Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Nicht gehaltenes Versprechen: Die Familie Schmitt und die Wolfsteiner Gründungsurkunde

Die übersetzte Gründungsurkunde der Stadt Wolfstein im Ratssaal.  Foto: Sayer
Die übersetzte Gründungsurkunde der Stadt Wolfstein im Ratssaal.

Im Wolfsteiner Ratssaal hängt eine Übersetzung der Gründungsurkunde der Stadt Wolfstein von 1275, angefertigt von Uta Naßhan. Selbst dem akribischen Heimatforscher Hans Matzenbacher ist bei der Übersetzung ein Fehler unterlaufen.

In der Übersetzung heißt es: „Rudolf, von Gottes Gnaden römischer König und Kaiser entbietet allen Getreuen ... seine Gnade und alles Gute.“ Falsch daran ist das Wort Kaiser, welches im Original „semper Augustus“ heißt und dann missverstanden worden ist. Die Urkunde der Stadt Neustadt, im selben Jahr ausgestellt, wurde mit „immer Mehrer“ des Reiches richtiger übersetzt. Kaiser war Rudolph nie, denn als solcher musste man in Rom vom Papst gekrönt werden, wie es seit Karl dem Großen üblich war.

Stadt soll Grab pflegen

Dabei enthält die Geschichte der Wolfsteiner Urkunde noch einige andere Besonderheiten. Lange hatte diese als verschollen gegolten, ehe sie der Einnehmer Leonhard aus Kirchheim an der Eck im Jahr 1919 dem Stadtrat anbot. Als Gegenleistung verlangte Leonhard, dass die Stadt das Grab seiner Großeltern bis zum 100. Sterbetag des Simon Joseph Schmitt im Jahr 1955 pflegen sollte.

1949 aber wurde das Grab abgerissen. Ein möglicher Grund: In Wolfstein hatte man dem Stammvater Simon Joseph Schmitt wohl zugetraut, das Dokument auf die Seite geschafft zu haben. Ein Enkel, Robert Schmitt, der das Leben der Familie in einem Buch beschrieben hat, wehrte sich vehement gegen diesen Vorwurf.

Erbauer des Hotels Königsberg

Dass Simon Joseph Schmitt in Wolfstein auch 1919 noch Feinde hatte, hängt mit seinen Lebensaufgaben zusammen. Zunächst hatte er dem Kanton Wolfstein die Französische Revolution schmackhaft machen sollen, später erstellte er Grundstücksverzeichnisse als Besteuerungsgrundlage für das Bezirksamt Kusel. Beides brachte ihm sehr viel Ärger ein. Da er nebenbei ein großes Haus für seine Familie baute – das heutige Hotel Königsberg – und zudem ein großes Vermögen ansammelte, waren ihm Neid und Missgunst gewiss, auch über den Tod hinaus. Das ändert allerdings nichts daran, dass er wohl die bedeutendste Persönlichkeit seiner Zeit in Wolfstein war.

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