Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Mit der Orgel hat alles angefangen, sagt Stimmenimitator Andreas Müller

Andreas Müller kommt mit seinem neuen Programm „washatterdann?“ nach Landau.
Andreas Müller kommt mit seinem neuen Programm »washatterdann?« nach Landau.

Er parodiert, politisiert, karikiert und musiziert. Jetzt ist Andreas Müller mit einer neuen Show auf Tour. Vor seinem Auftritt in Landau hat Klaudia Toussaint mit dem Comedy-Chef von SWR 3 über die Witzküche des Senders gesprochen und das echte Vorbild für Feinkost-Zipp.

Tuten Gag, Herr Müller! Für unsere Leser, die Ihre Sketche nicht kennen: Das Vertauschen von Buchstaben ist eine Ihrer Spezialitäten.
Ihnen auch einen tuten Gag.

Sind wir jetzt auf Sendung? Ich habe die Nummer vom Südwestrundfunk gewählt.
Nein, nur ich höre Sie. Ich bin im Studio der Comedy-Redaktion. Das sind zwei Büros, in denen auch produziert und geschnitten wird. Hier bauen und mischen wir unsere Sketche.

Dann sind Sie jetzt in Ihrer Witzküche?
Der Vergleich passt. Zwischen Schnellimbiss und aufwendigeren Menüs ist alles drin. Die bereite ich selbst zu oder in einem ganz kleinen Team. Das ist einzigartig in der deutschen Radiolandschaft – eine eigene Redaktion, die sich nur mit Jux und Tollerei beschäftigt. Ich arbeite quasi zum Spaß.

In Ihrem Doppeljob sind Sie einerseits lustiger Radiomoderator, andererseits gehen Sie auf Tournee, mit Bühnenprogrammen, die tagesaktuell sind. Bühnenshows anderer Comedians sind da oft weniger aktuell – wie schaffen Sie das?
Ich versuche es, aktuell zu sein. Das ist meiner alltäglichen Tätigkeit als Moderator geschuldet. Als beruflicher Nachrichtenjunkie muss man die News ständig neu beobachten und bewerten. Manchmal sind es in den Shows auch nur Versatzstücke, die ich verändere.

Fester Bestandteil Ihrer Shows ist das Imitieren von Stimmen. Kann das jeder lernen?
Ich glaube, es ist ein Stück weit eine Gabe. Man kann es nicht wirklich trainieren. Bei mir war es einfach da. Ich bin eine Musikantenseele. Ein paar Jahre Orgelunterricht zahlen sich da aus, das Spielen in diversen Bands. Das musikalische Nachahmen und Nachspielen hat sich dabei in mir festgesetzt. Ich hatte immer Spaß, an allem herumzudrücken und herumzuspielen – an Instrumenten und eben auch an meiner Stimme. Es ist mein Spieltrieb, mir eine akustische Maske aufzusetzen und andere zu imitieren und zu parodieren.

Mittlerweile gibt es künstliche Intelligenzen, die das auch können – Stimmen imitieren. Sind die eine Konkurrenz?
Nein. Die Maschine bildet den Sound nach, von Olaf Scholz etwa. Da steht noch lange nicht ein witziger Text oder eine bekloppte Idee dahinter. Es fehlt die menschliche Kreativität, der Geistesblitz, das unvorhersehbare Denken um die Ecke.

Könnten Sie meine Stimme imitieren?
Wenn Sie Bundeskanzlerin wären, käme ich nicht daran vorbei. Ich kann nicht jede Stimme treffen, weibliche sind für mich schwieriger. Annalena Baerbock könnte ich nicht imitieren. Ich könnte höchstens einzelne Worte nachmachen – zum Beispiel, wie sie immer „Spoart“ sagt und nicht Sport. Wichtig dabei ist aber auch die Frage, wie bekannt eine Stimme ist. Ob sie eine mediale Verbreitung hat. Nehmen wir den Bundestrainer Julian Nagelsmann. Der hat eine markante Stimme. Wenn ich die zehn Leuten vorspiele, sagen acht „die kenn ich nicht“.

Auf der Bühne sind Sie ein Vielredner und Schnellsprecher. Haben Sie das alles im Kopf, oder steht da ein Teleprompter?
Ich bin eine Art Heute-Show auf zwei Beinen. Ich arbeite viel mit Grafiken, Bildern, Artikeln und Ausschnitten. Dadurch habe ich eine visuelle Ebene, die mir als Leitspur dient. Das Visuelle sieht auch das Publikum auf einer Leinwand, es ist Teil der Show. Und für mich ist es hilfreich als Gedankenstütze, zu der ich meine Sprüche loswerde.

Wann entdeckten Sie Ihr komisches Talent? Hat das etwas mit dem abgebrochenen Studium der Musikwissenschaft in Karlsruhe zu tun?
Ja, das hat es. Die Wege des Herrn sind ja oft unergründlich. Ich hatte studiert, um Musikredakteur zu werden, bei damaligen SWF, der 1998 zum Südwestrundfunk wurde. Dann wurde beim SWF das Volontariat für Musikjournalisten abgeschafft. Ich hatte zu dieser Zeit bereits beim SWF hospitiert. Da war ich schon aufgefallen durch meine Instrumente und meine mehrspurige Tonbandmaschine. Damit habe ich Sketche, Parodien und Songs produziert. Ich saß in Vorlesungen über evangelische Kirchenmusik und hab dabei meine Radiobeiträge geschrieben. Da machte das Studium für mich keinen Sinn mehr. So kam ich über einen Quereinstieg in das Fach der Radio-Comedy.

In Corona waren wir alle recht einsam – live war da nicht. Hatte Radio-Comedy da höhere Einschaltquoten?
Das dachten wir auch. Im Nachgang haben wir die Nutzerzahlen angeschaut, die sind damals nicht so wahnsinnig gestiegen. Was weggebrochen war: All die Pendler – ein nicht zu vernachlässigendes Auditorium, das plötzlich stillgelegt war, weil es im Homeoffice saß. Wie alle anderen Medien waren wir zu der Zeit in der Lage weiterhin Versorger zu sein für Nachrichten – meine Redaktion hat Karl Lauterbachs coole Corona-Kniffs entwickelt.

Hat Sie der Sprung ins Fernsehen nicht gereizt?
Da bin ich mal aufgetreten, in der ARD mit der Comedyreihe Müllermax Ende der 90er. Aber ich fühle mich absolut mit dem Radio verbunden, es ist das schnellere und unkompliziertere Medium. Fernsehen, das heißt Licht und Bild und Set, da braucht es mehr Personal. Dafür ist meine Frau Heike Greis da, die beim SWR-Fernsehen Verbrauchermagazine moderiert. Wir haben uns das schön aufgeteilt: Ich bin radio-aktiv, sie ist fernseh-aktiv.

Welche Gags sind Ihre Favoriten?
Jede Zeit hat ihre Kultserien. Für mich war Feinkost-Zipp prägend, dieser verrückte Laden mit dem schreienden Personal. Der tatsächlich ein echtes Vorbild hatte: In Baden-Baden gab es einen Laden, in dem ähnlich gesprochen wurde, der Laden hieß Fitterer. Der damalige Ladenchef hat das dann professionell umgesetzt und sogar einen Feinkost-Zipp-Sekt aufgelegt hat. Und jetzt haben wir Spaß mit unseren Tier-Docs.

Die tierische Comedy mit Dr. Hart und Dr. Zart ist Teil Ihrer Show in Landau. Was erwartet uns?
Es geht um die Sorge und Nöte der hohen Tiere in der Politik. Sie zu bestimmen, welche Tierarten da so vorkommen, das ist Teil des Programms. Auch die kleinen Tiere werden vorkommen, in den Tier-Docs. Es ist schön für das Publikum, Radio-Gags zu sehen, die sie sonst immer nur hören. Und die letzte Szene der Show wird ganz tagesaktuell sein und am nächsten Tag im Radio ausgestrahlt. ous

Termin

Andreas Müller tritt mit „washatterdann?“ am Donnerstag, 6. Juni, um 19.30 Uhr in der Landauer Festhalle auf. Restkarten gibt es unter swr3service.de/tickets und roth-friends.de.

Zur Person

Andreas Müller ist seit 2007 Comedy-Chef der SWR3-Witzküche. Er wurde als Stimmenimitator von Angela Merkel, Winfried Kretschmann, Edmund Stoiber, Johann Lafer, Xavier Naidoo und Herbert Grönemeyer bekannt. Der 57-Jährige ist Autor beliebter Hörspiele wie „Die Lallers“, „Feinkost-Zipp“ oder „Jogis Jungs und die Grokos“. Müller ist mit der SWR-Fernsehmoderatorin Heike Greis verheiratet, mit der er einen gemeinsamen Sohn hat und lebt mit seiner Familie in Bühlertal in der Nähe von Baden-Baden. „washatterdann?“ ist seine vierte Solotournee.

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