Kultur Südpfalz Paris, die Liebe und das Sauerkraut
„Paris s’éveille“ (Paris erwacht), ertönt es am Freitagabend in der Mehrzweckhalle in Hayna; Marcel Adam, der bekannte lothringische Chansonnier, Liedermacher und Autor erinnert mit seinem Eröffnungslied an die Pariser Anschläge vom November vergangenen Jahres. Bereits beim ersten Lied nimmt er sein Publikum mit, „alte Hasen“ aus dem Publikum singen den Refrain.
Christian Di Fantauzzi (Akkordeon, Saxofon) und Christian Conrad (Gitarre, Mandoline und Bass) begleiten den Künstler, der mit französischen, lothringischen und deutschen Liedern sein Publikum mit seinem aktuellen Programm „La Fine Équipe“ unterhält. „Seit neun Tagen bin ich deutscher Rentner, jetzt darf ich alles umkrempeln, vergessen und dummes Zeug schwätzen“, freut sich der Entertainer und präsentiert „Il est trop tard“, sein neues Lied von Georges Moustaki. Gekonnt interagiert er mit seinem Publikum und bezieht es mit ein, provoziert und besänftigt es wieder, „er spielt mit dem Publikum“, so eine aufmerksame Zuhörerin. Mit dem Versprechen, es auf keinen Fall zu überfordern – denn er habe gelernt, „in Deutschland sei der IQ meist nicht höher als die Raumtemperatur“ – fordert er es immer wieder zum Mitsingen auf. Herrlich entspannt reagiert er auf kleine technische Pannen, den Profi-Entertainer kann nichts erschüttern. Überzeugend gibt er seine Erfahrungen in puncto Beziehungen mit „Es“ an seine männliche Zuhörerschaft weiter, denen er bescheinigt, sensibler und feinfühliger als ihr weibliches Pendant zu sein. „Wenn du mich verlässt, darf ich dann mitgehen?“, fragt der Sänger in seinem nächsten Lied. Als Hommage an die Elsässer erfolgt dann der „Surkrut-Swing“, indem er verschiedene Sauerkraut-Rezepte zum Besten gibt. Conrad fasziniert mit seinem Intro zu dem „Zigeuner“-Lied. Gekonnt entführt das Trio sein Publikum mit französischen Chansons in Pariser Nachtcafés. Adam besticht durch seine Authentizität, mit der er mit seinem Publikum kommuniziert, verschiedene Themen werden angerissen. „Ich bin dankbar für mein Leben, ich hasse Leute, die ihre Energie damit verschwenden, gegen andere Menschen zu sein“, betont er und spricht sich in seinem Aufruf „Sage Nein“ von Konstantin Wecker gegen Rassismus aus. Beeindruckende Gestiken, Mimiken und schauspielerische Elemente begleiten seine Botschaften. Bei „Der Clown“ von Heinz Rühmann agiert er mit einer aufgesetzten roten Nase, mit „’s Lili in de Wäschkich“ ruft er lothringische Kindheitserinnerungen wach, in seinem Beerdigungslied wird „De Gottfried“ begraben. Erheiternde Anekdoten folgen auf besinnliche Geschichten, Adams Repertoire beinhaltet sowohl humorvolle als auch nachdenkliche Elemente. Nach seinem klassischen Abschlusslied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ folgen noch drei weitere Zugaben, die das Publikum durch minutenlangen Applaus erzwungen hat. „Er macht viel für sein Geld“, so eine Zuhörerin anerkennend. Der Drück- und Heck- Schmusesong „Schnee auf dem Kilimandscharo“ folgt im Zugabenteil, in dem das Publikum die tiefere Bedeutung desselben lernt: Nach dem engen Tanzen (= drücken) geht das Pärchen in die Hecke. „Ich musste mich schon anstrengen, um alles zu verstehen“, sagt eine Dame aus Billigheim. Auch zwei Herxheimer Damen bestätigen das, sind sie doch des Französischen nicht mächtig, und auch die Mundart-Lieder bergen gewisse Herausforderungen. Trotz gewisser sprachlicher Schwierigkeiten zeigt sich das Publikum rundum begeistert, das Trio bezaubert seine Zuhörerschaft. „Das Regionale ist uns wichtig“, betont Bodo Pietrulla, der Präsident des Fördervereins Lions Club Herxheim/Landau, und verspricht den 160 Besuchern gleich zu Beginn des Benefizkonzerts, das eingenommene Geld in Form von Spenden wieder zurückzugeben.