Kultur Südpfalz Melancholie und Vergänglichkeit
Zum 85. Geburtstag des in Hochstadt lebenden und arbeitenden Künstlers und Hans-Purrmann-Preisträgers von 1972, Werner Brand, am 18. Januar zeigt die Städtische Galerie Speyer ab heute rund 50 Ölgemälde, Zeichnungen und Radierungen seines Frühwerks von 1972 bis hin zu späten Arbeiten des vergangenen Jahres. Mit fast drei Monaten hat die Ausstellung eine ungewöhnlich lange Laufzeit.
Zwei Eigenschaften zeichnen Werner Brands Bilder aus: Melancholie und Vergänglichkeit. Alle Landschaftsbilder zeigen die Tiefe des Raumes, die sich scheinbar bis zur Unendlichkeit des Horizonts erstreckt. Keine belebten Objekte – also Menschen und Tiere, Blumen und Blätter – bevölkern die Szenen. Die Bäume sind nackt und kahl, überschwemmte Auenlandschaften wirken einsam, am Flussufer angeschwemmtes Holz und Abfall überflüssig. Brand nutzt Tageslicht und Jahreszeiten, um Stimmungen zu erzeugen. „Mir sind Frühjahr, Herbst und Winter am liebsten. Dann kann ich durch die Bäume hindurchschauen und in die Tiefe des Raumes sehen“, sagt der Maler. Dafür verwendet er lasierende Übermalungen und harmonische Farbtöne. „Der Maler soll nicht bloß malen, was er vor sich sieht, sondern auch, was er in sich sieht. Sieht er aber nichts in sich, so unterlasse er auch zu malen, was er vor sich sieht“: Dieses Zitat von Caspar David Friedrich, der ihn stark beeinflusst hat, ist in Brands Malerei eingegangen. Das Motiv der Vergänglichkeit zieht sich als roter Faden durch seine zahlreichen Stillleben, da sich Werner Brand mit Paul Cézanne und dessen impressionistischen Ausdrucksformen auseinandersetzte. Üppige Sonnenblumen, Zwiebeln, Quitten und Äpfel malte er im vollreifen Stadium. Aber gleichzeitig sind sie auch als faulende, braune Objekte dargestellt und erinnern an das mittelalterliche „Memento mori“ (deutsch: Sei dir der Sterblichkeit bewusst). Auch bei seinen Figuren und zahlreichen Selbstbildnissen steht nicht die Schönheit der Personen, sondern deren Veränderung im zeitlichen Ablauf im Mittelpunkt. Seine rund 1000 Werke hat der 85-Jährige nebst Künstlerhaus und Atelier in die Werner-Brand-Stiftung eingebracht, zu der dieses Jahr ein Katalog erscheinen soll. Zahlreiche Auszeichnungen wie der Purrmann-Preis begründeten Brands Ruf als „Pfalzklassiker“. Der Künstler ist in Löbau bei Dresden geboren, lebte rund 20 Jahre lang in Speyer und wohnt heute in Hochstadt (Kreis Südliche Weinstraße). Er lernte Schriftenmaler und begann in München seine Karriere als Maler. Ausstellung Zu sehen in der Städtischen Galerie Speyer bis 8. April, donnerstags bis sonntags, 11 bis 18 Uhr. Zur Eröffnung heute, 18 Uhr, im Historischen Ratssaal spricht die Journalistin Beate Steigner-Kukatzki.