Rheinpfalz Patienten sollen an der Notaufnahme bezahlen

Mainz. Angesichts oft überfüllter Notaufnahmen der Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz fordert die Kassenärztliche Vereinigung (KV) des Landes eine Selbstbeteiligung bei Patienten mit nicht akuten Leiden. Der Gesetzgeber solle sich das überlegen, sagte Rainer Saurwein von der KV. Ein solches Vorgehen könne die Notaufnahmen entlasten.
In der Notaufnahme des Katholischen Klinikum Mainz (KKM) zum Beispiel wurden nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr fast 30.000 Patienten behandelt. Nur etwa zehn Prozent seien Notfälle gewesen, sagte der Leiter der Notaufnahme, Torsten Schmitt. Die anderen sollten eigentlich eine der 48 Bereitschaftspraxen in Rheinland-Pfalz aufsuchen. Oder zu einem Hausarzt gehen. Manchmal durchqueren bis zu 190 Patienten am Tag die Türen. Im vergangenen Jahr hätten sie 29.800 Notfälle behandelt, sagt Schmitt. „Jedenfalls fühlt sich jeder, der hierherkommt, als ein Notfall. Sie haben ja ein Problem, Schmerzen, Angst – wir können sie nicht wegschicken.“ Aber wirklich ein „Notfall“ – also Patienten, die sehr schnell einen Arzt brauchen – seien nur zehn Prozent. „Die Patienten haben kein Verständnis, lange zu warten und wollen sofort einen Facharzt sehen“, berichtet Schmitt. „Beleidigungen und ein rauer Umgangston häufen sich bei den Wartenden.“ Selbst Handgreiflichkeiten kämen vor, meist durch Betrunkene. Dabei sähen Ärzte und Pfleger immer wieder die gleichen Patienten. An Festtagen wie Silvester und Fastnacht komme es besonders häufig zu Übergriffen. An solchen Tagen sei deshalb ein Sicherheitsdienst im Haus. Das Problem kennen auch pfälzische Krankenhäuser: Im Klinikum Ludwigshafen sei im vergangenen Jahr sieben Mal der Sicherheitsdienst gerufen worden, teilte eine Sprecherin mit. Auch hier berichtet das Pflegepersonal von zunehmender Anspannung, die mit dem steigenden Andrang zunehme. Etwa 50.000 Patienten ließen sich im vergangenen Jahr in der Notaufnahme in Ludwigshafen behandeln. Das Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern meldete im gleichen Zeitraum zwei Übergriffe, neben zahlreichen kleineren Rangeleien und Beleidigungen – die aus Zeitgründen nicht einmal dokumentiert werden. „Es gibt eine Zunahme solchen Verhaltens. Bedingt vor allem, dass leider zwei Drittel der Patienten die Notaufnahme als Arztpraxis missverstehen“, sagt Hanna-Maria Weills vom Westpfalz-Klinikum. Patienten in der Notaufnahme werden nicht nach dem Zeitpunkt ihres Eintreffen behandelt, sondern nach Dringlichkeit. Im KKM kommen die Menschen zuerst in einen speziellen Raum, wo geschultes Personal sie in Kategorien einteilt. Dadurch ist klar, wann welcher Patient eine Schwester, einen Arzt oder ein Röntgengerät gesehen haben muss. Kommentar |lrs