Rheinpfalz Nutzung schwierig, Verfall nicht erlaubt
Hinterweidenthal. Uneinigkeit herrscht weiterhin über die Zukunft des denkmalgeschützten Wieslauterhofs zwischen Merzalben und Hinterweidenthal. Nicht zuletzt, weil der ehemalige Erblehenshof von 1718 mitten in der unberührbaren Kernzone des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen liegt.
Die Grünen hatten kürzlich eine mögliche Nutzung des Wieslauterhofs als Ort der Umweltbildung vorgeschlagen. Ruth Ratter, die Fraktionsvorsitzende im Bezirkstag, hatte diesen Vorschlag unterbreitet, um den Hof endlich einer Nutzung zuzuführen. Diesen Ideen der grünen Bezirkstagsabgeordneten Ruth Ratter gegenüber zeigte sich das von den Grünen geführte rheinland-pfälzische Umweltministerium reserviert. Eine umfassende Nutzung für Forschungszwecke oder als Umweltbildungseinrichtung sei aufgrund fehlender erschließender Infrastruktur ausgeschlossen, erklärte Josephine Keller, Sprecherin des Ministeriums, auf Anfrage der RHEINPFALZ. Der Hinterweidenthaler Forstamtsleiter Michael Grünfelder dagegen meinte, dass eine Nutzung als Ort der Umweltbildung durchaus denkbar sei. „Es muss allerdings klar sein, dass der Standard dort sehr tief angesiedelt sein muss“, sagt der Diplomforstwirt. Es sei schon über unterschiedliche Ansätze nachgedacht worden, von einer Außenstelle der Universität für Wildbiologen bis hin zu einer Dependance des Hauses der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz in Sachen Wildniserleben. „Es sei auch vorstellbar, das denkmalgeschützte Gebäude auszuhöhlen, um den Innenraum Fledermäusen zur Verfügung zu stellen“, sagt Grünfelder. Doch alles, was er sage, bleibe spekulativ. „Eine Oase wird der Wieslauterhof wohl bleiben“, sagt er, „allein schon wegen der Lage. Außer wenn jemand den Hof mitnähme. Es bestehe nämlich Interesse vonseiten des Freiluftmuseum Bad Sobernheim, das schmucke Gebäude vor Ort ab- und dort wieder aufzubauen. „Dafür bräuchte es aber viel, viel Geld, das keiner hat“, sagt Grünfelder. Und Umsicht, ergänzt er, denn immer wieder stelle sich auch die Frage der Verhältnismäßigkeit, immerhin werde hier mit Steuergeldern agiert. In den Negativschlagzeilen sei der Hof schon oft genug gewesen. Einen Verkauf oder eine Verpachtung an Privatpersonen schließt das Umweltministerium nach wie vor aus. Denn auf die Berichterstattung der RHEINPFALZ vom 4. Juli hatte sich der Schwiegersohn der ehemaligen Pächter in der Redaktion gemeldet und Kaufinteresse an dem Hof gezeigt. Von 1964 bis 2007 war der Hof verpachtet und wurde als Wochenendgrundstück genutzt. Doch wegen der fehlenden Wasserver- und -entsorgung und weil keine Stromversorgung vorhanden ist, schließt das Ministerium eine künftige private Nutzung kategorisch aus. Auch könne das Haus der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht werden, wenn es in Privatbesitz überginge. Das sehe eine Richtlinie des Denkmalschutzes aber vor. Soll der Wieslauterhof letztendlich etwa als Lager der Landesforsten enden? „Nein“, antwortet Grünfelder entschieden. Dafür sei der Hof viel zu sehr Exklave, und durch seine Lage im Kerngebiet liege er viel zu weit entfernt vom tagtäglichen Betriebsgeschehen.