Rheinpfalz Millionenprojekt vor dem Abschluss
Das Werk ist vollbracht: Nach mehrjährigen Anläufen, heftigen Diskussionen und Bürgerprotest zwischendurch – vor allem seitens der Anlieger – kann das Millionenprojekt Lohnbrücke am heutigen Freitag um 18 Uhr eingeweiht und für den Verkehr freigegeben werden.
Als die Brücke 1964 in 15 Metern Höhe auf einer Länge von 70 Metern als Verbindungsstraße zwischen dem Haustel und dem Stadtteil Lohn gebaut wurde, förderte sie die Entstehung der Neubaugebiete auf dem Lohn und auf der Heide. Aber 25 Jahre später hatte sie sich bereits zum Sicherheitsrisiko entwickelt. Schon im Jahr 1989 hatte das Ingenieurbüro Dilger (Dahn) ein Gutachten erstellt und darin erhebliche Mängel nachgewiesen. Weil der Stadt jedoch das Geld für eine grundlegende Instandsetzung fehlte, blieb vorerst (auch noch 2006) nur die Hoffnung, dass Flickarbeiten und die Begrenzung des zulässigen Gewichts auf zwölf Tonnen genügen würden, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. 2010 musste gehandelt werden. Schäden an der Fahrbahn, den Kappen und den Widerlagern, auch am Brückengelände waren offensichtlich geworden. Betonstücke platzten ab und fielen hinunter auf die Lindersbachstraße. Zum Schutz von Autofahrern und Fußgängern mussten Netze gespannt werden. Die Lohnbrücke wurde gesperrt, sie war nur noch von Fußgängern zu nutzen. Drei Lösungen standen zur Debatte: Mit dem Abriss der Brücke wären zwar alle baulichen Probleme gelöst gewesen, indessen wäre auch ein vielbefahrener Verkehrsweg entfallen. Die Kosten hätte allein die Stadt zu tragen gehabt. Auch die Sanierung und ausschließliche Öffnung für Fußgänger oder Radfahrer stand zur Diskussion. Für Autofahrer, hieß es von Seiten der Neubaugegner (FWG, Grüne), sei die Wiedererrichtung der Brücke nicht notwendig, gebe es doch „mindestens vier Zufahrten“ zum Lohn. Allein die Rechnung stimmte in diesem Fall wohl nicht. Für die genannten 200.000 Euro sei keine Instandsetzung zu bekommen, stellte die Bauabteilung der VG fest. Sie schätzte die Kosten auf 800.000 Euro, wobei keinerlei Zuschüsse gewährt worden wären. Somit steuerte der Stadtrat auf die Entscheidung zu, die Lohnbrücke abreißen und neu bauen zu lassen. Dafür stimmte im November 2010 eine Mehrheit aus CDU, SPD und WIR, fünf Ratsmitglieder (FWG, Grüne, damals noch FDP) lehnten das Vorhaben ab. Der Finanzplan ging zuletzt (Frühjahr 2016) von Kosten in Höhe von 2,4 Millionen Euro aus, die Zuschüsse sollten sich auf 1,5 Millionen belaufen. An Ausbaubeiträgen für Fahrbahnen und Gehwege, die über die wiederkehrenden Beiträge finanziert werden, fallen 170.000 Euro an. 700.000 Euro muss die Stadt aufbringen. Im September 2014 rückte eine Spezialfirma aus Norddeutschland mit mächtigen Kränen zum Abriss der Brücke an. Bereits im darauffolgenden April richtete die Firma Theisinger & Probst in der Lindersbachstraße die Baustelle zum Neubau der Lohnbrücke ein. Die Pfeiler wurden „schlanker“ betoniert als die früheren Stützen, auch der Überbau wurde „verschlankt“ gestaltet. Trotzdem erhöhte sich die Tragkraft von ehedem 30 Tonnen auf jetzt 60 Tonnen. Diese Veränderung spielte sich im Inneren ab und erfolgte hauptsächlich über Stahleinlagen. Die Bürgerinitiative „Lohnbrücke“, die sich inzwischen gegründet hatte, befürchtete hartnäckig die Begünstigung von Schwerlastverkehr. Dem Gerücht widersprach die Bauabteilung plastisch und nachdrücklich: „Wir wollten nie Monstertrucks über die Brücke leiten.“ Stattdessen gab sie zu bedenken, dass schon ein voll beladenes Müllfahrzeug über 30 Tonnen Gewicht erreiche und dass die Brücke gebaut sei „für Fahrzeuge aller Art“. Heftige Anstrengungen hatte die Bürgerinitiative (überwiegend der Zusammenschluss aus Anwohnern) unternommen, um das Projekt zu kippen. Es gelang, die Kosten im „Schwarzbuch“ des Bundes der Steuerzahler als unnötige Ausgaben anzuprangern. Die BI holte den Südwestrundfunk nach Rodalben, um Verantwortliche auf dem Marienplatz vor laufender Kamera Rede und Antwort stehen zu lassen. Schließlich setzte sie sich mit Mario Barth in Verbindung, der in seiner RTL-Comedy- Show dann tatsächlich über die „unnötige Brücke“ lästerte. Doch der Stadtrat blieb seiner Linie treu. Als die Bagger anrollten, verstummten die Gegner des Neubaus der Lohnbrücke allmählich. Nun lädt Bürgermeister Wilhelm Matheis alle, die mitfeiern wollen, für heute zur Einweihung ein. „Nach den Grußworten“, so Matheis, „laufen wir aus Richtung Lohn über die Brücke und feiern am anderen Ende ein kleines Fest.“