Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Offene Gartentüren in Lauterecken und Wolfstein

Leiter zweckentfremdet: der Garten der Olsowskis in Lauterecken. Foto: m. hoffmann
Leiter zweckentfremdet: der Garten der Olsowskis in Lauterecken.

Erstmals hat sich die Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein an der Veranstaltungsreihe „Offene Gartentür – Vom Rotenfels über die Alte Welt bis zum Donnersberg“ beteiligt. Die Familie Olsowski aus Lauterecken und Marianne Gruber aus Wolfstein öffneten ihre Gartentüren. Beide haben sehr viel Zuspruch erfahren, obwohl die Gärten kaum unterschiedlicher sein könnten.

Alte Fensterrahmen, Schuhe, Pfannen, Schöpfkellen, Koffer oder auch das Gestell einer Nähmaschine – alles Mögliche lässt sich im Garten zweckentfremdet nutzen, wenn man nur die richtige Idee und ein wenig Geschick hat, wie Silvia und Bernd Olsowski zeigten. Pflanzen gedeihen in Schuhen, ausgediente Leitern dienen genauso wie alte Birkenstämme als Dekoration und Präsentationsfläche. Aus jedem Blickwinkel lassen sich Kleinigkeiten entdecken.

Vieles findet das Lauterecker Ehepaar im Wald, von alten Wurzeln bis zu kleineren Ästen. Über zwei Jahre sammelten sie rund 3000 kleinere Sandsteine, aus denen eine große Kräuterschnecke im hinteren Teil des spitz zulaufenden Gartens entstanden ist. Mit Maggikraut, Lavendel, Estragon, Zitronengras oder auch Blütenbasilikum stellt sie ein Dufterlebnis dar und macht auch optisch was her, denn „sie ist in diesem Jahr regelrecht explodiert“. Am Ende des Gartens wartet ein Vogelhäuschen, auch zwei kleinere Insektenhotels beherbergen tierische Besucher.

Gemütliche Sitzgelegenheiten

Mit seinen rund 200 Quadratmetern ist der Garten nicht sehr groß, verfügt aber über gemütliche Sitzgelegenheiten, darunter ein großer verglaster Freisitz. Der Garten und seine Atmosphäre seien vor allem am Abend, wenn die überall verteilten Kerzen brennen, besonders schön, schildern die Besitzer. Selbst an der begrenzenden Hecke sind kleine, liebevoll gestaltete Dekoelemente zu finden und trotzdem wirkt der Garten nicht überladen, da gedeckte Farben vorherrschen.

Für Farbtupfer sorgen in erster Linie die Pflanzen. Silvia Olsowski achtet darauf, dass immer irgendwas blüht. „Der Klatschmohn ist gerade verblüht, die Lampions kommen im Herbst und die Bauernhortensie braucht auch noch ein wenig“, erklärte sie. Die Hausherrin erzählt schmunzelnd, dass ihr Garten schon jahrelang so schön aussehe und nicht extra für den Tag herausgeputzt wurde, denn er sei einfach ihr Hobby. Anregungen mit Besuchern zu teilen, war eines der Ziele der Familie und das hat offensichtlich geklappt. Eine Besucherin wird nun erst einmal ihren Sperrmüll genauer in Augenschein nehmen, vielleicht lässt sich noch etwas Nettes für den Garten finden. Immer wieder kommen neue Besucher und die Hobbygärtner ernten viel Lob.

Wilder „Genussgarten“

Gleiches spielt sich in Wolfstein ab, wo Marianne Grubers Gartentür geöffnet ist. Auf den ersten Blick zeigen sich die Unterschiede, denn im „Genussgarten“ geht es verhältnismäßig wild zu. Dominiert wird der Garten Grubers von einem selbst angelegten Badeteich mit Holzsteg, um den zahlreiche Pflanzen sattes Grün und bunte Blüten präsentieren. Überall summt und brummt es, zahlreiche Libellenarten und viele Vögel fliegen umher. Nicht nur die Abkühlung im 1,60 Meter tiefen Teich weiß Gruber zu schätzen, sondern auch den Fakt, dass durch die Verdunstung relativ wenig gegossen werden muss.

Ein völlig anderes Klima, trocken und recht heiß, herrscht wenige Meter weiter im mediterranen Bereich, wo Oregano, Bohnenkraut und zahlreiche Thymian-, Minze- und Salbeiarten gedeihen und zum Schnuppern einladen. Eine kleine Paprika- und Peperonifarm mit selbstgezogenen Pflanzen rundet den Bereich ab. Auf der gegenüberliegenden Seite herrscht ein deutlich kühleres Klima im „Waldeck“ mit kleinem Leitergarten als Küchengarten mit Kräutern und Gemüse. Dort wachsen auch kräftige Zitronen und Feigen. Üppig wuchern Holunder, Brombeere und auch weiße Rambler-Rosen: Das sind Schlingrosen, die im Wolfsteiner Garten nicht nur alte Apfelbäume mit zahlreichen Blüten glänzen lassen, sondern auch in Symbiose mit anderen Rosen prächtig gedeihen.

Auf Chemie ganz verzichten

Die Bankangestellte experimentiert in ihrer Freizeit gerne im Garten. „Ich will etwas mehr Natur schaffen und Insekten etwas bieten“, sagt sie. Deshalb verzichtet sie völlig auf Chemieeinsatz. Dass die Natur sich selbst reguliert, zeigte sich, als sie nichts gegen Blattläuse unternahm und sich das Problem dank Insekten regelte. Ähnlich wie die Olsowskis ist es auch der Wolfsteinerin ein Anliegen gewesen, beim Tag der offenen Tür Besuchern Ideen und Inspiration und Momente der Entspannung zu bieten.

Ein Wunsch Grubers, die für die Besucher zahlreiche Ableger zum Mitnehmen vorbereitet hatte, ist es, eine Art Gartenmarkt oder auch eine Pflanzentauschbörse in der Region zu initiieren. Momentan fehlen noch die Mitstreiter, aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Ihre Freude an der Dekoration zeigt sich an allen Ecken und Enden. Foto: m. hoffmann
Ihre Freude an der Dekoration zeigt sich an allen Ecken und Enden.
Viele Besucher kamen und holten sich Inspirationen. Foto: m. hoffmann
Viele Besucher kamen und holten sich Inspirationen.
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