Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel „Kampf der Titanen“: Die griechische Mythologie an einem Abend

Beim „Kampf der Titanen“ werden die Schauspielerinnen und Schauspieler in den Ring steigen – und arbeiten deswegen zurzeit mit e
Beim »Kampf der Titanen« werden die Schauspielerinnen und Schauspieler in den Ring steigen – und arbeiten deswegen zurzeit mit einer Wrestling-Trainerin.

Zum Abschluss der Spielzeit 2025/26 bespielt der Hausregisseur Christian Weise das Alte Kino Franklin des Nationaltheaters mit dem Spektakel „Kampf der Titanen“.

Der Knall, wenn jemand auf den Boden donnert, ist ja schon laut. Aber dazu ruft die Person, die geworfen hat, noch ein lautes „Uaaah“, und im Lauf des Abends scheint es immer lauter zu werden. Die Schauspielerinnen und Schauspieler, die sich im Tanzhaus des Nationaltheaters im Mannheimer Stadtteil Käfertal versammelt haben, haben offenkundig sehr viel Spaß am Wrestling-Training mit der Österreicherin Selina Nowak aka Zelina Power. „Das ist wieder ein bisschen wie Schauspielschule“, sagt Schauspieler Sandro Sutalo auf dem Weg zu einem Becher Wasser. „Nur cooler.“

Homer trifft die Simpsons

Dieser Wrestling-Ring, in dem zurzeit trainiert und geprobt wird, soll ab 10. Juli auch auf der Bühne im Alten Kino Franklin stehen. Auf einer der Bühnen, muss man sagen, denn die übliche Trennung zwischen Zuschauer- und Bühnenraum wird an diesem Abend aufgehoben sein. Im Raum werden mehrere Bühneninseln stehen, auf denen sie ausgetragen werden, die Kämpfe der Titanen, auf denen Metaphern sichtbar werden, Gleichnisse erzählt, Konflikte, Tragödien. Die Kunstwelt in Pink- und Blautönen, die Bühnenbildner Alexander Naumann erschaffen wird, hängt in Form von Skizzen an den Wänden. Genau wie die Kostüme, die versprechen, dass das Spektakel ein lustiges bis skurriles werden wird. So wird Sandro Sutalo, der gerade mit seinen Kolleginnen und Kollegen im Wrestling-Ring steht, als Homer ein Homer-Simpson-Kostüm tragen, Sarah Zastrau wird aussehen wie Mutter Marge Simpson.

„Was man sieht, muss Spaß machen“, sagt Regisseur Christian Weise, der am Wrestling-Ring steht wie später das Publikum auf Franklin. „Das ist Theater.“ Im Sommer 2022 hat Weise, Jahrgang 1973, der mit dem fast gleichaltrigen Mannheimer Schauspielintendanten Christian Holtzhauer seit vielen Jahren intensiv zusammenarbeitet, den sanierungsbedingten Auszug aus dem Spielhaus am Goetheplatz mit dem Spektakel „Shakespeares schillernde Welt“ begleitet – mit großem Erfolg. Damals durfte sich das Publikum frei durch den Raum bewegen und Ausschnitte aus Shakespeares Dramen und Komödien erleben.

„Es geht um Brot und Spiele“

So ähnlich soll es nun bei „Kampf der Titanen“ sein. Wenn die Zuschauerinnen und Zuschauer eine Pause brauchen von all den tragischen Schicksalen, den Kämpfen auf Leben und Tod und den Launen der Götter des Olymps, können sie den Saal verlassen, ein Glas Wein oder Wasser trinken oder etwas essen und nach Lust und Laune zurückkommen auf den „Erwachsenenspielplatz“, als den Weise die Inszenierung bezeichnet. Man werde nichts verpassen, versichert er, die Pausen seien wichtig: „Es geht um Brot und Spiele.“ Und eine Kassandra wird den ganzen Abend über dem Publikum Tarot-Karten legen. Die Produktion wird in zwei verschiedenen Varianten gespielt, unter der Woche dauert sie vier Stunden, am Wochenende die „Extended Version“ sechs. Wobei man die Sagen und Heldengeschichten der griechischen Mythologie auch sechs Monate lang spielen könnte und längst nicht fertig wäre.

Große Geschichten

Sorgen, unwissend zu sein oder dem Geschehen nicht folgen zu können, müsse sich niemand machen, sagt Regisseur Weise. „Ich stelle zurzeit immer wieder fest, dass die Leute viel mehr über die griechische Mythologie wissen, als sie selbst denken.“ Er selbst habe schon als Kind Gustav Schwabs „Schönste Sagen des klassischen Altertums“ mit Begeisterung gelesen, und die Faszination für Ödipus, Antigone, die Orestie, für Zeus und all die anderen Götter sei heute ungebrochen: „Sonst hätten ,Herr der Ringe’ und das ganze Fantasy-Genre nicht so einen Zulauf.“ Die Geschichten von Liebe, Eifersucht, Tragödien, Kampf, das Mythische und Mystische – es sei zeitlos. „Schon damals“, sagt Weise, „haben diese großen Geschichten den Menschen als Spiegel gedient. Und so funktionieren sie heute noch.“

Und nicht zuletzt ist „Kampf der Titanen“ auch ein schönes Event für die Schauspielerinnen und Schauspieler des Theaters. Fast das komplette Ensemble wird an der Produktion mitwirken – und sich nach elf mehr oder weniger langen Vorstellungen in zweieinhalb Wochen den Sommerurlaub aber sowas von verdient haben.

Termine

Die Premiere von „Kampf der Titanen“ am Freitag, 10. Juli, ist ausverkauft. Am Donnerstag, 9. Juli, findet von 16 bis 22 Uhr eine jederzeit zugängliche öffentliche Probe statt. Weitere Vorstellungen sind am 11., 12., 15., 17., 18., 23., 24., 25. und 26. Juli im Alten Kino Franklin.

Mehr zum Thema
x