Rheinpfalz Naturmassaker oder Notwendigkeit?

Durch die Fällarbeiten am Mühlköpfchen sollten Gefahrenpunkte beseitigt werden. Durch das eingesetzte schwere Gerät seien aber e
Durch die Fällarbeiten am Mühlköpfchen sollten Gefahrenpunkte beseitigt werden. Durch das eingesetzte schwere Gerät seien aber erst Recht Gefahrenstellen wie tiefe Rillen auf dem Grundstück und Baumstümpfe entstanden, sagen Kritiker der Maßnahme.

«WALDFISCHBACH-BURGALBEN.» Die Bronzetafel am Sandstein am Mühlköpfchen weist das kleine Waldstück nahe dem Sportplatz im Ortsteil Waldfischbach als Aussichtspunkt Schillerruhe aus. Mit der Ruhe ist es aktuell vorbei. Die Baumfällarbeiten in Waldfischbach-Burgalben, vor allem am Mühlköpfchen, wo zehn Bäume gefällt wurden, bewegen einige Gemüter. Waren diese Fällarbeiten notwendig und wurden sie korrekt vorgenommen, darüber wird diskutiert.

Die Maßnahmen am Mühlköpfchen, aber auch im Alten Park gegenüber der Verbandsgemeindeverwaltung oder in der Hirtenstraße seien aus unterschiedlichen Gründen notwendig gewesen, erläutert Bürgermeisterin Anna Silvia Henne. „Für mich steht fest, hier wurde Vandalismus betrieben“, ärgert sich Frank Kaufmann über die Fällaktion am Mühlköpfchen. Aus seiner Sicht, „und ich spreche hier stellvertretend auch für andere Bürger“, erklärt er, sei die Maßnahme absolut nicht notwendig gewesen. Selbst wenn sie notwendig gewesen sei, „dann ist absolut nicht nachvollziehbar, wie hier gearbeitet wurde. Für mich ist das ein Massaker an der Natur“. Kaufmann ärgert, dass gesunde Bäume gefällt wurden, die das Bild des schattigen Waldstückchens geprägt hätten, dass Lebensraum für Tiere zerstört worden sei. Und ihn ärgert, dass mit schwerem Gerät gearbeitet wurde. Es werde darauf hingewiesen, dass die Bäume aus Sicherheitsgründen hätten gefällt werden müssen, „aber bei den Arbeiten wurde der Bereich nicht abgesperrt. Wo bleibt da die Sicherheit? Auch jetzt ist das Mühlköpfchen zugänglich und durch die hoch stehenden Wurzelreste, die tiefen Rillen hat man Gefahrenpunkte geschaffen für die Menschen, die hierherkommen. Vor allem für Kinder, die hier spielen“, kritisiert Kaufmann. Ihn wundere auch, dass zunächst ein großer Baum mit 1,10 Meter Stammdurchmesser unweit des höchsten Punkts des Mühlköpfchens gefällt und abtransportiert wurde und erst am zweiten Tag die Douglasien, die beispielsweise auf die Straße und das gegenüberliegende Grundstück stürzen könnten. „Aus Sicherheitsgründen hätte man doch vorne anfangen müssen. Und es stehen noch Bäume. Sind die ungefährlich?“, fragt er. „Wenn wir etwas machen, dann um die Sicherheit in einem Bereich zu erhöhen und in der Regel auch, um etwas wieder schöner zu machen“, unterstreicht Revierleiter Christoph Wagner. Das treffe auf die Maßnahme am Mühlköpfchen zu, die noch nicht beendet sei. Unter anderem wird die Linde am höchsten Punkt beobachtet, die erhebliche Schäden aufweist. „Wir werden versuchen, sie zu sanieren“, erläutert Bürgermeisterin Henne, dass nicht willkürlich gehandelt werde. Deshalb sollen am Mühlköpfchen, wo weiter durchforstet wird, wieder Bäume gepflanzt werden. Bäume, die für den Standort geeigneter sind als hohe Nadelbäume. Winterlinde oder Hainbuchen beispielsweise. Die Bäume kommen aus dem Ausgleichsfonds beim Kreis. Er beobachte die Entwicklung am Mühlköpfchen seit acht Jahren, sagt Wagner. Es habe die Gefahr bestanden, dass die Douglasien auf die bebauten Nachbargrundstücke und auf die Straße stürzen. Fünf, sechs Tonnen Gewicht wären dabei im Unglücksfall mit einem Baum aufgeschlagen. Absolut gefährlich. Das sei auch bekannt gewesen. „Aber wir können nur tätig werden, wenn wir beauftragt werden, etwas zu tun.“ Aus Sicherheitsgründen habe sie den Auftrag erteilt, bestätigt Anna Silvia Henne. Zunächst sei das Ende der Brutzeit abgewartet worden. Im Haupt- und Finanzausschuss hatte sie dann darauf hingewiesen, dass Arbeiten am Mühlköpfchen begonnen wurden und an anderen Stellen anstehen. Pflege der Grünanlagen, gerade wenn es um Sicherheitsfragen gehe, sagt Henne, sei laufendes Geschäft der Ortsgemeinde. Die Douglasien seien gesund gewesen, bestätigt Wagner. Krankheit sei auch nicht der Grund gewesen warum sie entfernt werden mussten. Ganz im Gegensatz zu der Rosskastanie im Alten Friedhof, die entfernt werden musste. „Die war fix und fertig“, sagt Wagner. Etwa 80 Prozent der Bäume im Alten Friedhof hätten einen hohen Totholzanteil, bemerkt der Förster. Auch die Nadelbäume, die im Hirtenfeld entfernt wurden, seien nicht mehr gesund gewesen. Bei den Stürmen in den vergangenen Jahren seien dort wiederholt Äste abgebrochen und hätten Schäden verursacht, die die Ortsgemeinde bezahlen musste, sagt Henne. Die Bäume am Mühlköpfchen hätten eine Gefahr für Nachbarn und Verkehrsteilnehmer dargestellt, deshalb mussten sie weg, betont Wagner. Dass auch eine gesunde Eiche im unteren Bereich gefällt werden musste, von der keine Gefahr ausgegangen sei, „das ist bedauerlich“, bemerkt er. Sie wurde gefällt, um die dahinterstehenden Douglasien gefahrlos beseitigen zu können. Theoretisch hätte man die Douglasien auch motormanuell entfernen können, bestätigt Wagner, „aber dann hätten die Kosten in keiner vernünftigen Relation mehr zur Maßnahme gestanden. Das wäre viel zu teuer geworden“, erläutert er. Dass für viele Menschen bestimmte Bäume und Orte mit Emotionen verbunden seien, verstehe sie, sagt Bürgermeisterin Henne. Aber hier gehe es um die Sicherheit. Ein Problem sei, dass in den vergangenen Jahren die Pflege der Bäume im Ort nicht ausreichend gewesen sei. Die habe dazu geführt, dass manche Schädigungen weiter fortgeschritten seien. Seit zwei Jahren würden Bäume nun regelmäßig durch Baumfachwirte kontrolliert.

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