Rheinpfalz Mit Angeklagten und Zeugen auch mal auf gut Pfälzisch verhandeln
«Kaiserslautern/Landstuhl.»Mit 26 Jahren ist Francesca De Fazio die jüngste Richterin am Amtsgericht in Kaiserslautern. Um ihren Traum zu verwirklichen, musste die gebürtige Landstuhlerin hart arbeiten und manches einstecken. Während Kindheit und Jugend hatte sie mit Schul-Mobbing zu kämpfen.
„Akzeptanz und Respekt sind wichtig“, ist De Fazio überzeugt. „Nur dann kann ein Angeklagter mich und mein Urteil akzeptieren.“ Sie weiß, wovon sie redet. „Ich wurde in der Schule nie so wirklich akzeptiert und auch viel wegen meiner Größe gemobbt. Ich hatte nie das Gefühl, wirklich dazu zu passen. Es war sehr hart.“ Jetzt möchte die hochgewachsene Frau anderen Mut machen, ihren Weg zu gehen, und sei er noch so schwierig. Ihre Mutter ist Deutsche, der Vater Amerikaner mit sizilianischen Wurzeln. Als Soldat kam er nach Ramstein und lernte dort seine spätere Frau kennen. In Landstuhl geboren, verbrachte Francesca ihre Kinderjahre auf der Atzel. Ab der fünften Klasse besuchte sie die Realschule. In der neunten Klasse passierte es. Ein Schlüsselerlebnis, das ihr Leben verändert hat: Im Sozialkundeunterricht nahm ihre Klasse an einer Strafverhandlung am Amtsgericht Landstuhl teil. „Ich weiß das noch wie heute. Es ging um Körperverletzung. Das ganze System, die Roben, das hat mich so sehr fasziniert. Da wusste ich: Das ist es, was ich machen möchte.“ Viele aus ihrem Umfeld hätten ihr damals ein Jurastudium nicht zugetraut. Doch sie war davon nicht mehr abzubringen. „Seitdem habe ich gekämpft für das, was ich wollte.“ Sie machte Abitur am Heinrich-Heine-Gymnasium. „Ziehen Sie das durch“, habe ihr der Englischlehrer Mut zugesprochen, als sie wegen ihrer Größe auch an dieser Schule gemobbt wurde. Dann ging es nach Saarbrücken zum Studium. Ist Jura nicht furchtbar trocken? „Das empfinde ich überhaupt nicht so. Für mich ist es spannend“, widerspricht De Fazio. Nach acht Semestern bestand sie beim ersten Versuch das Staatsexamen. Eine Anstellung als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Uni folgte, dann das Referendariat. In dieser Zeit bot ihr ein Professor die Leitung von Arbeitsgruppen an. Noch heute fährt sie einmal in der Woche nach Saarbrücken, um diese AGs zu leiten. „Erstsemestern in den Gruppen will ich Mut machen. Es ist nicht schlimm, wenn ihr durch eine Prüfung fallt. Das ist mir auch passiert. Ich will sie stärken. Der Konkurrenzdruck im Fachbereich Jura ist extrem hoch.“ Mit einem Prädikatsexamen, das in der Regel nur etwa zehn Prozent erreichen, schloss De Fazio ihr Studium ab. Als Richterin für Strafsachen ist sie seit zwei Monaten in ihrem Traumberuf in Kaiserslautern tätig. Einmal in der Woche verhandele sie sechs bis acht Fälle am Tag. Das Spektrum reiche von Verkehrssachen über Körperverletzungen bis hin zu Diebstahl. „An den anderen Tagen bereite ich die Sitzungen vor und terminiere neue.“ Von hier weggehen? Unvorstellbar. „Ich empfinde es als großen Vorteil, dass ich hier aus der Region stamme. Es kommt schon mal vor, dass ich mit Angeklagten oder Zeugen auch Pfälzisch spreche. Die Leute sollen sich als Menschen angenommen fühlen.“ Innerhalb des Kollegenkreises und in den Verhandlungen sei es bisher noch nicht vorgekommen, dass jemand sie aufgrund ihres Alters nicht ernst genommen hätte. „Vielleicht ist es doch ein Vorteil, dass ich so groß bin“, meint sie lachend.