Konditionen, auf die sich Kolberg und Heise 1996 geeinigt hatten, entsprachen aber – gelinde gesagt – nicht ganz dem, was sich die IG Metall damals darunter vorstellte. Die Details der vereinbarten Bestimmungen sind sehr kompliziert, das Grundprinzip war dagegen von Anfang an relativ einfach. Das Abkommen sah weit reichende Zugeständnisse der Arbeitnehmerseite bei Arbeitszeit und Arbeitsorganisation vor. Dafür erhielt der Betriebsrat wichtige Zusagen für die Beschäftigungssicherung. Ungewöhnlichen Mut bewies dabei vor allem der Betriebsratsvorsitzende Bernhard Heise. Weil sein Kurs nicht der damaligen Gewerkschaftslinie entsprach, flog er für drei Jahre aus der IG-Metall-Ortsverwaltung. Anders als Kolberg, der bei diesem Thema – vorsichtig ausgedrückt – nicht gerade die Öffentlichkeit suchte, vertrat Heise seinen Kurs auch öffentlich offensiv. Dabei hatte er nicht zuletzt einen großen Trumpf: Im Zusammenhang mit dem Abschluss des Bündnisses für Arbeit wurden bei Gienanth in Eisenberg rund 50 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Gegen einen solch offensichtlichen Erfolg ließ sich – trotz aller zeitweiligen Verärgerung bei der IG Metall – schlecht öffentlich polemisieren. Je mehr Zeit verging, desto besser stand Heise da, nicht zuletzt weil die Gienanth-Belegschaft jahrelang immer weiter wuchs. Das Bündnis für Arbeit und die dadurch mögliche extrem flexible Arbeitsorganisation bewährten sich sowohl in Zeiten sehr hoher Auftragsbestände als auch in Schwachlastzeiten. Letzteres galt vor allem für die schwere Wirtschaftskrise von 2009, die bei Gienanth ohne betriebsbedingte Kündigungen bewältigt wurde. Als die Konjunktur danach wieder anzog, war das Unternehmen froh, das qualifizierte Personal in der Krise gehalten zu haben. Das Bündnis für Arbeit wurde immer wieder verlängert, zuletzt 2014 bis Ende 2017. Seit 2006 wurden die Abkommen jeweils auch von der IG Metall mitunterschrieben. Der einstige Abweichler Heise hat im Rückblick 1996 die Rolle des mutigen Pioniers und Trendsetters gespielt. Sein damaliger Kurs ist seit Tarifabschlüssen, die im Insider-Jargon (nach dem Ort des Abschlusses) „Pforzheim eins“, „Pforzheim zwei“ und „Pforzheim drei“ genannt werden, inzwischen offizielle Linie der IG Metall. Über die diversen Eigentümerwechsel der vergangenen Jahrzehnte und die damit verbundenen Turbulenzen hinweg war das Bündnis für Arbeit stets ein Stabilitätsanker für das Eisenberger Traditionsunternehmen. Die Nachfolger Kolbergs haben mehr oder weniger schnell erkannt, wie wertvoll dieses Abkommen und der sozialpartnerschaftliche Geist, der es prägt, für das Unternehmen sind. Mancher Manager ist zwar erst einmal befremdet, wenn er erkennt, dass er bei Gienanth in Eisenberg ungewohnte Regeln zu beachten hat, aber – zumindest bisher – hat sich immer die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Bündnis für Arbeit für das Unternehmen nicht nur den Betriebsfrieden sichert, sondern nicht zuletzt auch bares Geld wert ist.

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