Rheinpfalz „Nicht zukunftsfähig“

Trier (gana). „Die Pfalz ist deutlich reformbedürftiger als etwa die Region Trier“, sagt der Raum- und Umweltwissenschaftler. Er ist davon überzeugt, dass es hier zu viele Mittelzentren gibt. Wenn es nach ihm ginge, würden folgende pfälzischen Gemeinden ihren Status als Mittelzentrum verlieren: Annweiler, Bad Bergzabern, Dahn, Edenkoben, Eisenberg, Haßloch, Herxheim, sowie Lauterecken. Freilich sieht der Experte nicht nur im Süden von Rheinland-Pfalz Handlungsbedarf. In einer Studie hat er herausgefunden, dass 60 Prozent der momentanen Mittelzentren Standards der Daseinsfürsorge nicht (mehr) erfüllen. Defizite hat Furkert unter anderem in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Verkehr ausgemacht. Nicht zuletzt aufgrund seiner ausführlichen Analyse ist er zu dem Schluss gekommen, die Anzahl der Mittelzentren fast zu halbieren: auf 44. Zudem würde der Trierer Raumplaner landesweit fünf sogenannte Funktionsräume um die bestehenden Oberzentren schaffen. Das gibt es in dieser Form in Rheinland-Pfalz bislang noch nicht. Die Kommunen darin sollen gemeinsam Projekte angehen. Die Idee dahinter ist, dass Bewohner nicht nur das Angebot ihres Wohnortes in Anspruch nehmen, sondern auch die im Umland. In der Pfalz würde Furkert die Funktionsräume Kaiserslautern und Rheinpfalz (rund um Ludwigshafen) schaffen. Die bestehende Einteilung der zentralen Orte geht laut Furkert auf das Jahr 1957 zurück: „Da kann man sich leicht vorstellen, dass das heute nicht mehr passt.“ Für seine Expertise unterhielt sich der Wissenschaftler mit Fachleuten verschiedener Disziplinen. Dabei fiel unter anderem der Hinweis: „Wer zufällig einen Landtagsabgeordneten in Mainz sitzen hatte, wurde Mittelzentrum, und wer nicht, der nicht.“ Die aus Sicht Furkerts hohe Anzahl an Mittelzentren führt zu Problemen. Denn das Geld, das an die Kommunen, die als sogenannte Zentrale Orte klassifiziert sind, fließt, wird nicht mehr. Der Experte fordert, dass sich die Landesplanung mit diesem Thema befasst. Die sei allerdings in der ablaufenden Legislaturperiode vor allem mit der Bewältigung der Energiewende beschäftigt gewesen, sagt der Wissenschaftler. Furkert führt Zahlen aus Sachsen zum Vergleich heran. Der Freistaat lässt sich bezüglich Flächengröße und Einwohnerzahl ungefähr mit Rheinland-Pfalz vergleichen. Allerdings existieren dort gerade einmal 51 Mittelzentren. Rheinland-Pfalz sei „sehr üppig“ ausgestattet, urteilt Furkert. Dadurch gehe die Steuerungsfunktion von Mittelzentren verloren. Im Klartext bedeutet das: Das Geld, das im Landeshaushalt für die Mittelzentren vorgesehen ist, muss auf so viele Orte verteilt werden, dass die Summe, die in den Gemeinden ankommt, letztlich recht gering ist. Hinzu kommt, dass die Situation in den einzelnen Mittelzentren unterschiedlich ist. So seien Nierstein, Baumholder und Eisenberg sehr schwache Mittelzentren, meint Furkert. Viel besser stünden hingegen Städte wie Landau und Speyer da. Die größten Defizite hat der Wissenschaftler im ländlichen Raum ausgemacht. Vor dem Hintergrund der finanziellen Probleme des Landes und des demografischen Wandels, also der alternden und sinkenden Bevölkerung, ist Furkert überzeugt, dass das System restrukturiert werden muss. Nur so sei die Daseinsvorsorge in Rheinland-Pfalz dauerhaft gewährleistet. Das aktuelle Zentrale-Orte-Konzept nennt er „nicht zukunftsfähig“.