Rheinpfalz Nicht mehr Sorgenkind

91-84138452.jpg

Kusel ist eine von rund 530 Städten – auch Lauterecken gehörte mit dem Veldenz-Schloss dazu –, die am bundesweiten Tag der Städtebauförderung teilnahmen. Der Aktionstag bot interessierten Bürgern aus Kusel und Nachbargemeinden Gelegenheit, sich vom Stand der Sanierung der ehemaligen Landschreiberei knapp ein halbes Jahr vor der Fertigstellung ein Bild zu machen. Informationstafeln und Baupläne gaben über die Geschichte der eingerüsteten Landschreiberei und deren aktuelle Sanierung Auskunft.

Für Stadtbürgermeisterin Ulrike Nagel gehören Umbau und Modernisierung des historischen Gebäudes an der Landschaftsstraße mit der Neugestaltung der Fußgängerzone zu den „Kernprojekten“ für die städtebauliche Entwicklung der Kreisstadt. Nagel äußerte sich zufrieden, dass der Kostenrahmen von rund 2,3 Millionen Euro für das Vorhaben bisher habe eingehalten werden können. Mehr als die Hälfte davon stammten aus Fördermitteln des Landes und Bundes, die Stadt müsse 960.000 Euro schultern. Dieses Sanierungsprojekt sei auch ein Anschub für private Investitionen in Wohnungsbau, Gastronomie, Dienstleistungen sowie und medizinische Praxen, sagte die Stadtbürgermeisterin. Ähnlich äußerte sich Walter Greuloch, im rheinland-pfälzischen Innenministerium für die Städtebauförderung im Land zuständig. Er verwies auf Untersuchungen, wonach die Fördergelder für städtebauliche Vorhaben für die jeweilige Region als „Dauerkonjunkturprogramm“ wirkten. Jeder Euro aus den Kassen von Bund, Land und Kommune für die Stadterneuerung ziehe etwa sieben Euro an privaten Investitionen nach sich. Im Jahr 2000 habe es erste Gespräche über die Chancen und Risiken des Projektes Landschreiberei gegeben, erinnerte der Ministerialbeamte. Nach einem langen Abwägungsprozess stünden nun die Aussichten gut, dass aus dem einstigen städtebaulichen „Sorgenkind ein Aushängeschild“ werde, sagte Greuloch. Dieter Fetzer vom Architektenbüro Megaron illustrierte bei einer Führung die Herausforderungen, die bei der Sanierung der denkmalgeschützten Landschreiberei mit vielen Umbauten in einer wechselvollen Geschichte auftraten, wie etwa durchhängende Deckenbalken und sehr unterschiedliches Mauerwerk. Zudem musste das Gebäude baulich ertüchtigt werden für die künftige Nutzung durch die Musikschule „Kuseler Musikantenland“, die nach der Sanierung als Mieter einziehen wird. Fetzer zufolge betraf dies speziell Anforderungen der Akustik, sowie des Schallschutzes. Nicht Bestandteil der Sanierung, die bis Jahresende abgeschlossen sein soll, sind die Gewölbekeller unter dem zweigeschossigen Gebäude, das jahrelang leer stand. Dies bleibe ein Projekt für künftige Generationen, sagte die Stadtbürgermeisterin. Am Standort der ehemaligen Landschreiberei befand sich seit 1444 ein Rathaus mit Schule, das nach 1758 auch Sitz der Verwaltung des Oberamtes Lichtenberg war. Auf den Überresten des Rathauses, das beim Brand von Kusel 1794 während der französischen Annektion der linksrheinischen Gebiete zerstört wurde, entstand mit Entschädigungszahlungen zwischen 1811 und 1814 ein Neubau für ein französisches Friedensgericht, das sogenannte Tribunalgebäude. Nach dem Wiener Kongress beherbergte das Gebäude ab 1817 das bayerische Landkommissariat Kusel. Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde es zunächst als Präparandenschule genutzt und diente später als Berufsschule, Höhere Mädchenschule, Pädagogische Akademie und seit 1952 als Private Handelsschule. Auch das Heimatmuseum und die Stadtbücherei waren dort untergebracht. (rac)

x