Rheinpfalz „Mit 17 würde ich da mitmachen wollen“

Lisa Sophie Bärmann aus Contwig ist unter den Top 20 des Fernseh-Spektakels Germany’s Next Top Model (GNTM). Wenn sie und ihre Konkurrentinnen auf High Heels über Kieselsteine stöckeln, schaut auch Meike Weinmann zu. „Ich muss, ich habe eine 16-jährige Tochter“, sagt das Model aus Zweibrücken augenzwinkernd. Die Miss Germany von 1992 ist seit über 20 Jahren im Geschäft, sieht das Ganze von einer professionellen Warte aus und hat sich mit unserer Redakteurin Sigrid Sebald über die TV-Show und die Contwiger Kandidatin unterhalten.
Ein super Format! Wenn man unter die ersten 20 kommt, dann ist das schon toll. Was die Mädchen alles geboten bekommen, ist beeindruckend. Sie sind vier Monate lang unterwegs, in den schönsten Städten der Welt, das muss sich ein normales Model erst mal in vielen Jahren hart erkämpfen. Besonders realistisch ist es also nicht. Nein, das natürlich nicht. Als Model fängt man mit kleinen, einfachen Jobs an, führt etwa Bademäntel vor. Die Mädchen bei GNTM schweben gleich mal an Stahlseilen über Elefanten oder machen ähnlich Spektakuläres. Da wird direkt bei einem sehr hohen Niveau angesetzt. Das wahre Model-Leben ist sehr viel langweiliger, und man hat auch nicht so oft die Chance, so was Aufsehenerregendes zu machen. Ich hatte mal ein Shooting auf dünnem Eis, wo ich Angst hatte, dass das Eis bricht. Das war abenteuerlich. Aber da hatte ich schon eine sehr lange Berufserfahrung, und solche Aufnahmen sind im Berufsalltag die große Ausnahme. Ist es also Augenwischerei, die Mädchen glauben zu lassen, sie hätten eine reelle Chance auf eine Model-Karriere? Das würde ich so nicht sagen. Man kann GNTM schon als Sprungbrett nutzen. Erst mal ist man zwar bei Papa Klum unter Vertrag, aber danach kann man sich ja anderweitig orientieren. Und die professionellen, tollen Fotos aus der Show hat man dann, das kann nicht schaden. Wenn ich noch mal 17, 18 wäre, würde ich da auch mitmachen wollen. Alleine schon wegen der vielen Erfahrungen, die man dort sammeln kann. Fiebern Sie mit? Ja, schon. Ich liege mit meinen Einschätzungen oft richtig, habe ich festgestellt. Und ich diskutiere oft mit meiner Tochter über die Kandidatinnen. Wie schätzen Sie die Chancen von Lisa Sophie Bärmann aus Contwig ein? Gut! Sie schlägt sich sehr gut und kommt sympathisch und authentisch rüber. Beim Umstylen tat sie mir allerdings ein bisschen leid. Die raspelkurzen, weißblonden Haare stehen ihr gut, aber mit so einer Frisur ist es ganz schwierig zu arbeiten. Sie schränkt sehr auf einen bestimmten Typ ein – sportlich und androgyn – und beim Modeln ist ja auch Wandlungsfähigkeit gefragt. Ich fand es ungerecht, man macht es ihr schwer mit dieser Frisur. Aber vielleicht wachsen die Haare ja noch ein bisschen bis zum Ende der Sendung. Ein wenig länger wäre schon okay. Was würden Sie Lisa Sophie raten? Sie tut schon das Richtige: Sie zickt nicht rum. Das ist gut. Die Zicken sind zwar gut für die Einschaltquote, aber sie gewinnen nicht. Immer nur rummeckern, das kann sich vielleicht eine Naomi Campbell leisten. Ansonsten ist Modeln ein Bussi-Bussi-Job. Man muss dem Kunden gefallen, lächeln. Das sollten die Mädchen wissen, bevor sie in die laufende Kamera maulen. Lisa Sophie hat das wohl verstanden. Was immer sie auch machen muss, sie beißt die Zähne zusammen und zieht’s durch. Ob im Pelzmantel in der Wüste oder im Bikini im Schnee – ein Model darf nicht jammern. Sie sprechen aus Erfahrung. Ich hatte auch Situationen, wo ich mich ungerecht behandelt fühlte. Etwa als junges Mädchen bei der Miss-Europa-Wahl in Griechenland. Aber ich habe in die Kameras gelacht. Geheult wurde später im Hotelzimmer. Das hätte Heidi Klum gefallen. Wie finden Sie sie? Sie macht ihren Job perfekt, ist ein Arbeitstier, und was sie tut, wirkt nicht aufgesetzt. Sie geht auch nicht wirklich bösartig mit den Mädchen um. Sie ist ehrgeizig und zielstrebig und hat bisher immer die richtigen Knöpfe gedrückt. Ich finde, sie macht das sehr gut. GNTM ist oft in der Kritik. Die Sendung vermittele ein antiquiertes Frauenbild, bei dem es darum geht, schön auszusehen, heißt es. Es ist ein Model-Wettbewerb. Und da geht es natürlich um die Optik, nicht um den guten Charakter oder die höchste Bildung. Wenn ich Germany’s Next Top Schwimmer suche, lasse ich auch keinen an den Start, der gar nicht schwimmen kann. Ich habe kein schlechtes Gewissen, wenn ich mir GNTM anschaue. Es ist gute Unterhaltung. Sie arbeiten als Model und wohnen in Zweibrücken, das nun nicht zu den Modemetropolen der Welt gehört. Das geht aber sehr gut. Ich bin immer mal wieder für ein paar Tage unterwegs, von Freitag bis Dienstag etwa bin ich in Karlsruhe für einen Job beim Bader-Katalog. Aber ich lebe sehr gerne hier. Ich war auch schon mal drei Jahre in Karlsruhe und für längere Zeit in Barcelona, habe aber dann gemerkt, dass ich nicht der Typ dazu bin. Das ganz harte Modelbusiness war nichts für mich. Da ist man viel alleine, und gerade im Ausland geht es sehr viel härter zu als in Deutschland, wo man eine Karte hat und von einem Booker vermittelt wird. Im Ausland gibt es Castings mit 30, 40, 50 Mädchen, und der Kunde sucht aus. Und man muss immer persönlich erscheinen. In Mailand war ich mal bei drei Castings, als ein Model für Schuhe gesucht wurde. Auf dem Foto war man nur bis zu den Knien zu sehen. So was wäre mir auf die Dauer zu stressig gewesen. Sie sind über 40 und modeln noch. Ja, mittlerweile geht das. Es gibt ja auch immer mehr ältere Menschen. Die Werbung hat sich entsprechend umgestellt, um diese Zielgruppe zu erschließen. Vor 25 Jahren war das ganz anders, da war mit 40 Schluss mit modeln.