Rheinpfalz Mit Ochs’ und Esel zur neuen Aufgabe
Am Sonntag hat die Pfarrei Heiliger Wendelinus Trulben in der Herz Jesu Kirche Niedersimten ihren Kooperator, den aus Hauenstein stammenden Pfarrer Christof Anselmann, verabschiedet. Nach sechs Jahren verlässt der „busfahrende Pfarrer“ die Gemeinde. Zum 1. August wurde er von Bischof Karl-Heinz Wiesemann zum Leiter der Pfarrei Lauterecken bestellt. Er ist dann einziger Priester in einem dreiköpfigen Team, das für 37 Orte und Gehöfte zuständig ist.
Der Leiter der Pfarrei, Pfarrer Walter Augustin Stephan aus Trulben, erinnerte daran, dass Anselmann vor sechs Jahren nach seiner Kaplanzeit aus St. Ingbert gekommen sei, um ihm als Kooperator zur Seite zu stehen. In der Pfarrei mit ihren zehn Gemeinden habe Anselmann nicht nur durch die Verkündigung des Evangeliums und die Feier der Messen gewirkt. Er war bei der Jugend engagiert, der Taufe Erwachsener und in der Arbeit der Kindertagesstätten. Auf ihn gehe die Bildung der Kleiderstube Niedersimten und die Flüchtlingshilfe der Pfarrei zurück. Darüber hinaus sei Anselmann wegen seiner technischen Fähigkeiten gefragt gewesen. Nun gelte es, Gott zu bitten, dass er Anselmann in seinem neuen Amt und weiteren priesterlichen Wirken begleite und stärke. In seiner Predigt versicherte Anselmann, dass er liebend gerne geblieben wäre. Doch als jüngerer Priester trete er die Stelle eines altersbedingt ausscheidenden Pfarrers in Lauterecken an. Er bat die Gemeinde, auch nach seinem Wechsel für ihn zu beten, dass er seine neue Aufgabe stemmen könne. Er habe versucht, zusammen mit dem Pastoralteam und Organisationen Prioritäten zu setzen und seine theologischen Stärken einzubringen. „Danke dafür, dass wir Familie geworden sind“, sagte Anselmann. Mehr Besucher als üblich waren zum Gottesdienst gekommen, der durch Orgelspiel und Sologesang von Richard Wex sowie dem Gesang seines von ihm geleiteten Niedersimter Kirchenchors umrahmt wurde. Zehn Gemeindemitglieder aus den unterschiedlichen Orten hatten Fürbitten vorbereitet. Im Anschluss an den Gottesdienst konnten sich die Gäste bei einem Empfang im Gemeindeheim persönlich von Anselmann verabschieden. Dabei wurde ihm sein „Wunschabschiedsgeschenk“ überreicht: ein Ochse aus Heu und Stroh. Bereits im Vorjahr hatte er zu seinem zehnjährigen Priesterjubiläum einen Esel erhalten, der ihm mehr als nur ein Maskottchen wurde. Der Ochse stehe für die Theologie und dafür, dass er fortan etwas kräftiger arbeiten müsse. Noch einmal im Bus mit Anselmann Der Vorsitzende des Gemeindeausschusses, Hermann Groh, versicherte, dass man den bundesweit wohl einzigen katholischen Pfarrer, der einen Bus fahren könne, vermissen werde. Fortan könne man ihm nicht mehr zuwinken, wenn er mit dem Bus vorbeifahre. Mit Anselmann mitfahren können die Gemeindemitglieder jedoch noch einmal: Am 18. August steuert der Pfarrer selbst den Bus zu seiner Amtseinführung nach Lauterecken. Um 12 Uhr ist Abfahrt an der Kirche in Niedersimten. Selbstredend bringt er die Mitfahrer danach wieder zurück. Verbandsbürgermeisterin Silvia Seebach dankte Anselmann für seine Arbeit. Kirchliche und politische Gemeinden hätten auch Parallelen, so Seebach. Bei all den organisatorischen Aufgaben, Konzepterstellungen und Verwaltungstätigkeiten stelle man sich oft die Frage: Wo bleibt die Arbeit mit den Menschen und Bürgern, für die man eigentlich berufen und gerufen wurde? Trotz dieser Herausforderung habe Anselmann auch seine pastoralen Ziele verfolgt. Er habe sich gesellschaftlich umstrittenen Themen wie der Flüchtlingsarbeit gewidmet und dabei ungewöhnliche Wege eingeschlagen. In Zeiten, in denen die Gesellschaft zunehmend kontur- und orientierungslos werde, sei es wichtig, dass es Menschen gibt, die Stärke zeigten und ihrer inneren Richtschnur und Überzeugung folgten – unabhängig davon, ob das von allen gelobt oder gut geheißen wird. Sie wünschte Anselmann, dass er weiterhin dieser inneren Richtschnur folge. Für die Einwohner Niedersimtens bedankte sich der noch amtierende Ortsvorsteher Kurt Sennewald für die seelsorgerische Arbeit und dafür, dass Anselmann in der Gemeinde gewohnt hat, Ansprechpartner vor Ort war.