Kultur Südpfalz Mord in Maikammer

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Neustadt/Edenkoben. Viele Regionalkrimis haben, sind wir ehrlich, außer ein bisschen Lokalkolorit kaum etwas zu bieten. Ein positives Gegenbeispiel ist „Ärger für Gerber“, das im Neustadter Agiro-Verlag erschienene Krimidebüt des Edenkobeners Uwe Löhmann. Es offeriert Kennern Neustadts und der Pfalz ebenfalls etliche Aha-Effekte, besticht darüber hinaus aber durch flotte Schreibe, spannende Handlung und einen Helden, den man schnell ins Herz schließt.

Der Held heißt Manni Gerber und hält sich in Neustadt mehr schlecht als recht als Privatdetektiv über Wasser. Doch dann erhält er den lukrativ dotierten Auftrag, den Mord an einer minderjährigen rumänischen Prostituierten in einem Maikammerer Hotel aufzuklären. Wobei aufklären vielleicht nicht das rechte Wort ist, denn es geht vor allem darum, die an der Sex-Orgie beteiligte Unternehmer-Clique aus der Sache herauszuhalten. Je mehr Gerber sich in den Fall einarbeitet, desto tiefer landet er in einem Morast aus Lug und Trug, bei dem die Neustadter High Society kein allzu gutes Bild abgibt. Und irgendwann ist dann auch sein wenig sympathischer Auftraggeber tot, und Gerber gerät selbst in Verdacht. Uwe Löhmann ist als Krimi-Autor ein Spätberufener. „Ärger für Gerber“ ist sein erster Roman. Davor hat der 61-Jährige, der als freier Übersetzer in Edenkoben lebt und arbeitet, nur zwei Krimi-Kurzgeschichten in den Anthologien „Slevogts Tod“ und „Das Morden ist des Winzers Lust“ veröffentlicht, die ebenfalls im Agiro-Verlag erschienen. Manni Gerber konnte man dabei schon in der Geschichte „Slevogts Tod“ begegnen. Diese bildet jetzt auch den Prolog im neuen Buch, der auf köstliche Weise erzählt, wie Gerber seinen Job bei einem privaten Sicherheitsunternehmen verliert, weil er bei einem Auftrag bei einer versnobten Millionärsgattin in Diedesfeld im entscheidenden Moment den Mund nicht halten kann. „Diese Figur sagt mir zu“, begründet Löhmann, dass er sich quasi selbst beklaut. Aber man kann als Leser die Entscheidung nur begrüßen, denn dieser etwas verlotterte Ermittler, der ständig in Geldnöten steckt, gerne dem Alkohol zuspricht, aber das Herz am rechten Fleck hat, ist einfach sympathisch. Und weil er sich mit Leidenschaft der regionalen Gastronomie widmet, gibt es häufige Déjà-vues mit ortsbekannten Lokalen wie dem „Konfetti“, dem „La Macchina“ oder „Hervés Crêperie“. Das aber ist, wie gesagt, nicht per se ein Qualitätsmerkmal. Hier ließen sich stattdessen die knackigen Dialoge, die treffende Sprache (nur ganz gelegentlich tritt Gerber gegenüber Frauen vielleicht einen Deut zu altväterlich auf), die Figurenzeichnung ohne Schnickschnack und der variantenreiche Plot anführen. Man merkt, dass hier ein Profi am Werk war, denn auch wenn Löhmann mit diesem Buch seinen ersten Roman vorlegt, verfügt er doch als literarischer Übersetzer über einschlägige Erfahrung im Umgang mit Sprache. Der gebürtige Frankfurter, der vor allem Comics aus dem franko-belgischen Raum für Verlage wie Ehapa oder Mosaik übersetzt, kennt auch die Buchbranche gut: 1985 gründete er zusammen mit Steffen Boiselle in Ludwigshafen den Boiselle & Löhmann-Verlag, den Vorläufer des heutigen Agiro-Verlags. Deutlich ist dem Buch auch anzumerken, dass es am Vorbild großer angloamerikanischer oder französischer Kriminalromane geschult ist. Von Ken Bruen zum Beispiel, der im Roman quasi als Hommage sogar einmal erwähnt wird, stammt das Motiv, dass der Detektiv sein Büro in einer Kneipe aufschlägt. Und auch dass er das Genre durchaus analytisch zu durchleuchten versteht, zeigt Löhmann im Gespräch. „Privatdetektive haben es als Krimihelden in Deutschland viel schwerer als Kommissare“, hat er herausgefunden. Man könnte eine ganze Mentalitäts- und Sozialgeschichte der Deutschen auf diesem Satz aufbauen – und hoffen, dass die Leser in diesem Fall vielleicht doch eine Ausnahme machen. „Ärger für Gerber“, ein Buch, das trotz schauriger Abgründe viel Spaß bereitet, hätte es verdient. Lesezeichen Uwe Löhmann: Ärger für Gerber. Ein Pfalz-Krimi. Agiro-Verlag, Hardcover, 168 Seiten, 12,90 Euro.

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