Eisenberg Nah am Leben
Eine unbekannte Künstlerin und ein offensichtlich ungünstiger Termin so kurz vor Ostern: Das Konzert der Singer-Songwriterin Vanessa Novak im Gewölbekeller des Hofgutes Schraut auf der Battenberger Burg am Mittwochabend war äußerst schwach besucht. Vier Zuschauer waren gekommen. Schade, denn diejenigen, die auf den übrigen 36 Stühlen hätten Platz nehmen können, haben etwas verpasst.
Novak, die aus Darmstadt angereist ist, reagiert gelassen auf die Situation und präsentiert ihre Lieder so, als wäre der Saal voll. Sie taucht ihre vier Zuhörer in ein Wechselbad der Gefühle. Ihre Stücke handeln von Geschichten, wie sie wohl jeder der nicht mehr ganz jungen Besucher schon einmal erlebt hat. Erzählt werden sie von einer voluminösen Soul-Rock-Stimme, die unter die Haut geht. Dabei begleitet Novak sich auf einer Halbakustik-Gitarre mit sehr gekonntem Fingerpicking. Jeder Titel klingt ganz anders als der vorherige, mal ist es ein solider Blues, dann wieder eher ein Country- oder Folksong, mitunter wird es rockig. Sie nennt ihren Musikstil „Americana“. Die in Detroit geborene 51-Jährige ist ihrer Heimat, die sie schon im Alter von zwei Jahren verließ, als sie mit ihrer Familie nach Contwig bei Zweibrücken zog, sehr verbunden. So gehört seit dem Einzug Donald Trumps ins Weiße Haus das Lied „Motherland“ von Natalie Merchant als Protestsong zu ihrem Programm. Es gibt noch zwei, drei Covers an diesem Abend, unter anderem „Angel From Montgomery“, das John Prine 1971 geschrieben hat. Darin sinniert eine Frau in mittleren Jahren über ihr bisheriges Leben. Dass alles einer ständigen Veränderung unterworfen ist, werde ihr immer besonders deutlich, wenn sie zurückkehre an den Ort, in dem sie ihre Kindheit verbracht hat, leitet Novak zu einem der zahlreichen selbst komponierten Stücke über. Das „komische Gefühl“, das sie beim Besuch von Contwig beschleicht, beschreibt sie in „Bound To Change“. Hausherrin Beate Schraut betont, dass sie und ihr Mann den Gewölbekeller saniert und hergerichtet haben, um gerade solchen Künstlern wie Novak, die vor allem eigene Lieder vortragen, eine Plattform zu geben. Das habe sich inzwischen herumgesprochen. „Wir bekommen sehr viele Anfragen von Singer-Songwritern“, so Schraut. Auch Vanessa Novak war auf den „Keller für Kultur“ aufmerksam geworden. In „Farewell“, einem noch unveröffentlichten Lied der Musikerin, geht es um Emotionen bei Familienfesten, bei denen man am Ende wieder für lange Zeit Abschied nehmen muss. Novak erinnert sich, dass sie diesen Song mitten beim Kofferpacken für so ein Verwandtschaftstreffen geschrieben hat. Ihre Gitarre ist eine Spezialanfertigung von Joe Striebel aus Wolfratshausen, mit bunten Inlays auf dem Griffbrett und dem Kopf. Novak ist in Sachen Musik Autodidaktin, hat eine Ausbildung zur Physiotherapeutin absolviert. Schon früh habe sie Klavier gelernt, mit 14 dann begonnen, Gitarre zu spielen, erzählt sie. Seit 2006 mache sie nur noch Musik. 2008 und 2013 kamen zwei CDs heraus, im nächsten Jahr soll das dritte Album folgen. Einige Songs werden vorab als Video im Netz veröffentlicht, wie „Bright White Dress“, den sie auch spielt. Ein mitreißendes, sehr rhythmusbetontes Stück, in dem Novak sich bei der Hochzeit einer Schulkameradin fragt, warum diese schon mit 19 Jahren heiratet.