Rheinpfalz Passionierter Pfarrer, Waidmann und Witzeerzähler

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Am 16. April wäre der langjährige Leiter der Pfarrei Niederschlettenbach, Pfarrer Otto Böhm, 100 Jahre alt geworden. Da der Geburtstag in die Karwoche fällt, feiert die Pfarrei das Jubiläum am Ostermontag, 21. April, um 10.30 Uhr mit einem Gedenkgottesdienst in der Laurentius-Kirche. Anschließend ist dort eine Ausstellung über Böhm zu sehen.

Otto Böhm war sehr beliebt. Dazu beigetragen hat, dass er ein humorvoller und geselliger Mensch war. Er konnte alleine durch seine Anwesenheit und Art den Menschen Freude vermitteln. Seine Lebenseinstellung und sein ansteckender Humor gaben mancher tristen Seele wieder Hoffnung. Bei jeder Begegnung, jeder Familienfeier, durften „Ottels“ Witze nicht fehlen. Er hatte das Talent, den Humor in der richtigen Verpackung an den Mann zu bringen. Gestik und Mimik förderten nicht selten seine schauspielerischen Talente zu Tage. Von dieser Ausstrahlung waren ganze Gesellschaften fasziniert, die er alleine unterhielt. Otto über sich selbst: „Ich bin de ähnzigschd im Dorf, wu vorne und hinne e „O“ hat!“ – So war er, der Schlettenbacher Pfarrer. Otto Böhm hatte noch eine andere Seite: die Naturverbundenheit. Vielleicht war das der Grund, warum er sich damals von der angenehmen Stelle des Bischofssekretärs auf die Pfarrstelle im Wasgau bewarb. Hier war er gerne mit seinem Hund unterwegs. Oft war er an der Lauter beim Fischen anzutreffen. Weil ihm das viel Spaß bereitete, pachtete er einen Fischweiher beim Seehof hinzu. Der Schritt zum Heger und Pfleger war nicht weit. Böhm frönte schon bald der Jägerei – ein ungewöhnliches Hobby für einen Mann in Schwarz. Aber, um ein geflügeltes Wort von damals aufzunehmen, Böhm schoss eben die Böcke im Wald und nicht auf der Kanzel. Über lange Jahre war er nun auserkoren, die jährliche Hubertusmesse auf den Schlossäckern unterm Trifels abzuhalten. Doch Jagen ohne Lizenz geht nicht. Auch nicht für einen „schwarzen“ Waidmann. Oder doch? Im Bücherregal im Pfarrhaus findet sich ein schwarzes Büchlein: Böhms „Jagdbuch“. Fein säuberlich hat der Pfarrer darin seine Jagd-Ergebnisse eingetragen. Aus diesem verborgenen Büchlein dürfen wir nun erstmals einiges preisgeben. Schon beim einleitenden Satz reiben wir uns erstaunt die Augen. So lesen wir: „Vor Ablegung des Jagdscheines sechs Böcke auf der Jagd in Erlenbach in Begleitung des Jagdherrn im Jahre 1957 geschossen!“ Aber, aber, Hochwürden... Nach dieser Beichte im Jagdbuch legt der Pfarrer noch im gleichen Jahr die Jägerprüfung ab. Nun geht es geordnet weiter. 1958 scheint der Jungjäger zunächst sein Revier erkundet zu haben. Nur drei Rehböcke sind im Jagdbüchlein verzeichnet. Vielleicht hat er auch zu oft am „Treffnix“ angesessen oder, wie ein Bub mal sagte: „Unkel schieß noch emol, der Bock hat’s nit g’hört!“ Immerhin gelang es Böhm, zum Jahresausklang in Völkersweiler einen Hasen zu erlegen. Den Aufzeichnungen zufolge hat Böhm spätestens 1959 das Jagdfieber gepackt. Im Frühjahr erfahren wir von zwei erlegten Schnepfen. Ende Mai fällt der erste Bock. Ihm werden bis zum Herbst neun weitere folgen. Im August ist ein Marder verzeichnet und im September dann Entenjagd angesagt. Auf Grund der aktiven Jagdtätigkeit in diesem Jahr scheint der Pfarrer nun Munition sparen zu wollen. Denn unter dem 8. September ist da zu lesen: „Am Seehofweier Erlenbach vier Enten mit einem Schuss erlegt!“ Nun ja, Hochwürden! Dass er das große Latinum beherrschte, ist klar, aber so gute Fortschritte in Jäger-Latein scheinen doch überraschend. Mit einer Schnepfe und einem dreijährigen Gabler-Bock beginnen die Aufzeichnungen für 1960. Der nächste Eintrag dürfte für den Waidmann etwas Besonderes gewesen sein, denn er ist in roter Tinte geschrieben: „9. Juli, dreiviertel Acht Uhr, in Erlenbach Wegkreuzung Unger, 1. Sau, Gewicht 60 Pfund.“ Böhms erstes Wildschwein. Die aufgeführten Tierarten werden jetzt vielfältiger. Es folgen ein Rehbock auf dem Marzeichen und eine Wildente am Seehof. In den Wintermonaten sind Hasen und Fasanen aus der Jockgrimer Jagd aufgeführt. Ende Dezember trifft der Pfarrer auf der Pfälzer Hütte die zweite Wildsau. Die Aufzeichnungen der weiteren Jahre sind unspektakulär. Sie geben aber einen guten Einblick über den Wildbestand vor 50 Jahren. Wenn damals auch Rehwild überwiegt, finden sich gelegentlich Wildschweine, Füchse, Schnepfen, Wildenten, Fasanen, Wasserhühner, Feldhühner und Hasen in guter Zahl. Raben, Bisamratten, MäuseBussarde und Eulen wird man heute nicht mehr auf der Abschussliste finden, weil sie teilweise nicht mehr gejagt werden dürfen. Seinem Hobby frönte der Pfarrer noch lange. Und seine Jubiläen und Geburtstage wurden immer gebührend mit den Pfarrkindern gefeiert. Bis zu seinem Tod 1994.

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