Rheinpfalz Oscar-reif

Ein Glanzpunkt am Ende der Oscar Verleihung: das Männerballett.
Ein Glanzpunkt am Ende der Oscar Verleihung: das Männerballett.

Der „Oscar“ ist der bekannteste und begehrteste Filmpreis der Welt. Am Freitag und Samstag wurde die 34 Zentimeter große Trophäe nicht in Amerika, sondern in Hinterweidenthal vergeben. Die Halle des Turnvereins Hinterweidenthal (TVH) war dank ungemeiner Kreativität von Bianca Kustes in ein von Glitzer und Glamour strahlendes „Theater“ verwandelt worden.

Die Preisträger: aktive Fasnachter, die allermeisten davon aus eigenen TVH-Reihen, verstärkt von einigen neuen Sternchen am Hollywood-Himmel und ergänzt durch „Wiederholungstäter“. In annähernd sechs Stunden überreichten die Moderatoren Florian Eder, Daniel Müller und Marliese Zimmermann zigmal die kleine Staute, musikalisch umrahmt von der Sitzungskappelle „Dancebar“. Eine „prunkvolle Oscarverleihung mit weltbestem Catering Team“ versprach Eder bei seiner Begrüßung und fügte hinzu: „Unser Programm ist voll – und nicht nur unser Programm“. Den tänzerischen Beginn übernahmen die „Little Big Stars“. Die kleinen Tänzerinnen erfreuten das Publikum mit tänzerischer, aber auch koordinativ anspruchsvoller Darstellung. Nicht nur die Bienchen flogen synchron in der Luft umher, sondern auch Reifen und das alles in edlen schwarzen Kostümen. Die „Crazy Girls“ weihten die Besucher in die Geheimnisse orientalischer Tanzkünste ein, ehe die „Young Diamonds“ in weißen Turnschuhen, Caps und Hosenträgern eher moderne Tanzvarianten demonstrierten. „One 2 Step“, die Tanztruppe aus der Nachbargemeinde Hauenstein, brachte in lustigem Clownsoutfit Schwung in die Halle, ehe mit „Young Generation“ wieder ein TVH-Eigengewächs für einen tänzerischen Höhepunkt mit der Interpretation von „Titanic“ sorgte. „Step und Pep“ sorgte zu Beginn des zweiten Teils für ein Blitzlichtgewitter. Vor allem die Herren der Schöpfung kamen voll auf ihre Kosten. Die wettkampferfahrenen Mädels zeigten Kostproben ihres Könnens mit hohen tänzerischen und turnerischen Ansprüchen, mit Ausdrucksstärke und Kreativität hinsichtlich Accessoires, die eingebaut wurden. Nicht ganz so grazil, dafür schräg komisch, überzeugten die drei „Babys“ Jens Schehl als Mathilde, Andreas Draxl als „Ferdinand“ und Christian Draxl als „Schatzi“ mit ihrem rein auf Gestik und Mimik beschränkten Sketch. Erfrischend anders und sehr unterhaltsam ließen es die drei krachen und gehörten zu den absoluten Höhepunkten der Oscarverleihung. Mit „Dance Company“ und „Dance Impression“ standen im zweiten Teil zwei TVH-Eigengewächse auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Den tänzerischen Schlusspunkt setzte das Männerballett, das, inzwischen von vielen anderen Vereinen in der Umgebung gerne gebucht, mit einer Menge Kreativität weit mehr zu bieten hatte als nur Tanz, Bäuche und behaarte Beine. Den Anfang in der Bütt machte Oliver Betzer vom Fasnachts-Club Felsenland (FCF) musikalisch: „Ich will die Hände seh’n“, sang er live, bevor er das Publikum mit „Servus Weindahl“ begrüßte und prompt erwidert bekam: „Servus Härtschder“. Betzer, der im Dschungelcamp „11 bis 19 Schoppen“ trinkt, hatte sage und schreibe fünf Auftritte an einem Abend zu bewältigen, ganz und gar kein „Nachtwächter“ also. Der kam mit Roland Links auf die Bühne. Seit 26 Jahren ist er in der TVH-Bütt. Mit seinen 79 Jahren haute er nicht nur einen Kalauer in Serie raus und das ohne jegliches Skript, er zeigte sich sehr sportlich, warf einen Bumerang und fing ihn wieder. Mit Erhard Gries aus Münchweiler stand ein Debütant in der Bütt. Er sinnierte über logische Konsequenzen beim Finanzamt und gab schräge Anekdoten über Verkehrskontrollen der Polizei zum Besten. „Der Knaller aus Münchweiler“, erhielt ebenso einen Oscar wie Hans Ritter vom FCF in seiner Paraderolle als „Braddler“. Typische Pirmasenser Anekdoten aus „em Hawerkaschde mim Loinewewer“ hatte der überzeugte Parkbiertrinker wieder parat. Martin Berberich als „de Maddin“ berichtete, dass beim Weihnachtsessen die „Schnecken total aus dem Häuschen“ waren. Politisch offenbarte er: „Ich will nicht auf der Frau Merkel rumreiten, wer will das schon.“ alias Heiko Ganster „De Feddes“ vom FCF machte den Abschluss: Er avancierte zum Publikumsliebling mit seiner „Wodkadiät“ und Wortwitz wie: „Warum braucht man beim Hellseher einen Termin? Darf man, wenn man Moses heißt, bei Ebay mehr als zehn Gebote abgeben?“ Musikalisch gehören die „Turnerlerchen“ zum TVH wie das Salz in die Suppe. Live gesungen sprang der Funke schnell aufs Publikum über mit Evergreens wie „Butterfly“ und „Sierra Madre“. Die Meckerorgeln mit Horst Schäfer am Akkordeon und Meckerorgelspieler Edmund „Edmundi“ Bauer berichteten in amüsanter Weise über das Dorfgeschehen. Die Partyzwerge und das Thekenteam vervollständigten den unterhaltsamen Oscarabend.

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