Rheinpfalz Perspektiven bieten

„Wer jetzt zögert, der läuft Gefahr, dass der Bewerber abspringt“, sagte Agenturleiter Hans-Joachim Omlor bei einem Pressegespräch zum westpfälzischen Ausbildungsmarkt. Es sollten schnellstmöglich Nägel mit Köpfen gemacht werden. „Die 1694 zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht besetzten Stellen beunruhigen uns“, sagte Omlor. Das seien „deutlich mehr“ als zum vergleichbaren Zeitpunkt im vergangenen Jahr. Ralf Hellrich, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer der Pfalz, vermutete beim Handwerk einen Grund für das Zögern in der ausgebliebenen kalten Witterung. „Das Handwerk hat quasi durchgearbeitet. Da sind strategische Entscheidungen, und Personalentscheidungen sind solche Entscheidungen, etwas in den Hintergrund gedrängt worden“, sagte Hellrich. „Dafür habe ich auch Verständnis.“ Dennoch unterstützt Hellrich Omlors Appell: „Entscheidet! Und entscheidet bald. Die Agentur für Arbeit kann dabei auch behilflich sein.“ Es sei wichtig, den jungen Leuten eine Perspektive zu bieten, ihnen rechtzeitig zu signalisieren, dass sie eine Ausbildung in diesem oder jenem Betrieb aufnehmen können. Die Zahlen selbst haben sich im laufenden Ausbildungsjahr im Vergleich zum Vorjahr kaum geändert. Bei der Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens – zuständig für die Westpfalz – sind 3074 Bewerber gemeldet, 1027 sind laut Omlor derzeit schon versorgt, haben also einen Ausbildungsvertrag in der Tasche. 2047 sind noch unversorgt, wie im Jargon der Agentur für Arbeit die jungen Menschen bezeichnet werden, die noch auf eine Stelle hoffen. Für das laufende Ausbildungsjahr sind bei der Agentur für Arbeit für die Westpfalz 2330 Ausbildungsstellen gemeldet, 1694 davon sind zum jetzigen Zeitpunkt unbesetzt. Diese Zahlen bleiben laut Omlor stabil. „Die Betriebe in der Region nehmen ihren Ausbildungsauftrag wahr“, wertet Omlor die Zahlen. Und die Betriebe tun laut Omlor auch gut daran, die Ausbildung nicht zu vernachlässigen. „Die beste Medizin, um dem Fachkräftemangel vorzubeugen, ist die Ausbildung“, unterstrich der Chef der Agentur für Arbeit. Hellrich brach in dem Gespräch auch eine Lanze für die in Deutschland vorherrschende, duale Ausbildung, also die Ausbildung in den Betrieben und in der Berufsschule. „Die Ausbildung bietet ganz neue Perspektiven und Einblicke, der Auszubildende lernt dort eine völlig neue Welt kennen“, weiß Hellrich. In der Schule dagegen blieben die Erfahrungen weitgehend gleich. Agenturleiter Hans-Joachim Omlor widersprach in dem Zusammenhang der ihm immer wieder begegneten Klage, dass die Bewerber auf Ausbildungsstellen immer schlechter würden. „Die Azubis von heute sind nicht schlechter, sie sind anders.“ Er selbst beobachte – die Agentur für Arbeit bildet selbst aus – , dass die jungen Menschen nach der Ausbildung „ganz andere Menschen geworden sind“. Laut Hellrich sind Betriebe „durchaus in der Lage, schulische Mängel auszugleichen“. Omlor griff auch das Thema Ausbildung bei nicht mehr ganz so jungen Menschen auf. Junge Erwachsene, die noch eine Ausbildung anstrebten, seien keine Seltenheit mehr. Aber auch Menschen über 40 Jahren könnten noch eine Ausbildung anfangen. „Ich sehe keinen vernünftigen Grund, warum das nicht gehen sollte“, sagte Omlor. (bld)