Rheinpfalz OP an Homburger Uniklinik rettet russisches Mädchen
Die 16-Jährige mit den rotgefärbten Haarsträhnen wirkt ganz normal, etwas schüchtern vielleicht. Man merkt ihr nicht an, dass ihr vor elf Tagen eine zweistündige Operation an der Uni Homburg das Leben gerettet hat. Maria leidet an einer seltenen Herzkrankheit.
„Die große und tapfere Maria.“ So nennt Hashim Abdul-Khaliq, der Direktor der Homburger Uni-Kinderherzklinik, seine Patientin. Maria Batogova kommt aus dem russischen Ort Twer, gelegen zwischen Moskau und St. Petersburg. Die 16-jährige hat schon viel erlebt: Sie leidet an Hyperthrophie, einer seltenen Muskelerkrankung am Herzen, die erblich bedingt ist. Bei Hypertrophie sind die Herzmuskelwände extrem verdickt. „Etwa dreimal so stark wie normal“, sagt Abdul-Khaliq. Bei Stress oder in Momenten starker Belastung könne dies zum plötzlichen Herzstillstand führen. Da das Klinikum in Twer Maria nicht helfen konnte, suchte die Familie Hilfe in der Universitätsklinik Moskau. Diese hatte Marias Vater Alexej vor ein paar Jahren operiert.
Moskaus Uni konnte nicht helfen
Doch an Marias noch im Wachstum befindlichen Körper hätten sich die Moskauer Ärzte nicht herangewagt, sagen Marias Eltern. Um zu verhindern, dass das Mädchen noch in seiner Jugend stirbt, besann man sich in Twer auf eine langjährige Partnerschaft mit der Homburger Uni. Dort wandte man sich schließlich an die Herzklinik des Direktors Hans-Joachim Schäfers. Er war es, der die lebensrettende Operation ausführte. Der Eingriff, so berichtet Abdul-Khaliq, sei problemlos verlaufen. Das Mädchen habe sich ganz gut erholt und werde demnächst entlassen.
Bereits 2016 hatte Maria in Homburg einen ersten chirurgischen Eingriff am Herzen über sich ergehen lassen müssen. Die zweite OP wurde nötig, da das Herz mit dem jungen Körper mitgewachsen ist; die Krankheit habe sich dadurch verschlimmert.
„Aber jetzt ist sie geheilt“, sagt Abdul-Khaliq. Er geht davon aus, dass dies Marias letzte Herz-OP war. Alle sechs Monate muss die 16-Jährige in ihrer Heimat zur Kontrolle ins Krankenhaus, lebenslang Betablocker schlucken. Das ist aber neben der Narbe auf dem Brustkorb wohl Marias kleinstes Übel. Denn eigentlich ist die junge Russin eine Sportskanone. „Ich war früher auf einer Sportschule und habe Medaillen im Eiskunstlaufen gewonnen“, erzählt sie in gutem Englisch. Dort, bei der hohen Belastung, sei klar geworden, wie schwer ihre Erkrankung war.
Eiskunstlauf muss sie aufgeben
Für Maria hat sich das Thema Hochleistungssport nun erledigt: Dies würde die gefährliche Verdickung im Herzen wieder anregen. „Vielleicht probierst du ja mal Jazz-Tanz aus“, schlägt Mama Olga ihrer Tochter vor. Doch das wäre Maria zu langweilig. „Über Schwimmen und Radfahren können wir vielleicht mal reden“, erwidert sie.
Bei Marias sechsjähriger Schwester wurde die Erbkrankheit nicht festgestellt. Sollte Maria einmal Kinder haben, schätzen Experten deren Hypertrophie-Risiko auf 50 Prozent.
Die Eltern konnten aus ihren Ersparnissen 10.000 Euro für die Operation Euro aufbringen. Die restlichen 16.000 Euro übernahm die Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“.