Hamburg / Erlenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Neue CD von Marcel Gein: „Good Morning Erlenbach“

Poppige Sounds und Texte, die zum Nachdenken anregen wollen: Daraus hat Marcel Gein eine CD gemacht.
Poppige Sounds und Texte, die zum Nachdenken anregen wollen: Daraus hat Marcel Gein eine CD gemacht.

Marcel Gein aus Erlenbach ging für ein Praktikum nach Hamburg und blieb im Norden hängen. Mit seiner neuen CD sendet er jetzt einen musikalischen Gruß an seine südpfälzische Heimat: „Good Morning Erlenbach“. Angst vor großen Vorbildern zeigt er dabei nicht.

Dass Marcel Geins neue Scheibe wie sein bisheriger musikalischer Output bei Tapete Records erschienen ist, ist kein Zufall. Als Student der Kommunikationswissenschaften in Mannheim sollte er ein Praktikum absolvieren. Der Südpfälzer bewarb sich bei der Plattenfirma von Gunther Buskies, und dem Chef und Gründer gefiel er wohl so gut, dass der ihn gleich fest eingestellt hat als Mitarbeiter und Musiker. So hat es den 33-Jährigen also nach Hamburg verschlagen.

Schon die EP „Fassade“ und die Langspielplatte „Passanten“ hat Marcel Gein bei Tapete veröffentlicht. Stilistisch fährt er zweigleisig. Unter eigenem Namen nimmt er deutschsprachige Singer-Songwriter-Musik auf und unter dem Pseudonym Perry O’Parsons macht er Folk, darunter schon drei viel gelobte Longplayer in Englisch: „In Our Time of Need“, „Borderline & Field“ und „Bad Harvest“.

Einige bekannte Musiker haben mitgewirkt

An Hilfe von Freunden hat es Gein nicht gemangelt bei der Produktion seines „Erlenbach“-Albums. Die Beziehung zu Tapete Records ist Gein gleich mehrfach zugute gekommen. Sogar Buskies, selbst Keyboarder bei der Gruppe Die Liga der Gewöhnlichen Gentlemen, ist bei einem von zwölf Songs des Albums als Saxofonist zu hören: „Northgate Petro“. Die Idee zum Titel der Scheibe stammt von Carsten Friedrichs, der als Gitarrist und Sänger bei den Gewöhnlichen Gentlemen mitmischt.

Und bei „Chance“, einem der interessantesten Stücke des Longplayers, singt der in Landau geborene Erlenbacher ein Duett mit Andreas Dorau, der ebenfalls auf der Künstlerliste des Labels steht. Dorau, der in der Hoch-Zeit der Neuen Deutschen Welle mit der Nummer „Fred vom Jupiter“ erfolgreich war, hat auch den Kontakt zu Produzent Olaf Opal (Juli, Liquido, Klee) hergestellt, der für „Good Morning Erlenbach“ das Mixing übernahm. Das anschließende Mastering lag in Händen von Kai Blankenberg, der für Lady Gaga, Die Toten Hosen, Silbermond und Udo Lindenberg gearbeitet hat.

Jugendfreund Julian Bätz mit von der Partie

Und dann gibt es noch Julian Bätz, den Jugendfreund Geins, Szenekennern unter dem Namen Helmet Lampshade ein Begriff und in Winden aufgewachsen. Er hat bei der Programmierung des Drumcomputers und beim Erstellen diverser Ambient-Sounds mitgearbeitet.

Seit Bätz und Gein 14 Jahre alt waren, machen sie musikalisch gemeinsame Sache. Zusammen haben sie die LP „The Joyless Sound Of Happiness“ auf den Markt gebracht. An ihr hat auch der amerikanische Sänger und Gitarrist Rocky Votolato mitgewirkt, der jetzt ebenfalls auf „Good Morning Erlenbach“ als Backgroundsänger bei „Ich verkaufe alles“ zu hören ist.

Nächtelang im Keller der Eltern getüftelt

Vor vier Jahren hat Gein angefangen, Songs für seine CD zu schreiben, erzählt er. Mit Bätz habe er von da an nächtelang im Heimstudio im Keller seiner Eltern in Erlenbach an den Kompositionen getüftelt und an den Texten gefeilt. Die seien für ihn nämlich genauso wichtig wie die Musik. Er möchte Geschichten erzählen, deren Kern auf tatsächlichen Ereignissen beruht, die aber von ihm künstlerisch so umgesetzt werden, dass sie dem Zuhörer möglichst viel Raum für eigene Interpretationen lassen.

„Chance“ ist so ein Song. Inspiriert hat Gein hier die Nachricht, dass sich der Mars-Rover „Opportunity“ nach einem Sandsturm mit der Meldung „My battery is low and it’s getting cold“ (Meine Batterie ist schwach und es wird kalt) von der NASA verabschiedet und seine Tätigkeit auf dem roten Planeten nach 14 Jahren eingestellt hat. In Geins Text heißt es nun: „Ich wähle meine Richtung, so wie es euch gefällt, wie ein Wanderer im Wind auf einer anderen Welt. Ich bin weder eine Chance, noch bin ich ein Problem. Ich bin eigentlich nur viel zu viel zu lange unterwegs. Hier ist so ziemlich alles öde, als hätte es gebrannt. Wahrscheinlich gab es hier mal Wasser, jetzt nur noch Sand.“

Inspiration bei Arlo Guthrie

Es ist Marcel Gein ein Bedürfnis, zum Nachdenken anzuregen, ohne dabei Lösungen vorzugeben. Seine Lyrik verpackt er in sehr eingängige, poppige Sounds, die mit seinem Alter Ego Perry O’Parsons nichts gemein haben. Mit dem von Steve Goodman geschriebenen Hit „City of New Orleans“ und der darin vorkommenden Zeile „Good Morning America“ hat 1972 der Musiker Arlo Guthrie mit damals 210 Millionen. Landsleuten weltweit den neuen Tag begrüßt.

Umso mehr Respekt hat nun Marcel Gein verdient, der in Erlenbach auf gerade mal etwas mehr als 700 Einwohner als Fans zählen kann, doch mit sehr viel Leidenschaft und Selbstbewusstsein in den Tag startet.

Hörprobe

Marcel Gein: „Good Morning Erlenbach“, LP als CD oder Vinyl-LP ab 4. Dezember im Handel und als Download bei allen Portalen und über die Homepage des Künstlers unter.

Cover von Marcel Geins Album „Good Morning Erlenbach“.
Cover von Marcel Geins Album »Good Morning Erlenbach«.
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