Eisenberg Mit dem Gemälde im Gepäck durch die Pfalz

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Biedesheims Ortsbürgermeister Holger Pradella (FWG) hat nicht schlecht gestaunt, als plötzlich Hertha und Falko Wagner aus Kirchheim an seine Tür klopften und ihm ein Gemälde überreichten. Das ihm bislang unbekannte Rentnerehepaar schenkte ihm ein Aquarell von dem ihm ebenfalls unbekannten Maler Herbert Gauck. Mit dem Motiv des Werks wiederum konnten die Eheleute lange Zeit nichts anfangen.

Es zeigt, wie sie jetzt wissen, einen Teil der Hauptstraße mit dem markanten Glockenturm. „Wir haben das Bild vor rund zwei Jahren beim Ausmisten des Speichers im Haus einer Freundin in Kleinkarlbach gefunden“, erinnert sich Hertha Wagner, der das Aquarell sogleich gefallen hat. Da es zu schade zum Wegschmeißen gewesen sei, hätten sie und ihr Mann es mitgenommen. Der Künstler soll ein Mann aus Obrigheim gewesen sein und insofern lag die Vermutung nahe, dass es sich um die dortige Ortsdurchfahrt handelt. „Da meine Schwester in Obrigheim wohnt, wollten wir deren Sohn zur Hochzeit das Gemälde schenken“, sagt die Kirchheimerin. Doch leider habe sich herausgestellt, dass das Bild einen anderen Ort zeige. So sind sie und ihr Mann peu à peu durch die Pfalz gereist, immer das Aquarell im Gepäck und immer auf der Suche nach der passenden Straßenansicht. Am 29. Dezember schlug Falko Wagner die RHEINPFALZ auf und las ein Interview mit Pradella unter dem Titel „Habe hier Wurzeln geschlagen“. Neben dem Porträt des Bürgermeisters war ein Foto der Hauptstraße Biedesheims. „Er rief: ,Guck mal, unser Bild`“, erzählt die 75-Jährige. Da war er endlich, dieser Glockenturm, den die beiden zuvor vergeblich gesucht hatten. Für die Kirchheimer war es keine Frage, wo das Bild nun hingehört, und sie machten sich ein letztes Mal mit dem Aquarell im Auto auf den Weg. Pradella möchte es bei der nächsten Gemeinderatssitzung am heutigen Mittwoch vorstellen und dann wohl ins Bürgerhaus hängen, „sodass es von allen Leuten gesehen werden kann“. Und wieso fristete das Gemälde einige Jahre ein trauriges Dasein auf einem Kleinkarlbacher Dachboden? „Neben meiner Freundin wohnte ein Verwandter von ihr, der aus Biedesheim stammt“, löst Hertha Wagner das Rätsel auf. Als dieser ins Altersheim ging, habe er seiner Nachbarin das Kunstwerk gegeben. Das Entstehungsjahr lässt sich nur schätzen. Es muss laut Pradella auf jeden Fall vor 1995 gewesen sein, da dann die auf der Leinwand noch unbefestigte Hauptstraße ausgebaut worden ist. Auch haben sich manche der dargestellten Details an den Gebäuden bis heute verändert – oder sie existierten gar nicht. Zumindest der Verlauf der Holzbalken des Fachwerks einiger Häuser ist das Ergebnis künstlerischer Freiheit. Eine Witwe hat dem Bürgermeister berichtet, dass der Maler Herbert Gauck der Mann der Schwester ihres verstorbenen Gatten gewesen sei, geboren 1921, gestorben 2014. Gaucks Urgroßeltern hätten in der Wiesenstraße in Biedesheim gewohnt. Die Hauptstraße sei ein häufiges Motiv des Künstlers gewesen.

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