Kultur Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel NS-Raubkunst: Badisches Landesmuseum erwirbt Zunftzeichen noch einmal

Das Zunftzeichen der Schreiner darf nun endgültig in Karlsruhe bleiben.  Foto: BLB
Das Zunftzeichen der Schreiner darf nun endgültig in Karlsruhe bleiben.

Jetzt hat alles seine Ordnung: Das Badische Landesmuseum hat ein Schreiner-Zunftzeichen vom Ende des 18. Jahrhunderts ein zweites Mal erworben und kann es nun unangefochten in der Abteilung Baden und Europa zeigen. Die Einlegearbeit aus hochwertigen Furnierhölzern hatte sich bei der Provinienzforschung als NS-Raubkunst herausgestellt.

Das Zunftzeichen hatte einst dem jüdischen Kunsthändler Siegfried Lämmle in München gehört, erklärt Provenienzforscherin Katharina Siefert. Als das Museum das erfuhr, gab es das Zunftschild zunächst an die in den USA lebenden Nachfahren Lämmles zurück. Die boten es umgehend dem Museum zum Erwerb an.

Wie schon eine nach dem Krieg der Alliierten Militärregierung übergebene „Liste der ob ihrer Herkunft zweifelhaften Ankäufe in den Jahren 1938-1945“ zeigt, war man sich seinerzeit sehr wohl bewusst, aus welcher Quelle man ankaufte. Der Münchner Antiquitätenhändler hatte 1937 wegen des Berufsverbots sein Geschäft aufgeben müssen. Die Familie konnte in die USA ausreisen, wo Lämmles Bruder Carl in Los Angeles als Chef der Universal-Filmstudios schon längst eine Größe war. Von dem Verkaufserlös der beschlagnahmten und verkauften Wertgegenstände erhielt sie nichts. Das Landesmuseum erwarb das Zunftzeichen 1942 aus der Versteigerung des Warenbestands des Freiburger Kunsthändlers Mathias Göhringer, der in Baden als Sachverständiger für Kunstgut des Reichspropagandaministeriums unterwegs war und 1941 Selbstmord beging.

Um die Hintergründe und Zusammenhänge solcher Fälle aufzuhellen, ist laut Siefert vor allem personelle Kontinuität in der Provenienzrecherche wichtig, „um alle Informationen zusammenzutragen und zu interpretieren“.

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