Rheinpfalz Mit dem Rad auf Streife

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Mannheim. Das Thema Sicherheit gewinnt auf vielen Ebenen mehr an Bedeutung. Während die Unsicherheit der Bevölkerung im Großen wächst, will die Stadt Mannheim im Kleinen etwas tun. Der Kommunale Ordnungsdienst schickt im August und September vier Fahrrad-Kräfte auf Streife.

Nein, es sei kein Gag zum Radjubiläum im nächsten Jahr, sagt Mannheims Erster Bürgermeister Christian Specht (CDU) scherzhaft, als er das Konzept der neuen Fahrradstreife des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) vorgestellt hat. Das Programm dient nicht der körperlichen Ertüchtigung der KOD-Mitarbeiter. Die radelnden Einsatzkräfte sollen Ordnungswidrigkeiten aufdecken, am besten gleich vor Ort einschreiten, wenn beispielsweise Gehwege zugeparkt sind oder Müll achtlos auf den Boden geworfen worden ist. Damit nimmt Mannheim angeblich eine Vorreiterrolle ein. „Ich weiß nur von Köln, vielleicht Düsseldorf, wo der Ordnungsdienst mit Motorrollern unterwegs ist“, sagt Specht. Auf den Motor verzichten die Mannheimer allerdings, setzen dafür Muskelkraft mit elektrischer Hilfe ein. Insgesamt hat die Stadt dafür vier sogenannte Pedelecs angeschafft, in edlem Schwarz und mit feinen Komponenten ausgestattet. Eins davon kostet rund 2000 Euro. Die Ordnungskräfte auf dem Sattel sollen in ihren grau-gelben Trikots sehr gut zu erkennen sein. Auf dem Rücken prangt die Aufschrift „Kommunaler Ordnungsdienst“, die silbergrauen Helme tragen den Schriftzug „Polizeibehörde“. Dass der Einsatz gut zum großen Radjubiläum passt, das im nächsten Jahr in ganz Baden-Württemberg und somit auch in Mannheim groß gefeiert wird, ist nur ein Nebeneffekt. Den eigentlichen Hintergrund erklärt Specht so: „Wir können Bereiche bestreifen, die nicht mit dem Auto befahrbar sind, zu Fuß aber deutlich zu weit weg wären.“ Dazu zählen unter anderem Wald- und Feldwege oder die Strecke um die Reißinsel im Waldpark. Den Vogelstang- und den Rheinauer See will die Stadt ebenfalls auf diese Weise kontrollieren. Zudem sollen die Streifen Orte ansteuern, über die aus der Bevölkerung Beschwerden an die Stadt herangetragen werden. Einen weiteren Vorteil für dieses Konzept sieht Specht darin, dass die Einsatzkräfte direkt ansprechbar seien, was beim Streife fahren im Auto nicht unbedingt der Fall sei. Und schließlich habe das Ganze einen ökologischen Aspekt, so Specht, auch wenn der Sicherheitsaspekt im Vordergrund stehe. Zwei Doppelstreifen schwingen sich künftig von Montag bis Samstag auf ihre Pedelecs, sofern das Wetter mitspielt. August und September sind die Testmonate, dann soll Bilanz gezogen werden. An sich soll der ordnungsdienstliche E-Bike-Betrieb eher in den Sommermonaten stattfinden. Die Idee zur Pedelec-Streife entstand, nachdem sich die Verwaltungsmitarbeiter angeschaut hatten, wie sich Beschwerden in den Sommer- und Wintermonaten unterscheiden. In den heißen Monaten monieren Bürger oft wildes Grillen oder nächtliche Ruhestörungen. „Da kam es dann schon vor, dass eine Beschwerde erst innerhalb von zwei Stunden abgearbeitet werden konnte“, sagt Bürgermeister Specht. Mit den Rädern, mit denen man ohne Weiteres bis zu 25 Stundenkilometer erreicht, könnte das nun schneller gehen. Zudem sei der Aktionsradius der Radstreife höher als der einer Fußstreife. Specht kündigt zudem erweiterte Kontrollzeiten des KOD an, der – ebenfalls als Test – ab dem 1. August bis Ende September nicht mehr nur bis Mitternacht, sondern bis 2 Uhr nachts unterwegs sein wird – außer sonntags (wir berichteten). „In der Vergangenheit gab es immer wieder Beschwerden über Störungen, insbesondere Lärmbeschwerden, zu Zeiten, in denen der KOD bislang nicht im Einsatz ist. Mit der längeren Präsenz unserer Mitarbeiter möchten wir dem entgegenwirken, so dass die Bürger zu ihrer wohlverdienten Nachtruhe kommen“, erklärt Specht. Darüber hinaus bezieht eine Standstreife am Paradeplatz Stellung. Sie soll in erster Linie etwas gegen die Trinkerszene tun, die sich dort gebildet hat.

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