Kultur Südpfalz Pianistischer Parforceritt

Sie wird als eine der großen Pianistinnen der Gegenwart bezeichnet und als hochmusikalische, begnadete Interpretin gefeiert: die in Moskau geborene Elena Kuschnerova. In ihrem Benefizkonzert zugunsten der „Lebenshilfe Landau-Südliche Weinstraße“ am Sonntag im Alten Kaufhaus in Landau bestätigte sie diesen Ruf und riss die Zuhörer mit ihren pianistischen Parforceritten und ihrem emotional geprägten Spiel zu Beifallsstürmen hin.
Die 1992 aus der Sowjetunion emigrierte und seit 1993 in Baden Baden lebende, mit vielen Preisen ausgezeichnete Pianistin verfügt über ein umfangreiches Repertoire von Bach bis zu Zeitgenossen, die ihr einige Kompositionen widmeten. Am Sonntag präsentierte sie ein „rein romantisches Programm“. Kuschnerova schöpfte die ganze Klangpalette des Flügels aus, verzauberte mit ihrem Reichtum an Anschlagsarten und begab sich mutig und erstaunlich souverän auf gefährlich virtuose Abgründe. Ihre makellose Technik und ihr feines Gespür für gefühlsbetonten Ausdruck stellte sie bereits beim ersten Programmpunkt, den Variationen F-Dur von Tschaikowsky unter Beweis. Mit einer Fülle von Nuancen in Klangfarben und Dynamik betonte sie die kontrastreichen Stimmungen von lyrisch-zart bis enthusiastisch-bizzar und verband die Miniaturen, mal dahingleitend in brillanten Tongirlanden, mal aufbrausend in rauschenden Akkordkaskaden, zu einem harmonischen Ganzen. Ihr eindrucksvolles Spiel setzte sich fort in den von sanfter Melancholie geprägten Stimmungsbildern aus den „Jahreszeiten“ des gleichen Komponisten. Schlichte Innigkeit und virtuose Tastenakrobatik prallten aufeinander bei dem Intermezzo A-Dur op. 118 Nr. 2 und den Variationen auf ein Thema von Paganini op. 35, Heft 2 von Brahms. Wie eine stimmungsvolle Einleitung zu den technisch anspruchsvollen Variationen klang das Intermezzo. Geschickt platziert verstärkte es die Wirkung des virtuosen Werks, dem Brahms ein Thema aus den „Capricen“ des genialen Geigers zugrunde legte. Die Pianistin ging das grandiose Opus mit leidenschaftlicher Hingabe an. Klar und präzise war jeder Ton zu vernehmen, ob bei „glitzernden“ Motiven oder bei „hämmernden“ Bassfiguren. Die elegischen Passagen beeindruckten durch starke Expressivität, und die virtuosen Teile, spürbar vom Geist Paganinis durchdrungen, begeisterten durch ihre orchestrale Fülle und die plastische Gestaltung, frei von jedem Schaueffekt. Als hochrangige Virtuosin und feinnervige musikalische Gestalterin zeigte sich Kuschnerova mit Werken Chopins. Bei der Wiedergabe der Ballade g-Moll op. 23 setzte sie auf raffinierte Rubatokultur, was zunächst befremdend wirkte, doch ihrem Spiel eine individuelle Note gab. Trotz einiger Verspieler bestach der Vortrag durch die grandiose Virtuosität und die klangschöne Tongebung. Sehr ausdrucksvoll geformt war die slawische Schwermut verströmende Etüde op. 25 Nr. 7, während die Etüde op. 10 Nr. 4 in glitzernder Brillanz dahinglitt. Von einer Mondscheinnacht voller Liebesgesänge zeugte die Klangsprache des Nocturne Des-Dur op. 27 Nr. 2. Atemberaubende Fingertechnik mit hoher Interpretationskunst verband die Pianistin in der Polonaise As-Dur op. 53. Überschäumender Beifall. Zugaben waren die Bearbeitung eines Bach-Präludiums sowie Chopins Fantasie-Impromptu und „Revolutionsetüde“. Das Konzert fand aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der Lebenshilfe Landau-Südliche Weinstraße statt. Bürgermeister Thomas Hirsch überreichte dem Vorsitzenden der Kreisvereinigung der Lebenshilfe, Georg Rothöhler, einen Scheck von 1000 Euro, gespendet von Kakteenland Steinfeld, Energie Südwest und VR Bank Südpfalz. Der Betrag kommt dem Integrativen Kindergarten „Löwenzahn“ in Landau zugute. (wgm)