Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Schlager-Revue auf der Freilichtbühne

Da werden Erinnerungen an die „ZDF-Hitparade“ wach: Szene aus „Schlager, Stars und Deutsche Welle“.
Da werden Erinnerungen an die »ZDF-Hitparade« wach: Szene aus »Schlager, Stars und Deutsche Welle«.

Die traditionsreiche Freilichtbühne Mannheim hat ihre Sommersaison mit der Musikkomödie „Schlager, Stars und Deutsche Welle“ eröffnet. Der Name ist Programm.

„Schlager lügen nicht“ hieß vor zwei Jahren der musikalische Vorgänger, der die Mannheimer Familie Spengler auf Deutschlands Lieblingsinsel Mallorca und dort mitten in eine TV-Aufzeichnung der „Schlagerparade“ entsandte. Rund um die großen westdeutschen Hits der 1970er-Jahre, von „Ein bisschen Spaß muss sein“ bis „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“, rankte sich die schmale Story von Thomas Schiffmann, der mit „Schlager, Stars und Deutsche Welle“ nun genau dort anknüpft, wo er hier aufgehört hat.

Jetzt sind die Spenglers, Doro (Elisabeth Adelmann), Mutter Maria (Sabrina Petschi) und Vater Richard, in den 1980er-Jahren angekommen. Sven Wilhelmi, der ihn spielt, ist leider kein gleichwertiger Ersatz für Dominik Kobel, seinen Vorgänger in dieser Rolle, der nun das Regieduo Anja Adelmann und Michael Knapp zum Trio erweitert. Zu steif und zu sehr bemüht, deutlichst zu artikulieren, ist Wilhelmi zumindest noch bei der Premiere. Soeben hat er allerneueste Unterhaltungselektronik erworben: einen Videorekorder, mit dem er künftig Sportsendungen und Tochter Doro die quotenstarke US-Serie „Dallas“ aufnehmen kann. „Betamax“, versteht sich, weil: „Das VHS-System wird sich nie im Leben durchsetzen.“ In der Realität ist es damals bald anders gekommen.

Rolli König und Herbert P.

Mehr noch als an „Dallas“ hängt Doro offenbar an der „Deutschen Schlagerparade“, einer einerseits fiktiven Musiksendung, die andererseits deutlich an die „ZDF-Hitparade“ angelehnt ist. Die gelernte Friseurin beginnt ein Praktikum in den Studios der Berliner Union-Film, um dort schließlich als Maskenbildnerin anzukommen. Dabei steckt die „Schlagerparade“ gerade im Umbruch: Die Neue Deutsche Welle rollt an sowie die Umstellung von Halb-Playback auf Vollplayback, mit Interpreten, die nur noch ihre Lippen bewegen und im Studio nicht mehr live singen.

Auf der Freilichtbühne in der Mannheimer Gartenstadt ist das glücklicherweise noch anders. Da kommt zwar die Musik von der Festplatte, aber gesungen wird noch ganz echt. Tina, Rolli König oder Herbert P. heißen die Interpreten hier, die natürlich für Nena, Roland Kaiser oder Hubert Kah stehen. Nicht nur sie stimmen ihre bekanntesten Songs an, sondern auch große Teile des Publikums, das sehr gerne mitgeht.

20 Songs in zweieinhalb Stunden

Von herkömmlichen Schlagern wie Kaisers „Santa Maria“ oder „Ohne dich (schlaf’ ich heut’ Nacht nicht ein)“ von der Münchener Freiheit bis zu den erfolgreichsten Titeln der um 1979 gestarteten Neuen Deutschen Welle wie dem minimalistischen „Da Da Da“ oder Nenas „Nur geträumt“. Bei „Skandal im Sperrbezirk“ von der Spider Murphy Gang zeichnet sich besonders Hannah Fanslau als Sängerin aus. Bei „Über sieben Brücken musst du gehn“ und „99 Luftballons“ findet die Stimmung ihren Höhepunkt.

Schiffmanns Story drumherum ist im Grunde nur ein Vehikel für die insgesamt 20 Songs von Spliff, Markus, Mary Roos, Ideal oder Purple Schulz, die die (inklusive Pause) gut zweieinhalbstündige Show prägen. Einen ganz besonderen Reiz entfalten vor allem der Aufwand wie die Liebe zum Detail, die hier in so vielen Facetten spürbar werden. In der einfallsreichen Gestaltung des Bühnenbilds und der aufwendigen der Kostüme, dem großzügigen Einsatz der Requisiten (samt fahrbarem VW Golf) oder, gar nicht zuletzt, den zahlreichen Tänzern, Neben- und Komparsenrollen, die spielerisch eine vier Jahrzehnte zurückliegende Ära wieder aufleben lassen, mit Modern Talking und den Jacob Sisters als vergnüglichen Running Gags.

Aufführungen bis Ende Juli

Unter den rund 650 Premierengästen saß auch das Ensemble des Familienstücks „Die Goldene Gans“, das am folgenden Nachmittag auf die Freilichtbühne gebracht wurde, deren Kulisse sich für Märcheninszenierungen ja ganz besonders eignet. Aufgeführt wird „Schlager, Stars und Deutsche Welle“ noch bis einschließlich 31. Juli, „Die Goldene Gans“ bis 1. August.

Im Netz

Alle Termine und Tickets findet man auf www.flbmannheim.de.

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