Rheinpfalz Nur selten ein schneller Griff zum Fernglas

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Der Vogelkundler Peter Ramachers aus Hirschhorn plant zusammen mit seinem Mitstreiter Norbert Roth aus Freisen die Herausgabe eines Buchs über die Vogelwelt im Kreis Kusel (wir berichteten). Ende 2016 soll es erscheinen. Wie zwei Forscher eine fachlich seriöse Bestandsaufnahme der in einem so großen Gebiet vorkommenden Vögel vornehmen können, erklärt er bei einer seiner Exkursionen.

Treffpunkt ist die Glanbrücke in Theisbergstegen. Von dort geht es weiter nach Gimsbach Ausgang Richtung Glan-Münchweiler. Dann hinunter an den Glan. Ziel ist es, den Fluss abwärts bis Theisbergstegen entlangzulaufen. Die Vogelkartierung wird systematisch für alle geografisch vorgegebenen Halbminutenfelder des Kreises Kusel vorgenommen. Ramachers führt ein Messtischblatt mit, in das jeweils Raster von der Größe eines Quadratkilometers eingezeichnet sind. Die Kartierung der anwesenden Vogelarten an diesem Tag gilt nur für das Feuchtbiotop der Glanaue in zwei speziellen, mit Nummern versehenen Planquadraten, berücksichtigt wird die Witterung an diesem Tag. Arten, auf die besonderes geachtet wird, sind unter anderem die an solchen Bachläufen eventuell vorkommenden Eisvögel, Wasseramseln und Gebirgsstelzen. Andere Biotope wie Ackerflächen, Hecken, Waldstücke und auch Siedlungsgebiete innerhalb desselben Planquadrats werden zu einem späteren Zeitpunkt genauer unter die Lupe genommen, obwohl auch aus der Entfernung Aussagen über das Vorkommen von Großvögeln wie Graureiher, Roter Milan, Bussard, Stockente und Weißstorch gemacht werden können. Das untersuchte Gebiet wird mindestens noch einmal zu einem späteren Zeitpunkt abgewandert. Die erste Untersuchung ergibt bereits Erkenntnisse über Arten wie Meisen, Zaunkönig, Rotkehlchen oder Spechte, die das ganze Jahr über in unseren Breiten verbleiben, sowie über Strichvogelarten wie Stare oder Finken, die je nach Witterung bereits früh wieder in ihre Brutreviere bei uns zurückkehren. Speziell für die Kartierung von hier brütenden Zugvögeln, die weite Entfernungen zurücklegen und erst im April zurückkommen, wie Schwalben, Mauersegler oder Grasmücken, ist später eine erneute Begehung dieses Gebiets notwendig. Voraussetzung für die Vogelkartierung sind exzellente Kenntnisse über das Aussehen, die unterschiedlichen Laute und Gesänge sowie das Verhalten der Vogelarten. Wacholderdrossel, Kohlmeise, Gartenbaumläufer, Zaunkönig, Stieglitz, Grünspecht, Buntspecht, Grünfink, Zilpzalp, Heckenbraunelle, Blaumeise, Star und immer wieder Wacholderdrossel nennt Ramachers in atemberaubendem Tempo und füllt rasch ein Blatt mit den Vogelnamen aus. Insgesamt können an diesem Tag für das erste Planquadrat 29 Vogelarten festgestellt werden. Die Schnelligkeit der vorgenommenen Aufzeichnungen verblüfft. Das kurze Auftauchen der häufig sehr kleinen Tiere, auch aus relativ großer Entfernung, oder nur ein kurzer Ruf genügen dem erfahrenen Vogelforscher zu ihrer Identifizierung. Nur selten ist der schnelle Griff zum Fernglas notwendig. Fast mechanisch werden die Vogelarten und die Häufigkeit des Vorkommens im Eiltempo registriert. Ramachers hat nämlich das Auftauchen einiger Vogelarten geradezu erwartet. Er weiß, welche der häufig vorkommenden Vogelarten in welchen Biotopen und in welcher ungefähren Anzahl die Vögel jeweils zu erwarten sind. Spannend sind spezielle Abweichungen, die eine Zu- oder Abnahme von Vogelarten anzeigen. Dem Vorkommen seltener Arten wird besonderes Augenmerk gewidmet. So stellt sich für Ramachers die Frage, ob an diesem Glanabschnitt Eisvogel, Gebirgsstelze, Kleinspecht oder Wasseramsel nachzuweisen sind, die in diesem Biotoptyp eigentlich gute Lebensbedingungen vorfinden müssten. Lange sieht es dafür schlecht aus, bis gegen Ende der Begehung ein balzendes Gebirgsstelzenpärchen deutlich zu beobachten ist. Ramachers ist mit dem Voranschreiten seiner Arbeit in den zurückliegenden Wochen zufrieden. Mit einer großen Anzahl von Kontrollgängen hat er sein Plansoll bisher deutlich erfüllt. Dies stimmt ihn optimistisch, gemeinsam mit anderen Kartierern und Unterstützern die Grundlagenarbeit für das Buch frühzeitig abschließen zu können. Mit der Kartierung ist die Arbeit aber noch lange nicht getan. Bei der späteren Auswertung, die er sich gemeinsam mit Norbert Roth für die Winterzeit vorgenommen hat, bilden die dokumentierten Beobachtungsergebnisse die Basis. Bei den häufig vorkommenden Vogelarten werden zusätzlich zu den persönlichen Einschätzungen auch spezielle Untersuchungsergebnisse aus der ornithologischen Fachliteratur berücksichtigt. Der 59-jährige Ramachers, geboren in Niedersachsen, führt zur Zeit aufgrund der idealen Wetterverhältnisse fast täglich solche mehrstündigen Kontrollgänge im Landkreis Kusel durch. Als Wasserbauingenieur ist er jahrzehntelang im internationalen Entwicklungsdienst tätig gewesen und hat viele Länder kennengelernt. Nun widmet er sich wieder stärker dem seit seiner Jugendzeit ausgeübten Hobby der Vogelbeobachtung in seiner neuen Heimat, der Westpfalz. Warum übernimmt er diese anstrengende Arbeit? „Ich verbringe meine Freizeit in den Sommermonaten viel lieber in der Natur als am Computer oder vor dem Fernseher. Das Kartieren der Vogelreviere ist für mich keine Arbeit, sondern anregendes Hobby. Außerdem finde ich es befriedigend, die aktuelle Situation beziehungsweise die Veränderungen in der Vogelwelt aufzuzeigen, damit einen Beitrag für ihren Schutz zu leisten und künftigen Generationen wichtiges Datenmaterial zu hinterlassen.“

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