Rheinpfalz Notlandung am frühen Morgen

Nerven wie Stahlseile muss der 28-jährige Raphael Stelzer haben. Mit seinem Kollegen George Panait brachte der Frachtpilot gestern Morgen um 5.53 Uhr die Dornier-Frachtmaschine D 228 der Arcus Air mit defektem Bug-Rad bei starkem Wind per Notlandung auf dem Zweibrücker Flughafen sicher zu Boden. Verletzt wurde bei der heiklen Landung niemand. Nach der Insolvenz und damit verbundenen Schließung des Zweibrücker Flughafens war dies der erste Einsatz der Zweibrücker Feuerwehr unter neuen Bedingungen.
Unterwegs waren Stelzer, der seit vier Jahren für die in Zweibrücken beheimatete Arcus Air Fracht durch Europa fliegt, und sein Co-Pilot Panait vom ungarischen Györ nach England. Beim Start in Györ hatten sie schon bemerkt, dass das Bug-Rad schlingert. Per Funk meldeten sie schließlich, dass sie das Bug-Rad der zweimotorigen Frachtmaschine vermutlich verloren hätten. Um 4.48 Uhr alarmierte die Arcus Air Benjamin Grünagel, Standortleiter des neuen Flughafen-Eigentümers Triwo. Dieser informierte die beiden verbliebenen Feuerwehrleute der Flughafen-Feuerwehr, Ulf Bürger und Michael Lehmann, die sogleich das schnelle Löschfahrzeug der Flughafen-Feuerwehr startklar machten. Gleichzeitig setzten sich fünf Fahrzeuge und 29 Mitglieder der städtischen Feuerwehr in Bewegung zum Flughafen, zudem zwei Rettungswagen. Auf der vom Schnee geräumten Landebahn in Zweibrücken ermittelte Benjamin Grünagel zu dieser Zeit mit seinem Auto den sogenannten Brems-Koeffizienten, also den Wert der Bremsverzögerung, auf den die Piloten angewiesen sind beim Landen. Um 4.58 Uhr meldete die Arcus Air, dass die Maschine noch rund 45 Minuten vom Zweibrücker Flughafen entfernt sei. Um kurz nach 5 Uhr rief Grünagel schließlich den zuständigen Fluglotsen in Frankfurt an und bestätigte, dass Zweibrücken bereit ist, den havarierten Frachtflieger anzunehmen. Um 5.53 Uhr setzte die Dornier, die Paletten mit unbekanntem Inhalt im Frachtraum geladen hatte, schließlich auf der Landebahn des Zweibrücker Flughafens auf. Mit beiden vorhandenen Bug-Rädern, von denen eines allerdings platt war. Das Flugzeug schlingerte leicht, landete ansonsten aber ohne Probleme. In Saarbrücken-Ensheim konnten die beiden Frachtpiloten nicht landen. „Die machen erst um 6 Uhr auf“, sagte Pilot Raphael Stelzer trocken, als er in einer Flughafenhalle die Details mit einem Techniker von Arcus besprochen hatte. Zudem sei die Landebahn dort zu kurz, und Zweibrücken sei schließlich die Heimatbasis von Arcus Air. „Wir wussten, dass hier in Zweibrücken alles vorhanden ist, was man in einem solchen Notfall braucht“, lobte Stelzer gestern Morgen alle Beteiligten. Ein Techniker von Arcus tauschte in einer Halle beide Bug-Räder vor Ort, denn die Fracht musste noch gestern weiter nach England. Raphael Stelzer und George Panait allerdings saßen nicht mehr im Cockpit, sie hatten ihre zulässige Flugzeit überschritten und übergaben Flieger und Fracht zwei Kollegen. Nach rund eineinhalb Stunden Reparatur hob die Maschine in Zweibrücken wieder ab zu ihrem eigentlichen Ziel. Für Raphael Stelzer war die Situation nicht außergewöhnlich. Er habe schon öfter kritische Situationen gemeistert, sagte er. Für die Zweibrücker Feuerwehr hingegen war die Notlandung ein Einsatz „mit Bordmitteln“, wie Stadtfeuerwehr-Inspekteur Harald Schmieg es ausdrückte. Denn seit der offiziellen Schließung des Zweibrücker Flughafens gibt es noch keinen an die neue Situation angepassten Notfallplan für die Feuerwehren. „Der alte Plan basiert noch auf viel mehr Luftverkehr und Passagierflügen, den müssen wir mit allen Beteiligten anpassen“, sagte Schmieg in einer Nachbesprechung gestern Morgen, und schloss dabei ausdrücklich die Kollegen der Verbandsgemeinde-Feuerwehren ein. Diese waren gestern Morgen zwar nicht gefordert, da der Flughafen jedoch zum Teil auf Verbandsgemeinde-Gebiet liegt, sind auch die Verbandsgemeinde-Wehren grundsätzlich zuständig. Neben den beiden verbliebenen Flughafen-Feuerwehrleuten arbeiten zwei weitere Feuerwehrleute in Betrieben auf dem Flughafen, einer zum Beispiel in einer Flugzeug-Werft. Als der Flughafen Zweibrücken noch nicht insolvent war und den Regelbetrieb mit Fracht und Ferienfliegern abwickelte, waren rund 40 Feuerwehrleute in Schichten zu je sieben Mann rund um Rollfeld und Tower im Einsatz. „Die braucht man heute nicht mehr“, erklärte Schmieg. „Wir müssen darüber sprechen, wie es feuerwehrtechnisch dort oben weiter geht“, sagte er mit Blick auf den Investor Triwo, der statt auf fliegerische Nutzung auf Gewerbeansiedlung und Industrie setzt. „Wir wollen weiterhin zusammenarbeiten“, machte Zweibrückens oberster Feuerwehrmann deutlich. Dass die freiwilligen Wehrleute nach wie vor gebraucht werden, zeigte der gestrige Einsatz. Am Rande des Rollfeldes stehend, überwachten die Feuerwehrleute in ihren Fahrzeugen die Landung und wären bei einem Unfall des Flugzeuges auf der Landebahn sofort zur Stelle gewesen, um zu helfen. (mml)