Rheinpfalz Pionierin räumt den Platz

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Im Dezember ist Irmgard Wolf in den Ruhestand gegangen. Sie war die erste Frau in Rheinland-Pfalz, die Präsidentin eines Landgerichts wurde – in Zweibrücken. Zuletzt wirkte sie fast neun Jahre in Frankenthal, pendelte aber immer von ihrem Wohnort Waldfischbach in die Vorderpfalz.

Um ihr Büro zu räumen, kam sie kurz zurück und sprach mit der RHEINPFALZ auch über die starke Auslastung der Justiz. Ihr Nachfolger wird gerade gesucht. Der Monitor auf dem Schreibtisch von Irmgard Wolf ist um 180 Grad gedreht – er steht vertikal statt horizontal. „Ich muss viele Briefe beantworten, so habe ich den besseren Blick auf die Din-A4-Seite beim Schreiben“, erklärt sie die ungewöhnliche Ausrichtung. Sie liebe pragmatische Lösungen, sagt Wolf über ihre Arbeit als Präsidentin beim Landgericht Frankenthal. Achteinhalb Jahre stand sie ganz oben beim größten Landgericht der Pfalz und einem der größten im ganzen Bundesland. Täglich ist sie aus der Westpfalz angereist. „300.000 Kilometer bin ich gefahren und habe drei Autos verschlissen.“ Mit der Pensionierung Ende 2016 ging nicht nur ihre Zeit in Frankenthal zu Ende, sondern auch eine 37-jährige Karriere bei der Justiz, die 1979 in Frankenthal ihren Anfang nahm. „Der Kreis schließt sich hier“, sagt Wolf. Obwohl die frisch gebackene Ruheständlerin Ende Dezember aufgehört hat, blickt sie beim Leerräumen ihres Büros immer noch ins E-Mail-Postfach. „Es sind schon wieder 100 Mails.“ In den letzten Jahren ihrer Amtszeit musste sie viel Post beantworten. Sie ist zuständig dafür, Dienstaufsichtsbeschwerden nachzugehen. Die Hälfte davon komme von sogenannten Reichsbürgern. „In den meisten Fällen sind die Beschwerden nicht gerechtfertigt. Oft muss man den Leuten nur noch mal erklären, wie das Urteil zustande gekommen ist.“ In ihrer Amtszeit habe sie wegen einer Beschwerde noch nie einen Richter wirklich kritisieren müssen. „Urteile bewerten darf ich ohnehin nicht.“ Früher selbst als Richterin bei den Verfahren dabei, delegierte und organisierte sie in der Rolle der Präsidentin hauptsächlich. Vieles machte sie zur Chefsache, so auch die Vorbereitungen und Recherchen zum 200-Jährigen des Gerichts. „Ich habe selbst die Beschriftungen unter den Exponaten gemacht. Vielleicht hätte ich da mehr delegieren müssen.“ Sie war zuständig für etwa 100 Richter, die im Landgericht und den umliegenden Amtsgerichten arbeiten. „Ich kenne fast alle persönlich und weiß, wer wie viele Kinder hat.“ Bei allen ihrer sechs Amtsgerichte habe sie sich persönlich verabschiedet. Wolf betont, dass ihre Tür immer offen gewesen sei für Probleme und sie ihre Kollegen vermissen werde. Zum Abschied habe sie Briefe bekommen von Mitarbeitern, in einem stand: „Sie sind die Seele des Hauses.“ Ihre Augen werden feucht, wenn sie über den Abschied redet. Die Probleme des Landgerichts hat sie noch genau so im Blick, als ob sie über die Feiertage nur im Urlaub gewesen wäre. „Alle Richter sind hier überlastet. Ich muss nicht nur Arbeit an die Richter verteilen, zusammen mit dem Präsidium. Ich muss auch motivieren.“ Jeder hier sei aus Überzeugung Richter, aber die stetige Überarbeitung stelle ein Problem dar. Vor allem die Qualität der Strafverfahren habe sich geändert. „Verteidiger suchen heute eher Fehler in den Verfahren, die sich dann schnell aufblähen.“ Es gebe kaum noch Verhandlungen mit nur zehn Hauptverhandlungstagen. Aus einem Schrank holt sie ihre erste und einzige Robe aus dem Jahr 1979 und legt sie auf den Karton mit den persönlichen Sachen. Dann sagt sie Tschüss. |hest

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