Mannheim
Andi Fischer im Kunstverein: Tada!
Großformatige Kakadus, Papageien und Tiger werden angeschleppt. Vor der Eröffnung lässt es sich „Andi“, wie er seine Bilder schlicht betitelt, nicht nehmen, selbst beim Aufbau an der Augustaanlage dabei zu sein und mit anzupacken. „Ich mag es, aus dem Studio zu kommen, ich fertige auch die Leinwände immer selbst an“, sagt der Künstler, der mit Öl-Sticks, also Ölpastellkreide arbeitet.
„Wasser erspäht“ heißt eines seiner Gemälde mit einem Einsiedlerkrebs, der auf einen Klecks Wasser zusteuert. „Verhältnis leicht angespannt“ ein Werk mit Leguan und Zitrone. Das kräftige Echsengrün und das quietschende Gelb erinnern an naive Malerei. An Henri Rousseaus Dschungelwesen, aber auch an Tier-Gestalten, die Kinder mit viel Filzstift und noch mehr Fantasie zeichnen. An gekritzelte Werke, die Eltern sich stolz an den Kühlschrank kleben.
Die Fruchte des Flunkerns
Genau damit spielt Andi Fischer. Die Farben strahlen, Wolken oder Wasserfarbkleckse sind nicht ganz ausgemalt. Die Figuren sind zackig, die Titel humorvoll und voller Ironie. Viele der Motive kehren wieder und füllen sich mit neuen Kontexten. Eine Schlange windet sich nicht um einen biblischen Apfel, sondern um eine saure Zitrone. Kein Baum der Erkenntnis, sondern eine Frucht des Flunkerns?
Der Titel der Schau – „Ta Ta – ER LÜGT“ – jedenfalls klingt wie die Auflösung eines Zaubers. „Viele meiner Werke fangen mit Tata! an“, sagt Fischer und wedelt dabei mit den Händen. Dazu muss man kurz einhaken, dass er aus Franken stammt, also „Tada“ meint. Der lautmalerische, trompetengleiche Ausruf, der eine gelungene Überraschung präsentiert. Etwa: „Ta daaa: Mein Zimmer ist aufgeräumt!“ Nur kehrt Fischer diese Erwartung natürlich um: „Wir leben in Zeiten, in denen es um richtig und falsch geht, jeder will Recht haben, da fand ich es mal witzig voranzustellen, dass jemand offen gesteht: Er lügt!“, erklärt Fischer.
Auf Magrittes Spuren
In der Kunst ist das Spiel mit der Wahrheit ja Pflicht. Schon René Magritte sagte: Das ist keine Pfeife! Beim Anblick eines Abbilds einer Pfeife. Bei Andi Fischers Bildern dürfe man sich gerne auf Fehlersuche begeben. Sind die Bleistift-Skizzen zuvor oder erst nachträglich entstanden? Stimmen Werk und Titel auch wirklich überein? Manchmal, wie bei einem Gemälde mit Hammerhai, ist sich der Künstler selbst nicht sicher.
Inspiriert sind die Gemälde von der Naturforscherin und Künstlerin Maria Sibylla Merian (1647-1717), die in den Surinam und nach Südamerika reiste und von Insekten bis Papageien detailgetreue Naturillustrationen anfertigte. Fischers Werke haben nicht diesen Anspruch auf anatomische und biologische Korrektheit. Im Gegenteil scheinen seine Bilder fast zu schreien: Ich bin kein Papagei! Oder: Ich bin kein gelber Wolf, sondern ein Tiger, schau doch mal hin!
Internationale Ausstellungen
Was „Andi“ vor allem will: eine Ehrlichkeit, eine leuchtende Leichtigkeit, einen einfachen Zugang zur Kunst erzeugen. In Nürnberg aufgewachsen, deutete zunächst nichts auf eine Maler-Karriere hin. Fischer wurde Kfz-Mechaniker, schraubte an Autos und kritzelte nur für sich. Bis seine damalige Freundin sein Talent entdeckte und er in Berlin sein Glück (ver)suchte. Er holte das Abitur nach, studierte an der Kunstakademie, erhielt ein Stipendium und konnte schließlich ein Atelier am Treptower Park eröffnen.
Inzwischen malt Fischer auch Landschaftsbilder, inspiriert von Bretagne-Aufenthalten, die eigentlich der künstlerischen Pause dienen sollten. Er arbeitet mit Holzskulpturen und hat Ausstellungen auf der ganzen Welt. Sein Malen selbst sei sehr performativ, mit Gestus und Geschwindigkeit. „Ölkreide ist wie ein verlängerter Arm, man kann alles sehr direkt umsetzen, darf aber keinen Fehler machen. Übermalen gibt es bei mir nicht und auch keine Zwischentöne oder Mischfarben“, verrät er. Das Einfache aber hat er sich bewahrt: „Jede Strich soll nachvollziehbar sein, jeder Fleck steht für sich“, möchte er bewusst ein „Ach, das könnte ich auch“-Gefühl und eine „Leichtherzigkeit“ erzeugen. Ganz ehrlich.
Die Ausstellung
Andi Fischer: „Ta Ta – ER LÜGT“, bis Sonntag, 19. Juli, im Mannheimer Kunstverein, Augustaanlage 58. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 12-17, Mittwoch 14-19 Uhr. Finissage ist am Sonntag, 19. Juli ab 12 Uhr, mit Sommerfest ab 15 Uhr.