Kultur Südpfalz
Multi-Kulti-Band Bukahara spielt im März im Karlsruher Tollhaus
Ziemlich oft war Weltmusik im vergangenen Jahrzehnt das Synonym für wilde Tanzmucke, meist mit Balkan-Rhythmen und mit Blasinstrumenten. Hört man sich aber die drei schon erschienenen Platten von Bukahara an, dann findet man viel mehr. Offenbar geht es den vier Musikern nicht in erster Linie um schnelle Partymucke. Tatsächlich gibt es eine Menge Stücke, die mehr Zeit lassen, Klang und Instrumente zu genießen, auf Texte zu hören.
„Dass wir zusammen Musik machen, war keine bewusste Entscheidung, nicht mal eine musikalische“, sagt Ahmed Eid, der Bass und verschiedene orientalische Trommeln spielt. Getroffen haben sich die vier beim Rauchen vor der Tür während ihres Studiums an der Musikhochschule Köln. Das war 2009. Zusammen spielten sie auf Partys, in Bars und auf der Straße. Richtig geprobt wurde kaum. „Unsere Stücke entwickeln sich, je öfter wir sie zusammen spielen“, sagt Eid.
„Sind nicht das typische Musikstudentenprojekt“
Er stammt aus Ramallah und kam mit 19 Jahren nach Deutschland, um Kontrabass zu studieren. Daniel Avi Schneider stammt aus einer jüdisch-schweizerischen Familie und spielt Geige und Mandoline. Gitarre und Leadgesang übernimmt Soufian Zoghlami, Max von Einem spielt Posaune, er kam als Vierter dazu, die anderen drei waren schon als Trio unterwegs.
„Wir sind nicht das typische Musikstudentenprojekt, bei dem vorher genau überlegt wird, wen man mit welchem Instrument anspricht“, sagt Schneider. „Dann hatten wir plötzlich einen Posaunisten, weil der eben unser Freund geworden war“, erklärt er. Und das Schlagzeug, das andere dem Trio eigentlich empfohlen hatten, das teilt das Quartett unter sich auf. Zoghlami tritt eine Bassdrum, von Einem schlägt eine Snare, und Eid trommelt auch mal auf einer Darbuka.
Palästinenser und Jude gemeinsam auf Bühne
Die Freude am Experimentieren hört man auch auf dem dritten Album, „Phantasma“, das 2017 erschienen ist. Und wie passen die ganzen Einflüsse zusammen? Was bedeutet es, dass ein Palästinenser und ein Jude gemeinsam in dieser Band auf der Bühne stehen? „Wir sind kein Friedensprojekt. Wir machen einfach nur Musik“, sagt Eid dazu. Keiner habe die Idee gehabt, eine Band zu gründen, um die Welt zu retten.
Diese ganz entspannte Art von gemeinsamer Musik ist angenehm zu hören. Die Selbstverständlichkeit, mit der die verschiedenen Klänge, Instrumente und Spielweisen zusammenkommen, könnte ohne jede Absicht inspirierend für unser Zusammenleben sein. Was „Bukahara“ heißt? Das weiß niemand. Aber es klingt gut und macht neugierig auf eine Band, die zu entdecken sich lohnt.