Kultur Südpfalz „Mitmachaktionen immer ein Abenteuer“
Das ist eine schöne Frage. Aber das Krabbelkonzert ist nicht nur aufs Krabbeln beschränkt. Ganz wichtig dabei ist mir, dieses staunende Lauschen bei den Kleinen hervorzurufen. Das können die Kinder so wunderbar. Wenn sie Musik hören, sind sie mit ihrem ganzen Körper dabei. Die Musik bewegt in ihnen etwas. Was genau beobachten Sie bei den Kindern? Das ist verschieden. Denn jedes Kind reagiert anders. Die Kleinsten beginnen, mit Händen und Füßen zu zappeln. Größere springen auf und tanzen. Andere wiederum lauschen still. Neulich fand ein kleiner Junge aus meiner Kleinkindgruppe alles andere im Raum spannender als die Musik. Als ich die Klangschale erklingen ließ, kam er plötzlich angerannt und war mit einem begeisterten „Oh“ mitten unter uns. Was hat sie zu der außergewöhnlichen Konzertreihe inspiriert? An der Staatsphilharmonie Ludwigshafen, wo ich auch arbeite, gibt es Krabbelkonzerte schon seit vielen Jahren. Für mich ausschlaggebend war aber ein Konzert für Babys in München. Das habe ich zusammen mit meinem Enkelkind besucht. Das Staunen der Kinder, das ich dort erlebt habe, hat mich sehr fasziniert. Und, dass auch die Erwachsenen zusammen mit ihren Kindern wieder das Staunen gefunden haben. Ich dachte, so etwas müssen wir in Landau auch machen. Dann tun Sie mit dem Konzert auch Erwachsenen etwas Gutes? Ganz genau. Ich habe damals selbst erlebt, wie ich zur Ruhe gekommen bin. Plötzlich war ich wieder ganz im Jetzt. Ich habe mich von der Freude der Kinder und ihrem unmittelbaren Erleben der Musik anstecken lassen. Habe gestaunt, wie sie das Erlebte wahrnehmen, und welche Impulse die Musik bei ihnen freisetzt. Gerade in unserer schnelllebigen Zeit, in der man mit den Gedanken immer woanders ist und von dem, was man tut, immer nur die Hälfte bewusst wahrnimmt, war das eine tolle Erfahrung. Für alle Krabbel-Neulinge – wie läuft ein solches Konzert ab? Gespielt und gesungen wird ohne Mikrofon. Die Musiker stehen auf keiner Bühne, sie bewegen sich teilweise im Raum. Sie treten in Kontakt mit den Kindern. Umgekehrt können auch die Kinder auf die Musiker zugehen. Werden die Kleinen eingebunden? In erster Linie möchten wir die Kinder dazu anregen, der Musik zu lauschen. Aber sie dürfen auch mitmachen. Es wird spezielle Anstöße dazu geben. Zum Beispiel zum Tanzen. Vielleicht werden wir auch Tücher oder Rhythmusinstrumente verteilen. Und am Ende tobt der ganze Saal? Zugegeben, Mitmachaktionen sind immer ein Abenteuer. Man weiß nie, wie die Kinder reagieren. Auch für mich ist es das erste Mal, dass ich ein Krabbelkonzert moderiere. Als erfahrene Musikpädagogin vertraue ich auf meine Intuition und auf die Kraft zur Improvisation der Musiker. Aber auch auf die Präsenz der Eltern. Warum haben Sie gerade das Landauer Duo Sonsuave für das Konzert ausgesucht? Wir wollten in erster Linie auf Musiker zurückgreifen, die in unserer Musikschule tätig sind. Man kennt sich, ist miteinander vertraut. Und einige von unseren Musikern ließen sich spontan dafür begeistern. Welche Musik erwartet die Besucher? Das Duo Sonsuave spielt rhythmische Instrumentalstücke und Lieder. Es kommen verschiedene Flöten zum Einsatz und Gitarren. Dabei wandern die beiden Musiker mit uns durch verschiedene Ländern und Kulturen. Zum Beispiel ... Sie spielen Klezmer, eine Volksmusik der Juden, mit seinen fetzigen Tänzen und gefühlvollen Liebesliedern. Sie werden auch Irish Folk und Gibsy Swing spielen. Und sie interpretieren das Lied „Kinder (Sind so kleine Hände)“ der Liedermacherin Bettina Wegner. Das passt so schön zu diesem Anlass. Termin —Das Haus am Westbahnhof lädt für 20. Januar, um 16 Uhr, zu seinem ersten Krabbelkonzert ein. Die Konzertreihe richtet sich an Kinder ab null Jahren sowie an Eltern, Großeltern und andere Begleiter. Moderiert wird der Nachmittag von Maya Woelm. Christiane Schalk und Frank Reifenstahl, bekannt als Duo Sonsuave, sorgen für die Musik. Teilnehmer sollen eine Krabbeldecke und rutschfeste Hausschuhe oder Socken mitbringen. —Der Eintritt kostet für Erwachsene elf Euro, für Familien (zwei Erwachsene) 18 Euro. Die Kinder haben freien Eintritt. —Informationen im Netz unter www.hausamwestbahnhof.de | Interview: Barbara Swojanowsky