Kultur Südpfalz Musik ohne Grenzen

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Seit über 20 Jahren begeistert die Berliner Band 17 Hippies mit ihrer kosmopolitisch-expressiven, musikalischen Melange. Auf ihrer Geburtstagstournee in diesem Winter gaben sie auch ein Konzert im Tollhaus Karlsruhe, vor begeisterten, sing- und tanzfreudigen Fans.

Grenzen zwischen den einzelnen Stilen werden von der Gruppe, die eigentlich nie genau 17 Mitglieder, sondern immer etwas zwischen zwölf und über 20 Köpfe zählte, vernachlässigt und überschritten. Mittlerweile genießen die 17 Hippies mit ihrem auch schon vor 20 Jahren mutigen, kreativen Musikstil Kultstatus, sie füllen Konzertsäle in ganz Europa. „Wir wollen heute eine Reise durch zwei Jahrzehnte Bandgeschichte mit euch unternehmen, ich hoffe, die Vorfreude ist bei euch groß?“, eröffnete Sängerin und Akkordeonspielerin Kiki Sauer den Abend. Ja, sie war so stark, dass schon mit den ersten Takten das Publikum vom Rhythmus elektrisiert war, über dem Saal ein gespanntes Vibrieren, eine positiv schwingende Atmosphäre lag. Die emotionale Reise durch 20 Jahre Bandgeschichte führte kreuz und quer über den Globus, bot einmal tiefe Melancholie, dann wieder überschäumende Lebensfreude. Jeder Musiker der „Big“-Band beherrscht mehrere Instrumente, so dass der Sprung von einem polnischen Walzer zu einem Cajun-Song aus Louisiana oft nur ein kleiner Griff zu einem anderen Instrument ist. Akkordeons, Banjo, Flöten und Geigen, Gitarren, Klarinetten und Saxofon, ein Kontrabass, Posaune, Euphonium und Trompete, eine „singende“ Säge, Ukulele oder ein Schlagzeug verhalfen jedem der Stücke zu seinem besonderen eigenen Flair. Die Band hat in ihrem Repertoire reine Instrumentals, wie das Stück „In Memory of Elizabeth Reed“ oder die rasant schnellen Stücke aus Rumänien und Bulgarien. Wunderschön waren auch die Chansons, die Sängerin Kiki Sauer mit ihrer tiefen Stimme ins Mikrofon hauchte. Gänsehaut erzeugte so das französische „Ton etrangère“ oder das zweisprachige „Marlène“. Christopher Blenkinsop und Dirk Trageser holten mit ihren rauchigen Stimmen die schwüle Atmosphäre von Amerikas Süden in den Saal, fast unheimlich, morbide beschrieb der Song „Hotel Cazane“ aus dem Jahr 2004 eine Reise der Band dorthin. Immer wieder erzählten Musiker kurze Anekdoten zu den Stücken, wie zu „Blumen im Glas“, das die Band bei der Beerdigung eines Fans spielte. Kein menschliches Gefühl ist den Musikern fremd, sie lassen ein Akkordeon und eine Geige das Gefühl des Abschieds in „Deine Tränen“ hörbar werden, schilderten den Alltag in einer Stadt in „Frau von Ungefähr“. Pop, Jazz, Rock, ein deutsches Volkslied, alles wird handwerklich perfekt verknüpft, gewürzt mit der besonderen Mischung der 17 Hippies und auf akustischen Instrumenten authentisch, locker und meisterhaft wiedergegeben. Das Publikum im Karlsruher Tollhaus ließ sich bereitwillig in das Meer von Melodien sinken, ließ sich von den Wellen tragen und sang voller Hingabe mit, als es dazu animiert wurde. Zweimal mussten die Künstler für Zugaben auf die Bühne zurückkommen, so dass das Geburtstagskind seine Gäste mit 20 Stücken beschenkte. Sich selbst beschenkten die 17 Hippies mit dem Jubiläums-Best-of-Album „Anatomy & Metamorphosis“ und verdient vollen Häusern während ihrer Tournee. (bic)

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